Museum im Unteren Schloss: Zwei neue Sonderausstellungen

Die Greizer Hütte
Die Greizer Hütte Foto: privat

„Ruf der Berge“ – 150 Jahre Alpenverein und Greizer Hütte, sowie „Eisige Höhen“ – Radierungen von Konrad Henker sind ab 26. Mai im Museum im Unteren Schloss zu sehen

GREIZ. Träumen Sie schon vom Urlaub? Erinnern Sie sich an den Duft der blühenden Bergwiesen? Langsam schütteln auch die Alpen den Winter ab und dem tauenden Schnee folgt mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen das Erwachen der Natur.
Die Stille wird von Wassergemurmel der Bäche sowie dem freudigen Gesang der Vögel unterbrochen.
Nach und nach werden die Wanderwege wieder begehbar, und die Hütten laden zur Einkehr ein.
Die Berge der Alpen strahlen seit ewigen Zeiten eine unfassbare Schönheit und unbeschreibliche Faszination aus.
Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Alpenvereins verbinden zwei Sonderausstellungen der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz zur einzigartigen Bergwelt der Alpen die Kultur- und Zeitgeschichte mit zeitgenössischer Kunst im Museum im Unteren Schloss.
Die neuen Sonderausstellungen folgen dem „Ruf der Berge …“ mit der Geschichte des Alpenvereins,
der Sektion Greiz sowie der Greizer Hütte im Zillertal, der Besteigung des Mont Blanc 1934 sowie des Mont Everest 2016 durch Mitglieder der Sektion Greiz und steigen mit Konrad Henkers großformatigen Kaltnadelradierungen in „Eisige Höhen“ der Hochalpen auf.

EISIGE HÖHEN
Konrad Henker – Radierungen
Konrad Henker begibt sich seit 2004 regelmäßig für mehrere Monate in Hochgebirgsregionen der Alpen. Dort lebt er völlig autark in einem selbstgebauten Schneeiglu. Für seine künstlerische Arbeit transportiert er große Zinkplatten auf über 3.000 Höhenmeter und nutzt diese für seine großformatigen Kaltnadelradierungen, die eine unglaubliche Authentizität, Ursprünglichkeit und Kraft ausstrahlen. Wie das Gletschereis, die Erosionen den Fels verändern und bearbeiten, so gräbt Konrad Henker in dieser irrwitzigen Höhe die Linien in die Zinkplatten, welche später im Tiefdruckverfahren bildgebend sind. Es werden gebirgsbildende Urgewalten, die in den Gesteinsformationen und -schichten strukturell sichtbar sind, in seinen Kaltnadelradierungen erlebbar.
Seine Arbeiten sind spürbar im Einklang mit der Natur entstanden, jedoch wurden sie den Urelementen regelrecht abgetrotzt – wahrnehmbare Symbiose von Künstler und Bergwelt. Die Schöpfung als eine Interaktion von Natur und Künstler – visualisiert durch Kaltnadelradierungen. Das permanente Leben über einen längeren Zeitraum mit Eis und Schnee in dieser unwirtlichen Region schärft offensichtlich die Sinne in besonderer Weise.
Konrad Henker wurde 1979 in Weimar geboren.
1999 bis 2005 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. 2005 bis 2007 war er Meisterschüler bei Prof. R. Kerbach. Seit 2004 nutzt er regelmäßig die verschneiten Hochalpen im Frühjahr als inspirativen Arbeitsort. 2008 folgte ein Arbeitsaufenthalt auf den Lofoten (Norwegen).
Seit 2007 wirkt er freischaffend in Dresden. 2017 verlegte er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Berlin.


