Ausstellungseröffnung »Die feine englische Gesellschaft« im Greizer Sommerpalais

Sammlung im Sommerpalais und Sommerpalais als Schloss des Jahres 2013 sind einander mehr als würdig
Schabkunstblätter - hier hat Wilfried Pucher ein Handy in der Hand der Dame entdeckt...

Sammlung im Sommerpalais und Sommerpalais als Schloss des Jahres 2013 sind einander mehr als würdig
Seit Sonnabend werden Schabkunstportraits aus der Sammlung von Prinzessin Elizabeth gezeigt

GREIZ. Zu den größten Kostbarkeiten der Staatlichen Bücher-und Kupferstichsammlung im Sommerpalais gehören rund eintausend Schabkunstblätter aus dem 18. Jahrhundert, die durch Erbschaft der Landgräfin Elizabeth von Hessen Homburg der Tochter des englischen Königs George III. an ihre Nichte Fürstin Caroline (1818-1872),Gattin von Fürst Heinrich XX. Reuß ältere Linie ins vogtländische Greiz gelangte. Dabei handelt es sich um eine bedeutende zeitgenössische Porträtsammlung, die historische Persönlichkeiten darstellt. Sie entstand in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts auf Schloss Windsor.

Am Sonnabendvormittag wurde in der Beletage des Greizer Maison de belle retraite die Ausstellung Die feine englische Gesellschaft eröffnet. Seit achtzehn Jahren wird nunmehr in einer Exposition ausschließlich Schabkunst gezeigt, wie die Direktorin des Hauses, Eva-Maria von Mariassy in ihren einführenden Worten sagte.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in England ein selbständiges Kunstleben; vorher beherrschten ausländische Künstler das Geschehen. Bald gehörte es zum guten Ton in der feinen englischen Gesellschaft, sich porträtieren zu lassen und so saßen die Adligen, Gelehrten. Geschäftsleute und Künstler vor allem Joshua Reynolds, dem angesagtesten Maler jener Zeit Modell. Ihm werden mehr als 2000 Bildnisse zugeschrieben, so Frau von Mariassy. Die Porträtierten gaben anschließend die Herstellung von Schabkunstdrucken in Auftrag, um die Abzüge verschenken zu können. So wurden die Blätter schnell begehrte Sammlungs-und Tauschobjekte, führte die Direktorin aus.

Die in der Ausstellung gezeigten Schabkunstblätter präsentieren einen kompletten Überblick über alle kunsthistorischen Klassifizierungen und Darstellungsformen des Porträts. Sie werden Einzelporträts, Doppelporträts und Gruppenporträts sehen. Ganzfigur, stehend oder sitzend, Kniestück, Hüftbild, Halbfigur, Bruststück, Schulterstück, Kopfbild, weist Eva-Maria von Mariassy auf die Vielfalt hin. Zudem werde man in den Darstellungen Attribute finden, die erhellen, was der Dargestellte in oder aus seinem Leben gemacht hat: Admiräle haben Schiffe im Hintergrund, die Maitressen enthüllende Liebesbriefe in der Hand, die Ladies reizende Kinder auf ihrem Schoß und die Royals sind eben majestätisch.

Der wichtigste Punkt sei aber, dass man mittels der Schabkunst auch Mezzotinto genannt Samt als Samt erkennen könne, ebenso Seidentaft und Spitze, Pelzkragen oder Kinderlocken und den zarten Teint englischer Ladies. All diese kunsthistorischen Informationen werden Ihnen offenbaren, dass die Sammlung im Sommerpalais und das Sommerpalais als „Schloss des Jahres 2013“ einander mehr als würdig sind, betont die Direktorin des Sommerpalais.
Die Vernissage umrahmte Antonio Clavijo auf der Viola da gamba musikalisch.

Info:
Bei der Schabkunst (auch Mezzotinto = Halbton) werden keine Linien gestochen wie beim Kupferstich, sondern die Zeichnung wird in Hell-Dunkel-Abstufungen flächig modelliert. Ausgangspunkt ist eine roullierte Kupferplatte, also eine Platte, die von Hand mit Hilfe eines Wiegemessers vollflächig mit einem feinen Netz von Linien und Punkten überzogen wurde. Das Wiegeeisen ist ein Instrument, das aus etwa 20 bis 40 kammartigen Zähnen besteht und mit einer wiegenden Bewegung unter Kraftanwendung in die Platte gedrückt wird. Da die gesamte Druckplatte mit einem gleichmäßigen Raster überzogen werden musste, kann man sich leicht vorstellen, dass diese Vorarbeit recht mühselig war. Aus diesem Punktraster „schabt“ der Künstler nun die Zeichnung heraus, wobei er im Vergleich zur Stechkunst genau umgekehrt vorgeht: Er arbeitet aus einer vollflächig schwarz druckenden Platte die „Lichter“ (das Weiß mit seinen grauen Abstufungen) heraus.

Antje-Gesine Marsch @09.02.2013

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