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Zur Geschichte der Greizer Löwenapotheke

Umbau der Greizer Löwenapotheke
So kannten viele Greizer das Interieur der Greizer Löwenapotheke, die seit kurzem als Adler-Apotheke wiedereröffnet wurde.

Die pharmazeutische Einrichtung konnte auf eine lange Geschichte verweisen

GREIZ. Die Löwen-Apotheke, wie sie die Greizer kannten, und die nach Wiedereröffnung nach der politischen Wende von Oberpharmazierat Georg Czerwenka bis Mai 2014 geführt wurde, befindet sich auf dem Puschkinplatz 8.

Im November letzten Jahres wurde sie nach der Schließung und umfassender Sanierung des Geschäftshauses als Adler-Apotheker, Inhaber Frank Hoff, wieder zur Nutzung freigegeben.

Dass die einstige Löwen-Apotheke im Jahre 1909 an diesem Ort gegenüber des ehemaligen Storg-Kaufhauses ihre Pforten öffnete, wissen allerdings die wenigsten.
Die Straße, die zum von-Westernhagen-Platz hinaufführt, gibt es durch den Abriss des Hotels “Zum Löwen” erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Im Jahre 1909 wurde die Löwenapotheke in dem Eckgeschäft eröffnet, das wir seitdem als deren Lokalität kennen.
Eine Apotheke gleichen Namens wurde im Jahr 1774 von Apotheker August Heinrich Witsch mit gräflicher Erlaubnis und Exklusiv-Privileg etwa an der Stelle gebaut, wo zu DDR-Zeiten Uhrmacher Schultz sein Geschäft betrieb und in dem sich heute die Buchhandlung „Bücherwurm“ befindet – also genau gegenüber der Adler-Apotheke. Witsch verstarb im Jahr 1787; Apotheker Johann Christian Jakobi kaufte im gleichen Jahr die Apotheke – er wurde sogar Greizer Stadtrat und Ratskämmerer. Beim großen Stadtbrand des Jahres 1802 wurde die Apotheke völlig vernichtet, aber wenige Zeit später an gleicher Stelle wieder errichtet.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 wurden auch in Greiz Lazarette eingerichtet, dabei durch Verwundete und Kranke Fleckfieber übertragen, dem auch Apotheker Jakobi am 21. Februar 1814 zum Opfer fiel. Fast seine ganze Familie kam durch diese Seuche um. Die Löwen-Apotheke war durch Krankheit und Not des Besitzers in keinem guten Zustand und wurde von den Greizern gemieden. 1814 kaufte Apotheker C.G. Heß die Apotheke, konnte aber trotz großer Bemühungen und Unkosten das Vertrauen der Bevölkerung nicht zurückgewinnen. Wegen Unrentabilität verkaufte er sie bereits im Folgejahr wieder.
Auch der nächste Käufer, Apotheker Johann Heinrich Schmidt hatte wenig Erfolg und gab die Apotheke zum Selbstkostenpreis an Apotheker Johann Maximilian Förster aus Zwickau ab. Förster besaß gleichzeitig die Mylauer Apotheke. Die Greizer Apotheke verpachtete er im Jahre 1816 an seinen Schwager, den Apotheker Julius Haspelmacher, der 1787 in Helmstedt geboren wurde. Dieser war vorher technischer Leiter einer Chemischen Fabrik in Zwickau, dann Verwalter der dortigen Schwan-Apotheker. Die Apotheke in Greiz, die schon seit einigen Jahren einen Löwenkopf über der Eingangstür zeigte, kaufte er im August 1829. Haspelmacher war eifriger Botaniker; machte auch Versuche mit Nitro-Zellulose für Verbandsmaterial. Der „Erfolg“ war eine Explosion, die Türen und Fenster heraus sprengte, aber glücklicherweise keine Menschenleben forderte. Sein bekannter Kräuterlikör „Haspelmacher“ wurde noch von seinen Nachfahren hergestellt.
Der Sohn, Wilhelm Julius Haspelmacher, 1823 geboren, pachtete die Löwen-Apotheke am 1. Januar 1857 und erbte sie 1869 nach dem Tod des Vaters. Im Jahre 1874 zum „Fürstlichen Hofapotheker“ ernannt, feierte er am 1. April 1890 sein 50-jähriges Berufsjubiläum. Sein Sohn, Apotheker Julius Christian Haspelmacher, geboren 1860, leitete als Stellvertreter die Apotheke von 1897 bis 1900. Zu diesem Zeitpunkt ging sie nach drei Generationen Haspelmacher in die Hände von Apotheker Berthold Neumcke aus Nordhausen über.
Dieser wurde zum Pharmazierat ernannt und war lange Zeit im Prüfungsausschuss für das Pharmazeutische Vorexamen, außerdem betätigte er sich literarisch und zeichnerisch. Er verstarb 1949 in Greiz. Sein Sohn, Dr. Ulrich Neumcke, hatte die Leitung bereits im Jahr 1930 übernommen und behielt sie bis 1949, als er nach Westdeutschland übersiedelte. Während seiner Zeit wurden Schaufenster eingebaut, verschiedenen Innenräume umgebaut und modernisiert, das Galenische Labor erneuert und ein Analytisches Labor eingerichtet.

Der „Haspelmacher“ wurde von ihm in Großproduktion übernommen und als Greizer Magenbitter „Hochmeister“ weithin verschickt. Nach ihm übernahm der langjährige Mitarbeiter Johannes Hauzeur, 1900 in Kempen/Rheinland geboren, die kommissarische Leitung; ab 1950 wurde er als Leiter der nun in Poliklinik-Löwen-Apotheke umbenannten Einrichtung bestätigt. Der Namen wurde später in „Staatlich verwaltete“, zuletzt in „Staatliche Apotheke“ geändert. Apotheker Hauzeur ging im Jahr 1966 in den Ruhestand.

Magister Ernst Hoffmann, 1912 in Roßbach/Böhmen geboren, seit Juli 1950 in der Löwen-Apotheke tätig, übernahm vom 1. Juli 1966 bis 17. August 1969 die Leitung. An diesem Tag schloss die Löwen-Apotheke als öffentliche Apotheke ihre Pforten und wurde – mit der neuen Zentral-Apotheke vereinigt – zum Pharmazeutischen Zentrum Greiz umprofiliert.

Quelle: Greizer Heimatboten 1/1975 „Zur Geschichte des Apothekerwesens im Kreis Greiz“

Antje-Gesine Marsch @06.01.2019

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