RUF DER BERGE …
150 Jahre Alpenverein und die Greizer Hütte
Was verbindet Greiz seit 140 Jahren mit den Alpen?
„Am 28. März 1879 gründeten 31 Herren einen Zweigverein der Alpenvereinssektion Frankenwald, welche ihren Sitz in Nordhalben in Bayern hatte. Das Verdienst, diesen Zweigverein ins Leben gerufen und auf eine große Mitgliederzahl gebracht zu haben, gebührt vor allem […] Herrn Fürstlichen Landrentenbankdirektor Leo. […].
Leo interessierte nun seine Stammtischbrüder, die im ländlich gemütlich gelegenen Tryfle bei Greiz allabendlich bei einem Kännchen Lichtenhainer Bier zu löblichen Tun sich versammelten, dabei ihre langen Pfeifen mit mächtigen Bückeburger Birkenmaserköpfen rauchten, für die alpine Sache, und es bildete sich aus diesem Stammtisch eine kleine alpine Gemeinde.“. Diese kleine alpine Gemeinde verabschiedete sich schließlich aus der Sektion Frankenwald als Zweigverein, um einen eigenständige Greizer Sektion des Alpenvereins zu gründen.
Am 29. Dezember 1881 erteilte der Zentralausschuß des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins die Zustimmung zur Bildung der 79. Sektion des Alpenvereins in Greiz. Dies wurde mit Jahresbeginn 1882 umgesetzt. Die ersten Mitglieder waren überwiegend Greizer Kaufleute, Fabrikanten und Angestellte der Fürstlichen Landesverwaltung.
„Die Sektion hatte die Freude, bald nach ihrer Gründung ein Mitglied zu erhalten, das in den Bergen aufgewachsen und als ein Sohn derselben innig mit ihnen vertraut geworden ist. Kammerherr Graf Künigl-Ehrenburg, ein Pustertaler, kann mit Recht zu den Pionieren des Alpinismus gezählt werden. Hat er doch in seinen jungen Jahren und auch später noch voll Tatenlust und Tatendrang manche schwierige Erstbesteigung ausgeführt.“ Kurze Zeit später arrangierte er die Bekanntschaft mit anschließender Vermählung zwischen der Prinzessin Emma Reuss Aelterer Linie und seinem Neffen Erich Graf Künigl-Ehrenburg, in deren Folge die Prinzessin Emma das heimatliche Untere Schloss Greiz verließ und das Schloss Ehrenburg in Südtirol bezog.


Kennen Sie die Greizer Hütte?
„Wie wohl jede lebenskräftige Sektion, wollte auch die unsrige […] zu den hüttenbesitzenden Sektionen zählen. Der großen Opferwilligkeit der Mitglieder und der unermüdliche Arbeit des 1890 gewählten Hütten-Ausschusses, bestehend aus den Herren E. Graf Künigl-Ehrenburg, O. Liebmann, W. Schilbach, M. Haas,
G. Kürschner und H. Mothes ist es zu danken, dass sie im Jahre 1893 ihr schönes Ziel erreichte.
Am 25. Juli 1893 wurde die ganz aus eigenen Mitteln der Sektion erbaute und eingerichtete Unterkunftshütte auf dem Griesfeld in der Floite (Zillertal), 2203 m üb. d. M., unter reger Teilnahme von Sektionsmitgliedern und der einheimischen Bevölkerung feierlich eingeweiht.“ Die Bewirtschaftung erfolgte ab 1896.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Greizer Hütte ständig erweitert und modernisiert. Der erste Erweiterungsbau erfolgte 1905, 1925 wurde die Winterhütte errichtet und kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde die Elektrifizierung durch den Bau einer Wasserkraftanlage eingeleitet.
Nach dem Krieg beschlagnahmten die Alliierten die Schutzhütten der deutschen Sektionen des Alpenvereins. Sie wurden von dem Österreichischen Alpenverein treuhänderisch verwaltet und 1967 an den Deutschen Alpenverein verkauft. Nach langen und schwierigen Verhandlungen konnte die Greizer Hütte 1973 für 8.000,00 DM von der Sektion Greiz, deren Sitz seit 1955 im oberfränkischen Marktredwitz war, zurückgekauft werden.
Es ist unglaublich verdienstvoll, dass trotz der 40jährigen Teilung des Landes und der Unmöglichkeit der Greizer sowie fast aller Ostdeutschen die Alpen zu begehen, der Name der Greizer Hütte nicht geändert wurde.
Seit der Öffnung der Deutsch-Deutschen Grenze und der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands 1990 engagieren sich viele Greizer und Marktredwitzer Alpenfreunde gemeinsam für den Erhalt und die Modernisierung der Greizer Hütte sowie für die vielgestaltigen Aufgaben der Sektion im Alpenverein.


Diese kuriose Vereins- und Hüttengeschichte dokumentiert eindrucksvoll viele Aspekte der deutschen Geschichte und ist somit ein Symbol für die gemeinsame Tatkraft sowie das Zusammenwachsen von Ost und West.
Die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz laden Sie recht herzlich zur Ausstellungseröffnung
Sonntag, 26. Mai 2019
11.00 Uhr
Festsaal im Unteren Schloss Greiz
sowie zum Besuch der neuen Sonderausstellungen ein.

Museum im Unteren Schloss Greiz
Dienstag – Sonntag
10.00 Uhr – 17.00 Uhr
RUF DER BERGE …
150 Jahre Alpenverein & die Greizer Hütte
-EISIGE HÖHEN
Konrad Henker – Radierungen
SONDERAUSSTELLUNGEN
MUSEUM IM UNTEREN SCHLOSS GREIZ

  1. Mai 2019 – 25. August 2019

Pressemitteilung Museen der Schloss-und Residenzstadt Greiz @18.05.2019