»Huckauf« sucht neues Domizil

»Huckauf« sucht neues Domizil
Vielen Greizern sind die beiden Großplastiken des Bildhauer Carl Röder im Gartensaal des Greizer Sommerpalais seit Kindheitstagen bekannt: in der hinteren linken Ecke der "Huckauf", ein Wesen - scheinbar ein Kobold - das sich in den Rücken eine jungen Mannes krallt - in der rechten Ecke eng umschlungen Adam und Eva, von einer Schlange umwunden.

Vor 90 Jahren starb der gebürtige Greizer Bildhauer Carl Röder. Zwei Großplastiken warten auf ihre Wiederaufstellung.

GREIZ. Vielen Greizern sind die beiden Großplastiken im Gartensaal des Greizer Sommerpalais seit Kindheitstagen bekannt: in der hinteren linken Ecke der „Huckauf“, ein Wesen – scheinbar ein Kobold –   das sich in den Rücken eine jungen Mannes krallt – in der rechten Ecke eng umschlungen Adam und Eva, von einer Schlange umwunden. Beide Plastiken wurden von Carl Röder geschaffen, einem Künstler, der am 21. Februar 1854 in der Greizer Parkgasse als Sohn eines Webers geboren wurde und am 17. Februar 1922 in Dresden verstarb. Nach einer Lehre in der Druckerei Löffler & Co. absolvierte er ein Zeichenstudium an der Dresdner Kunstakademie, arbeitete freischaffend und gehörte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Künstlern Sachsens.

Selbst für die die Ausgestaltung der Akademie wurde er mit herangezogen. Für die Plastik „Adam und Eva“ bekam er einen Akademiepreis verliehen. Carl Röder, der als junger Mann von Greizer Bürgern, unter anderem vom Hoffotografen Heinrich Fritz finanziell unterstützt wurde, stellte sein Leben ganz in den Dienst der Kunst, bereiste zu Studienzwecken Italien und hielt sich sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Bevor Röder nach vielen Schicksalsschlägen vereinsamt in Dresden starb, legte er testamentarisch fest, dass die Stadt Greiz seinen künstlerischen Nachlass erben solle. Im Kontext mit den politischen Umbrüchen nach der Novemberrevolution 1918 in Deutschland muss man vielleicht erwähnen, dass auch das Greizer Museum, wie zuvor das Sommerpalais, in den Besitz des Staates Thüringen überging. Im Jahre 1997 wurde das Museum der Stadt Greiz im Unteren Schloss zuvor war es Kreisheimatmuseum oder Teil der Staatlichen Museen Greiz in Trägerschaft der Stadt Greiz übernommen und das Japanische Zimmer zu Ehren an den berühmten Sohn der Stadt als Carl-Röder-Kabinett eingerichtet.

Im Zuge vieler Umstrukturierungen änderte sich nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz von Museumsleiter Rainer Koch, der seit 2005 in Greiz wirkt das Profil des Museums komplett. Für Sonderausstellungen, die den hohen fürstlichen Räumen in der Beletage entsprechenden Tribut zollen, erfolgte die Auflösung des Zimmers. Doch der Nachlass von Röder sei in den Museen der Residenzstadt, wie das Haus seit wenigen Jahren heißt, in besten Händen, wie Rainer Koch versichert. Die Erbschaft bestehe unter anderem aus elf Bronzeplastiken, 17 Gipsmodellen, zwei Marmorbüsten, 64 Handzeichnungen und Grafiken, 123 Skizzen, fünf Fotos und 14 Briefen des Künstlers. Aufgrund der umfassenden Sanierung des Gartensaals im Greizer Sommerpalais und der damit verbundenen Auslagerung der Plastiken sucht der Museumschef nunmehr ein neues Domizil für den Huckauf, der ebenso wie die Adam-und-Eva-Plastik (die sich allerdings unter der Inventar-Nr. TSG 9-2 im Besitz der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten befindet) dort nicht mehr aufgestellt werden soll. Keine leichte Aufgabe, denn das Material Gips reagiert auf Temperaturschwankungen besonders sensibel. So würde der Eingangsbereich im Treppenhaus des Unteren Schlosses als neuer Platz leider nicht in Frage kommen, wie Koch bereits überlegte.

Antje-Gesine Marsch @14.02.2012
Anmerkung der Autorin:

Vielleicht sollte Huckauf als neuen Standort die Greizer Vogtlandhalle bekommen. Quasi als weißes plastisches Pendant zu den schwarzen Scherenschnitt-Figuren, die das Haus zieren.

