EINENKEL PUPPEN – handmade in Greiz

Brunhilde Einenkel (1893-1984)
Brunhilde Einenkel (1893-1984)

Vor 100 Jahren gründete Brunhilde Einenkel (1893-1984) ihre Puppenmanufaktur im Oberen Schloss

Sonderausstellung im Museum im Unteren Schloss Greiz

  1. Oktober 2021 – 24. April 2022
    Dienstag – Sonntag
    10.00 Uhr – 17.00 Uhr

Puppen – treue, stille Begleiter, Beschützer, Spielkameraden und Trostspender bei den ersten
Krabbelversuchen, den Kinderträumen, den ungewollten Stürzen, den großen und kleinen Ängsten sowie Freuden.
Und schließlich der stumme Betrachter des wechselvollen Lebens, bis die Kinder und Enkelkinder den Puppen ein neues Leben einhauchen und zu neuen, gemeinsamen Abenteuern anstiften.
Puppen gehören auch zu den ersten Erlebnissen und Eindrücken, die uns für ein ganzes Leben prägen können.
Das war Brunhilde Einenkel durchaus bewusst und stellte ihre künstlerischen Fähigkeiten in den Dienst der Menschen, um mit ihren individuellen Künstler-Puppen mit ihren unverwechselbaren, stilisierten Gesichtern Freude zu verbreiten.
„Mein ganzes Bestreben war und ist: großen und kleinen Kindern aus einfachsten Mitteln Freude zu bereiten.“ (B. Einenkel, 1947)
Bewusst stellte sie ihre Puppen gegen den sich ständig verändernden Zeitgeschmack – sie haben ihren eigenen, typischen Stil. Ihre Puppen verkörpern bis heute eine Lebensfreude, die ihre Schöpferin ihnen persönlich einhauchte.
Sie schenkte ihren Puppenkindern das Leben und diese sorgten dafür, dass Brunhilde Einenkel ihrerseits von der Puppenproduktion leben konnte. Dies war nicht immer so einfach, denn die Welt war ständigen Veränderungen unterworfen – Inflation, Zweiter Weltkrieg und die DDR-Zeit prägte das Leben von ihr sowie von ihren Puppenkindern.
Viele Greizer haben Brunhilde Einenkel (1893-1984) vom Oberen Schloss noch persönlich gekannt. Die oft erzählten, liebevollen Anekdoten verbinden sich mit ihrer Person, ihrer Gastfreundschaft oder mit den Puppen, die viele Kindergenerationen begleiteten und prägten.

Brunhilde Einenkel wurde im sächsischen Michelwitz, Kreis Borna, geboren und zog im Alter von 7 Jahren mit ihren Eltern nach Glaubitz bei Riesa (Sachsen). 1904 siedelte sie mit ihrer verwitweten Mutter und den Geschwistern nach Greiz über. Schon mit 16 Jahren folgte sie ihrem Fernweh, ging nach Italien und schließlich nach München. Die Jahre in München waren für ihre persönliche, künstlerische sowie berufliche Entwicklung prägend.
Seit 1913 lebte sie im Haushalt ihrer Cousine, der Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff (1878-1954) und betreute die Tochter Ruth Rilke (1901-1972). Die vielen persönlichen Gespräche der beiden Frauen sowie der intensive Kontakt mit Kunst und Kultur veränderte das Leben der jungen Frau. Täglich begegnete sie Persönlichkeiten der damaligen Münchner Kunstszene. Die künstlerischen Arbeiten von Clara Rilke-Westhoff waren avantgardistisch und veränderten ihren Blick auf die Moderne. Sie vermittelte Brunhilde Einenkel in dieser Zeit Anregungen und Förderungen, die sie bewog, in die Lehrund Versuchsanstalt für Fotografie in München einzutreten.
In dieser Zeit entstanden Fotografien, die ihren selbstbewussten Gestaltungswillen sowie ein geschultes Auge für Inszenierung, Kreativität und Spontanität illustrieren. Das Spiel mit Licht und Schatten ist klar herausgearbeitet und verdeutlicht ihre hohe handwerkliche Meisterschaft bezüglich der Fotografie, denn in dieser Zeit betätigte die Fotografin nicht nur den Auslöser, sondern die Entwicklung der belichteten Fotoplatte mit entsprechenden bildfixierenden Chemikalien oblag ausschließlich der Künstlerin. Die in dieser Ausstellung ausgestellten Arbeiten offenbaren eine große Begeisterung, Meisterschaft und Leidenschaft bei dem künstlerischen Spiel mit dem Licht.
Sie kehrte trotzdem nach Greiz zurück und zog mit ihrer Familie in die Wohnung im Oberen Schloss, Haus 8.
In diesen Räumlichkeiten gründete im Jahre 1922 die Fotografin und Kunsthandwerkerin Brunhilde Einenkel ihre Puppenmanufaktur im Oberen Schloss.
Bis zum Januar 1982 wurden in diesem Gebäudetrakt des Oberen Schlosses manuell und liebevoll einzigartige Puppen hergestellt.
2016 konnten die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz einen sehr umfangreichen Nachlass der Künstlerin von ihrer Familie übernehmen und somit auch für künftige Generationen bewahren. Umfangreiche Auszüge aus diesem Nachlass werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Sonderausstellung folgt der Zeitgeschichte sowie dem eindrucksvollen Lebenslauf der Kunsthandwerkerin, skizziert die Persönlichkeit sowie Lebensstationen durch Fotos und Dokumente, illustriert die verschiedenen Produktionsschritte des Puppenbaus und präsentiert die Vielzahl verschiedener Puppen. 1922 wurde auf dem Oberen Schloss Greiz mit einer 60 Jahre währenden Produktion einzigartiger Puppen begonnen, die ein unverwechselbares, liebevolles Aussehen aufweisen und ihren Charme nie verlieren werden.
Lassen Sie sich verzaubern von dem Lächeln ihrer Puppen – Puppen sind viel mehr als nur ein Spielzeug!