Beletage im Sommerpalais offeriert Lifestyle um 1800

Beletage im Sommerpalais offeriert Lifestyle um 1800
Wilfried Pucher beim Betrachten des Bildes von Elisabeth von Hessen-Homburg.

Die Ausstellung „Lifestyle 1800“ wurde am Samstag in der Beletage des Sommerpalais Greiz eröffnet

GREIZ. “Tyrannisch herrscht die Göttin Mode. Ihr beugt sich Fürst und Demagog.” Was der Dichter Johannes Daniel Falk (1768 bis 1826) in der “Ode an die Mode zum neuen Jahr gesungen” schrieb, die im “Journal des Luxus und der Moden” im Januar 1797 veröffentlicht wurde, trifft wohl den Nagel auf den Kopf. “Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode“, überträgt Karl Lagerfeld das Phänomen in die Gegenwart.

„Der Zeitgeschmack der Mode änderte sich vor zweihundert Jahren zwar langsamer, aber ebenso einschneidend wie in der Gegenwart“, weiß die Direktorin des Sommerpalais zu Greiz, Eva-Maria von Mariassy. Die Selbstdarstellung nach außen, die Fragen: Wie wirke ich? Was umgibt mich? bestimmen das Leben. Lifestyle-Magazine und Blogs sind dabei angesagte Ratgeber. “Nicht nur bei der Wahl der Handtasche, des Kopftuches oder des Gatten”, wie Frau von Mariassy augenzwinkernd meint.

Die Sonderausstellung, die am Samstagvormittag in der Beletage des Palais eröffnet wurde, widmet sich thematisch dem „Lifestyle um 1800“, im Besonderen der Zeit von 1786 bis 1827. Frauen, wie Madonna, Grace Kelly, Audrey Hepburn oder in der Gegenwart Kim Kardashian, die man als “Stil – Ikone” bezeichnet, inspirierten schon vor zwei Jahrhunderten die Modewelt – etwa Josephine, die Frau an Napoleons Seite. Oder Königin Luise, die sich sehr modebewusst gab.

Die Dame von Welt ließ sich vom „Journal des Luxus und der Moden“ beeinflussen, das monatlich von 1786 bis 1821 erschien und den heutigen Lifestyle-Magazinen in nichts nachstand. Schwingende, transparente, in der Antike angelehnte Empire-Kleider eroberten um das Jahr 1800 die Modewelt und räumten auf mit einengendem Ballast, wie Korsagen oder Kleidern, die man nur mühsam und mit Hilfe der Zofe anlegen konnte. „Es entstand eine entzückende, frauenliebende Mode“, begeistert sich Frau von Mariassy.

Nicht nur der Mode widmet sich die Exposition – Bilder von Frisuren, Krawatten, aber auch Möbeln, Interieur im Allgemeinen, Architektur oder Kutschen werden präsentiert. „Alle aus unserem eigenen Bestand“, betont Eva-Maria von Mariassy und weist besonders auf die filigranen Details auf den Blättern hin. Den Herren der Schöpfung und ihren individuellen Krawattenknoten ist sogar eine ganze Bilderwand gewidmet. “Die Gehröcke wurden kürzer – die Kragen höher”, beschreibt die Direktorin zudem die Entwicklung in der Männermode.

Wo wäre eine solche Ausstellung besser aufgehoben, als im Sommerpalais? Schließlich legt das Maison de belle retraite ein beredtes Zeugnis frühklassizistischer Baukunst ab.

Die musikalische Ausgestaltung der Vernissage lag in den Händen von Friederike Heckmann (Querflöte).

Service:
“Lifestyle um 1800”
Ausstellung vom 23. Juli bis 23. Oktober 2016
Beletage des Sommerpalais zu Greiz
tägl. außer montags von 10 bis 17 Uhr

Antje-Gesine Marsch @24.07.2016

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