Lisa Brennauer & Co. für 2022 gut gerüstet und stark motiviert

Lisa Brennauer & Co. für 2022 gut gerüstet und stark motiviert

Nach den überragenden Leistungen der deutschen Frauen im Jahr 2021, die besonders auch im Bahnradsport zu einem nie dagewesenen, internationalen Medaillenboom führten, kann man beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) mit großem Optimismus der kommenden Saison entgegensehen. Die Leistungen auf der Bahn im Ausdauerbereich sind in erster Linie von den Radsportlerinnen erbracht wurden, bei unzähligen Wettkämpfen auf der Straße haben sie sich die nötige Härte und Grundlage erarbeitet. Insofern Hochachtung vor den Leistungen einer Lisa Brennauer oder Lisa Klein, die einmal mehr unter Beweis stellten, dass die Bereiche Straße und Bahn nicht kontraproduktiv sind, sondern sich hervorragend ergänzen und aus unserer Sicht für erstklassige Ergebnisse auf internationalem Parkett unabdingbar sind.

Für das Jahr 2022 wollen wir an dieser Stelle vorrangig den Straßenradsport beleuchten, ohne aber die herausragenden Leistungen der BDR-Athletinnen des letzten Jahres auf der Bahn zu ignorieren. Es gilt die Hoffnung, dass neben Lisa Brennauer, Lisa Klein, Liane Lippert oder die aufstrebende Franziska Koch auch die im Ausdauerbereich auf der Bahn erfolgreichen Mieke Kröger, Franziska Brausse oder Laura Süßemilch das ein oder andere Highlight auf der Straße setzen können. Motivation sollte ausreichend gerade für diese drei Sportlerinnen vorhanden sein, zumal sie gemeinsam mit Lisa Brennauer und Lisa Klein von den deutschen Sportjournalisten zur Mannschaft des Jahres gewählt worden sind und sie die letztjährigen Erfolge mit Sicherheit bestätigen wollen.

Besonders für Lisa Brennauer war 2021 ein ganz besonderes Jahr, war sie doch nahezu unentwegt zwischen Straße und Bahn unterwegs und eilte dabei von Erfolg zu Erfolg. Im März wurde sie Zweite der Healthy Ageing Tour, es folgte ein dritter Platz bei Gent-Wevelgem und ein weiterer zweiter Platz bei der Flandern-Rundfahrt. Den nationalen Titeln im Einzelzeitfahren (der vierte insgesamt) und im Straßenrennen, wo sie nach dem Titel in 2014 nunmehr einen Hattrick schaffte (2019-2021), folgten bei den Olympischen Spielen in diesen Disziplinen zwei ausgezeichnete sechste Plätze. Die Goldmedaille in Tokio in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn mit Franziska Brausse, Lisa Klein und Mieke Kröger setzte ihrer Leistung die Krone auf.

Es scheint kaum noch Steigerungspotenzial bei Lisa Brennauer zu geben, hat sie doch insgesamt im letzten Jahr nicht weniger als fünf weitere Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften eingefahren. Der Titel als Deutschlands Radsportlerin des Jahres 2021, sie wurde außerdem noch Gewinnerin der Bronzemedaille im Einzelzeitfahren bei den Europameisterschaften, war ihr nach diesen Erfolgen nicht zu nehmen. Sie wird dennoch auch in 2022 voll im Fokus stehen und für weitere Erfolge sorgen. Dabei soll aber auch im aufstrebenden deutschen Frauenradsport, immerhin stehen 10 Frauen bei UCI WorldTeams bzw. 19 Frauen in Continental Teams unter Vertrag, vor allem der vielversprechende Nachwuchs nicht unerwähnt bleiben.

