Prominente im Gespräch: Günter »Baby« Sommer gibt Konzert im Greizer Sommerpalais

Matthias Grünert und Günter »Baby« Sommer in musikalischem Dialog
Dem Horn entlockt der begnadete Musiker Günter »Baby« Sommer Töne, die Matthias Grünert mit der Orgel beantwortete.

Musiker Günter »Baby« Sommer entbietet Hommage an das griechische Dorf Kommeno
Botschafter eines anderen Deutschlands

Greiz. Ich hab“ da mal „ne Frage, Herr Professor, könnten Sie vielleicht noch ein Stück spielen? Damit sprach Rudolf Ruby Kuhl am Ende einer zweistündigen Veranstaltung wohl allen Gästen aus dem Herzen. Das letzte Stück des Abends, das Günter Baby Sommer am Mittwoch im Gartensaal des Sommerpalais an den Gongs darbot, löste auch ein wenig die Ergriffenheit, die nach dem Konzert in der Luft lag. Der Dresdner Musikprofessor und legendäre Free-Jazz-Musiker hatte vor etwa sechzig Gästen seine jüngst erschienen CD Songs for Kommeno vorgestellt.
Viele verbinden Griechenland mit Traumurlaub, Sirtaki oder Wirtschaftskrise. Günter Baby Sommer entdeckte vor fünf Jahren dort allerdings eine andere Facette – ein Thema, das ihn nicht mehr loslassen sollte: Als er im Rahmen eines Musikfestivals, zu dem man ihn ins griechische Dorf Kommeno einlud, vom Bürgermeister des Ortes erfuhr, das dort im August 1943 ein furchtbares Massaker der deutschen Wehrmacht an der Zivilbevölkerung stattfand, dem 317 Bewohner zum Opfer fielen, widmete er sein Konzert den Opfern.
Nachdem ich eine ganz lange Nacht lang sinnierte, was ich nun machen solle sofort abzureisen schien mir die beste Lösung, wie Sommer gestand. Ich fühlte mich für die Taten meiner Vätergeneration verantwortlich. Doch er blieb und nannte das Konzert am nächsten Tag In memoriam des Massakers. Mit dem Klang von Röhrenglocken begann er zu spielen und spürte, wie die Emotionen hochkochten. Wie der Musiker später erfuhr, schlugen in Kommeno seit jenem schrecklichen Tag vor genau 65 Jahren keine Kirchenglocken mehr. Die Menschen waren berührt von diesen Tönen, war sich Günter Baby Sommer sicher. Er hielt eine Rede und erklärte den Menschen des Ortes, dass er wenige Tage vor dieser Gräueltat geboren wurde und er versprach ihnen, den Ort Kommeno in der Welt bekannt zu machen und zum Botschafter der Geschichte zu werden. Er blieb eine ganze Woche um den Menschen zuzuhören und wurde an verschiedene Orte geführt, beispielsweise zu einem Haus, das nachdem man seinerzeit die Toten geborgen hatte fest mit einer Kette umwickelt wurde. Diese öffnete man nach 65 Jahren. Alles war so geblieben wie damals, sagte Sommer, der eine enorme Last auf den Schultern verspürte.
Wieder zurück in Deutschland überlegte der Musiker, wie er sein Versprechen an die Menschen einlösen könne. Das war die Geburtsstunde der CD „Songs for Kommeno“ und des Begleitbuches, erklärte Günter Baby Sommer. Er begab sich auf historische Spurensuche, sichtete Notenmaterial und fand schließlich vier bekannte griechische Musiker, die ihn bei diesem musikalischen Projekt unterstützten.
Die Premiere, zu der eintausend Gäste kamen, fand im letzten Jahr im Berliner Festspielhaus statt. Auch in Kommeno wurde es unter großer Anteilnahem der Bevölkerung aufgeführt.
In bewegten Worten schilderte der engagierte Musiker, wie er langsam Kontakt zu einer der wenigen Überlebenden des Massakers Maria Labri (80) fand. Beim ersten Treffen habe ihn die alte, in schwarz gekleidete Frau etwa zwanzig Minuten nur streng angesehen und er sah deutlich hinter ihrer Stirn einen Film ablaufen, wie Sommer sagte. Schließlich konnte er sie bewegen, ein Miroloi, ein Klagelied für die Toten zu singen, das Sommer in einen seiner Song einarbeitete. Der bewegendste Moment dürfte gewesen sein, als Maria Labri zur Premiere des Werkes auf die Bühne kam und das Miroloi live sang von Günter Baby Sommer an den Percussions begleitet.
Der renommierte Musiker reist nun jedes Jahr nach Kommeno, wie er sagt. Mittlerweile ist er sogar zum Ehrenbürger ernannt worden. In diesem Sommer jährt sich das Massaker zum siebzigsten Mal. Das Dorf kennt man nun in der Welt, ist sich Günter Baby Sommer sicher. Noch nie schlug eines meiner Projekte solche Wellen.
Er, der nicht müde wird, zivilgesellschaftliches Engagement zu fordern, wird in Kommeno sein.
An diesem Prominente-im-Gespräch-Abend gab er einige Kostproben seines hohen musikalischen Könnens und ließ zudem einige Einspielungen der CD Songs for Kommeno erklingen.
Das Projekt soll ein Beispiel sein, wie die Zivilgesellschaft gemeinsam mit politischen Unterstützern zur Völkerverbindung wirksam werden kann, so Günter Baby Sommer abschließend.
Langanhaltenden Beifall, viele Worte der Zustimmung, des Respektes und des Dankes bekam der Musiker mit auf den Weg.

Antje-Gesine Marsch @06.02.2013

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