Frühlings(alb)träume im Unteren Schloss Greiz

Frühlings(alb)träume im Unteren Schloss Greiz
Im Unteren Schloss Greiz wurde die Ausstellung Frühlings(alb)träume eröffnet. Interessiert betrachten die Besucher die Bilder und Exponate.

Die Natur hat uns beim Hochwasser 2013 ihre Macht gezeigt

GREIZ. Feuerwehrschläuche, Sandsäcke, Schubkarren, Schaufeln, Gummistiefel – allesamt Exponate, die man in einem Fürstlichen Museum im Grunde nicht vermuten würde. Doch geben sie der Ausstellung, die am Sonntagvormittag im Festsaal des Unteren Schlosses eröffnet wurde, ihren ganz unverwechselbaren Charakter. Die seit Jahren etablierte Ausstellung Frühlingsträume, die zeitgenössische Kunst mit floristischem Kunsthandwerk verbindet, fällt in diesem Jahr etwas aus dem Rahmen. Frühlings(alb)träume titelt die Exposition, die verschiedene fotografische Perspektiven auf die Hochwasserereignisse im Juni vergangenen Jahres sowie den großen Zusammenhalt in der Greizer im Kampf gegen die Fluten verdeutlicht.

Den zahlreichen Gäste der Vernissage darunter Landrätin Martina Schweinsburg (CDU), Bürgermeister Gerd Grüner (SPD), Stadträte und die Protagonisten der Ausstellung, die Fotografen wurden durch die fast zweihundert Bilder – auf eine Leinwand projiziert – noch einmal die Tage der Flutkatastrophe ins Gedächtnis zurückgerufen. Mit wunderbaren Improvisationen am Förster-Flügel untermalte Stadtkantor Ralf Stiller die Dramatik dieser Tage.

Bürgermeister Grüner ging in seinen einführenden Betrachtungen noch einmal auf die Geschehnisse ein. Die Natur hat uns ihre Macht gezeigt und dargelegt, dass das Leben nicht planbar ist.
Er unterstrich aber auch den Einsatzwillen der Greizer, die Gemeinsamkeit und die Hilfe, die man leistete: Wenn die Greizer nicht zusammengehalten hätten, wäre die Neustadt nicht zu retten gewesen, so das Stadtoberhaupt. Es sei beeindruckend gewesen zu erleben, wie die Bürger halfen, die Katastrophe zu überwinden. Heute müsse man schon genau hinschauen, noch etwas von Hochwasser zu sehen. Doch wirke die Flut bei vielen Betroffenen noch nach; die Bürokratie der Soforthilfe sei so extrem groß.

Man hätte den Schwung des Wiederaufbaus mitnehmen müssen, so der Bürgermeister in Richtung der Politik. Der Ausstellung wünscht er, dass sie viele Gäste erfahren solle und dankte noch einmal den vielen Jugendlichen, die mit großem Einsatz mitarbeiteten. Das WIR stärken nannte Museumsdirektor Rainer Koch als Anspruch der mit viel Liebe zum Detail gestalteten Ausstellung. Nicht nur beim Hochwasser überparteilich zu arbeiten, das Zusammenstehen in der Kommune und vor allem, die Stadt Greiz in der Außenwirkung positiv darzustellen, seien wichtige Leitsätze für ein gemeinsames Vorankommen, so Koch unter dem Beifall der Anwesenden.

Zuvor hatte der Greizer Karsten Schaarschmidt als direkt Betroffener über seine persönlichen Hochwassererinnerungen gesprochen. Bei all den materiellen Schäden, sei es doch das Wichtigste, dass man keine Opfer beklagen musste. Katastrophal finde er den unvorstellbar harten Kampf um die versprochenen finanziellen staatlichen Hilfen.

In die Ausstellung Frühlings(alb)träume führen historische Bild-und Schriftquellen vergangener Greizer Hochwasserkatastrophen der Jahre 1889, 1909, 1924 und 1954 aus den Sammlungen der städtischen Museen Greiz ein, die mit dem aktuellen Hochwassertagebuch des Rüßdorfers Bodo Scheffel den Bogen in die Gegenwart schlagen. Ich habe alles gleich genau notiert, im Nachhinein hätte man vieles bestimmt nicht mehr im Kopf gehabt, so Bodo Scheffel, der für seine Leistungen in den Tagen der Flut wiederholt anerkennende Worte des Bürgermeisters erhielt.

Floristin Yvonne Täubert vom Geschäft SchnittBlume brachte mit viel Kreativität und tollen Ideen nicht nur Farbtupfer, sondern auch aufblühende Hoffnung in die nachdenklich stimmende Exposition: Aus Gummistiefeln und Sandsäcken wachsende Hyazinthen, Narzissen, Palmzweige und Thujas, die aus Schwemmgut und Schubkarren sprießen und Feuerwehrschläuche, die sich wie Efeu um ein Pflanzgerüst ranken. Die Fotos wurden von vielen Greizer Bürgern gefertigt, ein großer Teil der Ausstellungsbilder stammen vom Fotoclub Greiz e.V. die großen Luftaufnahmen von Tino Zippel.

Antje-Gesine Marsch @17.03.2014

1 Kommentar zu Frühlings(alb)träume im Unteren Schloss Greiz

  1. Ein „Tief“ der Natur bewirkt ein „Hoch“ im Zusammenwirken der Menschen. So soll es sein.
    Eine sehr aussagekräftige Ausstellung.
    Gut, daß der Bürgermeister in der Eröffnungsrede seine Einstellung zur „Bürokratie“ bei der Behandlung der Hochwasserfolgen dargestellt hat.
    Mein Kommentar dazu:
    Merkel-Besuch in Greiz ein Ereignis, leider ohne Folgen!

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