Neue Satiren Alte Kamellen mit MATTHIAS BISKUPEK

Neue Satiren - Alte Kamellen mit MATTHIAS BISKUPEK
Matthias Biskupek las "olle Kamellen" und neue Satire

„Olle Kamellen“ und neue Satiren
Matthias Biskupek bereitet bei „Treffpunkt Bibliothek“ eine höchst vergnügliche Lesestunde

GREIZ. Es war eine kleine, überschaubare, aber höchst interessierte Runde, die sich am Donnerstagnachmittag in der Bibliothek zur Lesestunde einfand. Treffpunkt Bibliothek titelt die Aktionswoche, die mit Matthias Biskupek einen vergnüglichen Anfang fand. Es war ein Versuch, die Veranstaltung auf den Nachmittag zu legen, wie Bibo-Chefin Corina Gutmann ob der eher geringen Zuhörerschaft etwas enttäuscht befand. Doch brachte das den erfahrenen Rudolstädter Autoren nicht aus der Fassung. Biskupek las aus seinen Werken Altes und Neues und begann mit dem Einführungstext zu einem im Dezember erscheinenden Reisemagazin, das der ADAC in Auftrag gegeben hatte: Das Residenzstadtbewusstsein. In humorvoller Form sinnierte der Schriftsteller über das Land Thüringen und seine etwa drei Dutzend Residenzstädte, zu denen auch Greiz oder Rothental gehören. Der Freistaat halte den Weltrekord in Hinblick auf die Residenzstadt-Dichte, wie er ausführte. Schon Reuß ältere Linie mit den Städten Greiz-Schleiz-Lobenstein sei eine Gegend gewesen, in der man den Weltuntergang erst hundert Jahre später bemerkt hätte, für große Krieg zu klein und von Dünkel, Neid und Vergleichssucht geprägt. Auch habe man zum Fürsten ein schon fast kumpelhaftes Verhältnis gehabt. Adliges Blut, das größte Exportgut Thüringens, habe sich in Europa verteilt – mehr, als jedes Mitglied der Brüssler EU-Kommission je zugeben werde.
Seit den 1980er Jahren hatte Matthias Biskupek zahlreiche Geschichten und Texte für kleine bibliophile Veröffentlichungen geschrieben, die in der damaligen DDR keiner Genehmigung bedurften und in einer Auflage bis zu 99 Stück gedruckt wurden. Außerhalb der offiziellen Verlagsproduktion nannten sich diese Publikationen, die später vor allem bei der burg-art-presse Rudolstadt veröffentlicht wurden, wo einige Titel mit Holzstichen von Karl-Georg Hirsch erschienen. Schwarz angesagt, Rot angeschwärzt und Goldener Schnitt bilden dabei eine drucktechnische deutsche Schwarz-Rot-Gold-Trikolore. Besagte Texte seien allerdings oft nur noch in kleinen exklusiven buchkünstlerischen Sammlungen zu finden, wie Matthias Biskupek erklärte. In dem Buch Rose Schwartz und die Folgen Verlegtes wiedergefunden seien sie erstmals gesammelt erschienen. Aus diesem Band verlas Biskupek die Titelgeschichte. Auch Ein Heimatabend Fidschis Nachtgesang, durch den sich wie ein roter Fadenvers Ei suu dos wär schie. Schie ei suu dos wär. Wär schie ei suu dos. Dos wär schie ei suu. Suu dos wär schie ei zog, erheiterte die Zuhörer ungemein. Der Text Platzhirsche in der U-Bahn, in dem sich eine Grüne und eine Kopftücherne um einen Sitzplatz streiten, stand ebenfalls auf dem Programm der Lesestunde. Die geradlinige Geschichte, die von einer Landstraße handelt, die in Hinstadt begann und in Herstedt endete, beschloss auch die Veranstaltung. Es war eine schöne Zeit der „Entschleunigung“, wie es Corina Gutmann auf den Punkt brachte. Als Dank des Schriftstellers gab es anschließend ein wenig Small Talk zu Vergangenem (ein ehemaliger Uffz aus Bad Salzungen outete seine Bekanntschaft mit Resi Biskupek), Gegenwärtigem (was bleiben einem journalistischem Kleinunternehmer nach Abzug aller Ausgaben?) und Zukünftigem (nächste Woche wird Matthias Biskupek eine Bildungsreise nach Israel antreten). Gesunde Wiederkehr und viele gute Ideen zum Ver-Schreiben wünscht Ihnen, lieber Herr Biskupek,

Antje-Gesine Marsch @19.10.2012

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