Da wäre zunächst einmal die 18-jährige Linda Riedmann zu nennen, die im vergangenen Jahr als Juniorin im Straßenrennen den Europameistertitel gewann und darüber hinaus auch bei der Weltmeisterschaft mit dem Gewinn der Bronzemedaille absolut überzeugte. Der Lohn war ein Vertrag beim Team Jumbo-Visma, wo ihr mit der erfahrenen Romy Kasper eine Landsmännin zur Seite stehen wird. Im Team der 34-jährigen Niederländerin Marianne Vos, die mit 238 (!) Siegen in Straßenrennen, darunter der Olympiasieg 2012 in London und drei Weltmeistertitel in den Jahren 2006, 2012 und 2013, die uneingeschränkte Kapitänsrolle einnimmt, wird Linda Riedmann auch von ihrer jahrelangen Erfahrung profitieren können. Im 13-köpfigen Team ist ferner die 29-jährige US-Amerikanerin Coryn Labecki dabei, die mit 20 Siegen, zuletzt unter dem Mädchennamen Rivera beim Team DSM, eine Erfolgsbilanz aufweist, die sich sehen lassen kann.

Für das Team DSM, erstmals mit niederländischer Lizenz, fahren nach wie vor die Vize-Europameisterin Liane Lippert und die auch erst 21-jährige Franziska Koch, welche im letzten Jahr zweimal Platz 7 bei Paris-Roubaix und der Ronde van Drenthe belegte und dabei ihr großes Potenzial unter Beweis stellte. Von ihr ist in Zukunft noch einiges zu erwarten, ebenso wie von der gleichaltrigen Hannah Ludwig, die in diesem Jahr für das norwegische Team Uno-X Pro Cycling an den Start geht. Ihre Zeitfahrqualitäten hat sie im letzten Jahr als Zweite der Europameisterschaften der U23 ebenso bewiesen, wie mit ihrem dritten Platz hinter Lisa Brennauer und Lisa Klein bei den Deutschen Meisterschaften in Öschelbronn. Zwei sechste Plätze in den Gesamtwertungen der Rundfahrten Setmana Ciclista Valenciana und der Baloise Ladies Tour sowie der 5. Platz bei der Deutschen Straßenmeisterschaft in Filderstadt rundeten eine mehr als zufriedenstellende Saison ab.

Der Nachwuchs drängt mit Macht nach vorn und so darf man auch auf die 19-jährige Hannah Buch gespannt sein, die beim schweizerischen Team Roland Cogeas Edelweiss Squad unter Vertrag steht. Für sie gilt es in erster Linie Erfahrung zu sammeln und wichtige Helferdienste für das von der 41-jährigen Olga Zabelinskaya aus Usbekistan angeführte Team zu leisten. Zur Kategorie der jungen, hoffnungsvollen Rennfahrerinnen zählen auch die 20-jährige Friederike Stern vom Team Andy Schleck-CP NVST-Immo Losch, die 19-jährigen Clea Seidel von Ceratizit-WNT Pro Cycling und Lucy Mayrhofer von IBCT sowie die erst 18-jährigen Marla Sigmund von Lotto Soudal Ladies und Lana Eberle, ebenfalls von Ceratizit-WNT Pro Cycling, die alle das Ziel haben, in der kommenden Saison schon Akzente zu setzen.

Nicht außer Acht lassen sollte man auch die 21-jährige Ricarda Bauernfeind und die 18-jährige Antonia Niedermaier, die beide im Nachwuchsteam Canyon//SRAM Generation unter Vertrag stehen. Während Ricarda Bauernfeind im letzten Jahr mit Platz drei hinter Lisa Brennauer und Liane Lippert bei der Deutschen Straßenmeisterschaft überzeugte und auch einen hervorragenden 10. Platz im Straßenrennen der U23 Europameisterschaft erzielte, ließ Antonia Niedermaier bei den Juniorinnen aufhorchen. Ihre Stärke ist vor allem das Einzelzeitfahren, wo sie Zweite der Europameisterschaft und Dritte der Weltmeisterschaft wurde. Für beide gilt es, sich mit weiteren guten Leistungen zu empfehlen und dann den Schritt ins Profiteam von Lisa Klein zu schaffen.