2 Kommentare zu »Huckauf« sucht neues Domizil

  1. Den „Huckauf“ in die Vogtlandhalle. Das ist eine gute Idee. Der arme Jüngling, der die Last trägt, steht stellvertretend für den Greizer Bürger. Der „Huckauf“ sind die finanziellen Lasten, die er von den Stadtvätern, allen voran die beiden Bürgermeister, aufgebürdet bekommen haben. Die Kosten und Lasten haben sich auf mindestens 21 Jahre festgekrallt so wie der Huckauf bei dem Jüngling. Ob unser Jüngling nach all den Jahren nur noch am Stock gehen kann, sei der Phantasie des Lesers überlassen…

  2. Gut, wir lassen Greizer Kunstwerke irgendwo abgestellt vergammeln. Das ist doch in Greiz gute Tradition, immerhin stellen wir auch Mahnmale zum Vergessen auf dem Alten Friedhof ab. Insofern wird der mutige Artikel von AGM genauso einsam bleiben wie dieser Kommentar. Im besten Fall greift man den Vorschlag von AGM auf und stellt die Plastiken in die Vogtlandhalle. Regt doch in Greiz keinen auf.

    Aufreger in Greiz wären nur, wenn der FC Greiz, die Ringer, der Theaterherbst oder der Stadtmarketingverein plötzlich – so wie viele andere Vereine auch – ohne das finanzielle Zubrot der Stadt Greiz auskommen müsste. Das gäbe einen Aufschrei! Das passiert aber nicht. Weil: Geld alle, Liebe alle. Da gäbe es ja plötzlich keine Wahlkampfunterstützer/ Wähler für unsere Volksparteien-Koalitionäre mehr. Deswegen erheben wir weiter von Hauseigentümern Straßenausbaubeiträge und Abwasserbeiträge und lassen die EVG von Mietern saftige Strom- und Gaspreise erheben, damit der Bürgermeister, pardon Aufsichtsratsvorsitzende, Grüner über das Konstrukt GeWoG/ GFD weiter das altrömische Prinzip „Brot und Spiele“ bedienen kann. Nächste Fortsetzung: die „Ringerhalle“ in Aubachtal, denn nun kommt der Wahlkampf in die heiße Phase. Pardon, ist ja jetzt als Schulturnhalle im Gespräch (obwohl es dort keine Schulen gibt).

    Doch zurück zur Kultur (wieso zurück, wir waren nie weg?). Ich kann leider aus meiner Sichtweise auch keinen „unermüdlichen Einsatz von Museumsleiter Rainer Koch“ bestätigen. Seit der Namensumbenennung des ehemaligen Heimatmuseums gilt doch wohl das Motto „Außer Spesen nichts gewesen“. Vorher wurde bei diesem Projekt so ausgetan, als wenn anschließend die kunstversessenen (japanischen) Touristen in die „Weltkulturhauptstadt“ Greiz einfliegen wie weiland in Pearl Harbor. Das Problem: außer möglicherweise einer kleinen, jedoch gut getarnten Vorhut hat man von diesem touristischen Überraschungsangriff noch nicht viel mitbekommen. Wäre ein kleines, dafür feines Heimatmuseum Greiz vielleicht doch zielführender gewesen?

    Sein Ego hätte Herr Koch auch befriedigen können, wenn er gemeinsam mit Herrn Merbold, Herrn Jähn (der heute 75. Geburtstag hat), dem Museum in Morgenröthe- Rautenkranz, der ESA und der NASA im Greizer Heimatmuseum eine geile Dauerausstellung zu den aus Greiz/ dem Vogtland stammenden Astronauten/Kosmonauten hinbekommen hätte. Wir lassen aber lieber abgehalfterte (abgeschossen von der eigenen Partei) Ex- CDU- Landtagsabgeordnete Besucher über die Fürstin zu labern. Wie kommt man nur an solche geilen Jobs, wo man ohne harte Arbeit auch seinen Lebensunterhalt bekommt (verdienen ist etwas anderes)? Ausgeschrieben sind diese Posten komischerweise nie.

    Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir in Greiz auf der Stelle treten und immer in der gleichen Suppe schwimmen? Die tollen Prognosen haben sich nirgendwo bewahrheitet: nicht bei der Investorensuche (sucht man beim Marstall seit 1994), nicht bei der Bevölkerungsentwicklung, nicht bei den Arbeitsplätzen. Deswegen wird sich wohl auch niemand für Greizer Kunst von Carl Röder interessieren?!

    Es ist wirklich traurig, wie wenig sich die Greizerinnen und Greizer noch für ihre Heimatstadt/-region interessieren. Oder aber, wie lethargisch sie seit der Wende wieder geworden sind. 1989 gab es in Greiz die erste genehmigte Demo. 23 Jahre später sind alle „Revolutionäre“ abgestumpft und schauen kommentarlos zu, wohin sich unsere schöne Stadt entwickelt: Arbeitslosigkeit, Leerstand, Wegzug (insbesondere der Jugend). Unsere Region hat Potenzial. Aber das definiert sich nicht (allein) über Kultur, die eher einem Fass ohne Boden gleicht.

    Freundliche Grüße

    Torsten Röder

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