Musikalischer Vortragsabend über Leben und Werk von Johannes Brahms

Musikalischer Vortragsabend über Leben und Werk von Johannes Brahms
Vierhändig spielen David Marlow und Sarah Stamboltsyan ein Brahms-Stück.

Chefdirigent der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach erwies sich als brillanter Redner und Pianist
GREIZ. Leben und Werk von Johannes Brahms standen im Fokus des musikalischen Vortragsabends, zu dem Harald Seidel am Mittwoch den Chefdirigenten der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach, David Marlow, sowie das Musikerehepaar Sarah (Klavier) und Artashes Stamboltsyan (Violine) in den Weißen Saal des Unteren Schlosses eingeladen hatte.
Heute gehören die Sinfonien, Konzerte, Lieder und Klavierwerke von Johannes Brahms (1833-1897) längst zur Musikgeschichte und gilt der gebürtige Hamburger als großer Vertreter der Romantik. Zeit seines Lebens plagte sich der Künstler allerdings mit Selbstzweifeln – stets habe er sein mächtiges Vorbild Beethoven „wie einen Riesen hinter sich her marschieren gefühlt“, wie David Marlow den anwesenden Gästen sagte. Zahlreiche Zitate Brahms’scher Zeitgenossen würzten den Vortrag des Chefdirigenten. So habe Hugo Wolf, seines Zeichens Komponist und Musikkritiker geäußert, Brahms habe die „Kunst, ohne Einfälle zu komponieren“. Es waren nicht nur nette Sachen, die man über ihn sagte, so Marlow augenzwinkernd. Der österreichische Komponist Arnold Schönberg nannte Brahms hingegen „den Fortschrittlichen“, Robert Schumann gar den „Messias der neuen Tonkunst“. Während seine Anhänger Brahms’s erste Sinfonie, die er im Alter von 43 Jahren vollendete, als „Zehnte von Beethoven“ feierten, hatte er sich viele Jahre mit dem Komponieren von Sinfonien schwer getan. Die 3. Sinfonie, F-Dur op. 90, die Brahms sein „Sinfoniechen“ nannte und die im fünfzigsten Lebensjahr des Meisters entstand, wurde im Anschluss von David Marlow anhand von Klangbeispielen analysiert. Dabei erwies sich der gebürtige Brite, der in Deutschland aufwuchs und in Detmold und Wien studierte, nicht nur als brillanter Meister des Definierens, sondern auch als begnadeter Pianist. Das besondere an dieser dritten Sinfonie sei, dass alle vier Sätze „leise schließen“, was es bis dato noch nicht gab. Clara Schumann, die von Brahms zeitlebens verehrt wurde, hörte in dem Werk sogar „Bächlein, Käfer und Mücken“. Den sonst „triumphalen“ Ausklang einer Sinfonie vermissten die Zuhörer zwar seinerzeit, doch Johannes Brahms hatte dieses Ende mit Bedacht gewählt. „Der Schluss war nicht für das Publikum gedacht, das einen großen Rausschmeißer wollte“, wie David Marlow lächelnd zugab. Dennoch hatte Arnold Schönberg Brahms’s Sinfonie „Ökonomie und dennoch Reichtum“ bescheinigt. Überhaupt bildeten in Leben und Schaffen von Johannes Brahms Vergangenes und Gegenwärtiges immer eine untrennbare Einheit – sei es in Kunst, Politik, Liebe oder Freundschaft, wie David Marlow bildreich schilderte. Der Vortragsabend wurde musikalisch zudem gewürzt mit der Violinsonate d-moll op. 108, meisterhaft von Artashes Stamboltyan (Violine) zu Gehör gebracht, am Klavier von Ehefrau Sarah begleitet. Einen Brahms-Abend ohne die „Ungarischen Tänze“ bedacht zu haben – fast undenkbar. Vierhändig und mit großer Virtuosität spielten David Marlow und Sarah Stamboltsyan vierhändig Nummer Vier und Fünf dieser bedeutenden Werke. „Das war heute eine Musikstunde der ganz besonderen Art“, zeigten sich die Veranstaltungsgäste am Schluss mehr als begeistert. Dabei konnte der Vortragsabend gleich als Einstimmung auf das heutige 3. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach gelten, zu dem am Abend eingeladen wurde.

Antje-Gesine Marsch @13.11.2015

Werbeanzeigen