Frauen-Bundestrainer André Korff im Interview

Erfurt/Hof, 13. Mai. Vom 24. bis 29. Mai läuft die 34. LOTTO Thüringen Ladies Tour von Hof über sechs Etappen bis zum Zielort Altenburg. Für die deutschen Straßen-Radsportlerinnen ist die Rundfahrt seit vielen Jahren der Höhepunkt. Bundestrainer André Korff (49 Jahre) kommt mit einem sechsköpfigen Aufgebot um Olympia-Teilnehmerin Romy Kasper zur Ladies Tour. Im Interview mit der #LTLT2022 spricht er über den Stellenwert, sein Aufgebot und Favoritinnen.

André Korff, Sie leben in Forchheim in Bayern, etwa 110 Kilometer vom Startort Hof entfernt. Die Anreise dürfte für Sie diesmal äußerst angenehm verlaufen, oder?

(lacht) Ja, stimmt, die Anreise ist in diesem Jahr natürlich super angenehm für mich. Normalerweise bin ich in einer knappen Stunde in Hof. Und es ist natürlich auch sehr schön, dass es in Bayern mal wieder ein hochrangiges Radrennen gibt.

Die LOTTO Thüringen Ladies Tour lockt Jahr für Jahr Weltklasse-Radsportlerinnen nach Mitteldeutschland. Wie nehmen Sie die Rundfahrt wahr?

Die Thüringen-Rundfahrt besteht ja schon seit Jahren, nein, sogar seit Jahrzehnten, und hat einen ausgesprochen guten Ruf. Das Standing ist sehr, sehr hoch – vor allem bei allen deutschen Fahrerinnen. Auch für uns als Verband ist die Rundfahrt sehr wichtig. Es gibt unheimlich viele deutsche Fahrerinnen, die unbedingt diese Rundfahrt mitmachen wollen. Ich hatte schon Anfang des Jahres erste Anfragen.

In diesem Jahr kommt es zu einer Überschneidung mit dem „Ride London“, einem World-Tour-Rennen für Frauen in England.

Ja, das stimmt und ist sehr schade. Es ist schon etwas ungünstig, dass zeitglich ein Pro-Tour-Rennen in London gefahren wird. Leider sind die World-Tour-Teams verpflichtet, dort anzutreten. Sonst wäre das fahrerische Niveau in Thüringen mit Sicherheit noch höher. Von der organisatorischen Seite hätte die Ladies Tour auf jeden Fall das Niveau, in die World Tour aufzusteigen.

Sie mussten Ihre sechsköpfige Mannschaft deshalb auch umstellen, oder?

Ja. Die geplanten Mieke Kröger, Clara Koppenburg und Kathrin Hammes mussten leider absagen. Kröger muss ein Rennen in Spanien fahren; Hammes ist beim „Ride London“ im Einsatz und Koppenburg absolviert mit ihrem Team ein Trainingslager.

Wen bringen Sie stattdessen mit zur Ladies Tour?

Wir als Nationalmannschaft legen in diesem Jahr unseren Fokus stärker auf unsere Nachwuchsarbeit und bringen ein relativ junges Team an den Start. Wir planen mit Fabienne Jährig, Hannah Buch, Friederike Stern, Linda Riedmann, Lena Reißner und Romy Kasper. Nur Romy bringt schon einige Erfahrung mit. Allerdings kommt sie aus einer Wettkampf-Pause, hat aber zuletzt schon wieder ordentlich trainiert.

Für wen wird gefahren?

Die Gesamtwertung wird sicher eher keine Rolle für uns spielen. Ich hoffe, dass wir als „Underdogs“ einige Akzente setzen können.

Ist es möglich als Nationaltrainer, auch auf andere deutsche Fahrerinnen wie die Olympiasiegerinnen Lisa Brennauer und Franziska Brauße oder Weltmeisterin Laura Süßemilch zu schauen?

Ja, ich verschaffe mit da schon einen Überblick und gucke mir genau an, wer sich wie bewegt. Aber auch hier gilt: Viele kommen aus einer Wettkampfpause. Ich vergleiche das immer gern mit früher bei der Bayern-Rundfahrt bei den Männern. Viele sind damals die Klassiker gefahren, haben dann ein bisschen rausgenommen und sind bei der Bayern-Rundfahrt wieder eingestiegen. Ähnlich verhält sich das mit den Frauen und der Ladies Tour. Deshalb ist der Termin für die Rundfahrt aus meiner Sicht auch optimal.

Wie bewerten Sie die Strecke – und wen sehen Sie am Ende in Alteburg vorn?

Im Detail habe ich mir die Etappen noch nicht angeschaut. Die sechs Abschnitte werden schon sehr anspruchsvoll, sind manchmal auch sehr windanfällig. Eine ganz klare Favoritin auf die Gesamtwertung sehe ich gerade nicht. Lisa Brennauer ist dieses Jahr bisher wenig Rennen gefahren; nach der Flandern-Rundfahrt ist sie an Corona erkrankt. Für sie wird es darum gehen, wieder reinzukommen. Ihr erster Jahreshöhepunkt sind die Europameisterschaften im Rahmen der European Championships im August in München. Von daher kann ich mir nicht vorstellen, dass sie auf die Gesamtwertung fahren wird.

Interview: Thomas Juschus