Ganz ohne Erfahrung wird es aber auch in der kommenden Saison nach dem Rücktritt von Trixi Worrack nicht gehen. Mal abgesehen von der 33-jährigen Lisa Brennauer, die mit Sicherheit für weitere Erfolge auf Bahn und Straße sorgen wird, hat sich die gleichaltrige Kathrin Hammes mit ihrem Wechsel von Ceratizit-WNT Pro Cycling zu EF Education-TIBCO-SVB neue Ziele gesetzt und dabei bestimmt auch wieder die Internationale LOTTO Thüringen Ladies Tour im Visier, deren Gesamtwertung sie 2019 gewann und im letzten Jahr dann in der Bergwertung triumphierte. Inwieweit die langjährig erfolgreiche Charlotte Becker beim französischen Team Arkea Pro Cycling eventuell noch einmal durchstarten kann, bleibt abzuwarten, eher darf man schon einiges von Clara Koppenburg (26 Jahre) vom Cofidis Women Team oder Corinna Lechner (27 Jahre) erwarten, die beim Massi-Tactic Women Team einen Vertrag erhalten hat, nachdem sie seit 2019 vertragslos war. Ein am letzten Wochenende erzielter 14. Platz beim Eintagesrennen Vuelta CV Feminas unmittelbar vor der ebenfalls stark verbesserten 22-jährigen Lea Lin Teutenberg von Ceratizit-WNT Pro Cycling ließ schon einmal aufhorchen und sorgte für einen guten Einstand in die Saison.

Der deutsche Frauen-Radsport kann mit gesundem Optimismus in die neue Saison gehen, wobei das Hauptaugenmerk neben einigen Klassikern und den nationalen und internationalen Meisterschaften und auf die Tour de France Femmes vom 24.07. bis 31.07. gerichtet sein wird.
Als großer Höhepunkt in Deutschland gilt dabei das einzige internationale Etappenrennen, die LOTTO Thüringen Ladies Tour vom 24. bis 29. Mai 2022.

Nachstehend ein Überblick über sämtliche unter Vertrag stehenden Radsportlerinnen des Bundes Deutscher Radfahrer:

UCI Women’s WorldTeams:
Lisa Klein (Canyon SRAM Racing, 25 Jahre, 13 Siege)
Tanja Erath (EF Education-TIBCO-SVB, 32 Jahre)
Kathrin Hammes (EF Education-TIBCO-SVB, 33 Jahre, 2 Siege)
Mieke Kröger (Human Powered Health, 28 Jahre, 7 Siege)
Hannah Buch (Roland Cogeas Edelweiss Squad, 19 Jahre)
Franziska Koch (Team DSM, 21 Jahre, 1 Sieg)
Liane Lippert (Team DSM, 24 Jahre, 4 Siege)
Romy Kasper (Team Jumbo-Visma, 33 Jahre, 2 Siege)
Linda Riedmann (Team Jumbo-Visma, 18 Jahre)
Hannah Ludwig (Uno-X Pro Cycling Team, 21 Jahre)

UCI Women’s Continental Teams:
Carolin Schiff (Andy Schleck-CP NVST-Immo Losch, 36 Jahre)
Friederike Stern (Andy Schleck-CP NVST-Immo Losch, 20 Jahre)
Charlotte Becker (Arkea Pro Cycling Team, 38 Jahre, 16 Siege)
Aileen Schweikart (Bizkaia Durango, 25 Jahre)
Franziska Brausse (Ceratizit-WNT Pro Cycling, 23 Jahre)
Lisa Brennauer (Ceratizit-WNT Pro Cycling, 33 Jahre, 41 Siege)
Lana Eberle (Ceratizit-WNT Pro Cycling, 18 Jahre)
Clea Seidel (Ceratizit-WNT Pro Cycling, 19 Jahre)
Lea Lin Teutenberg (Ceratizit-WNT Pro Cycling, 22 Jahre)
Clara Koppenburg (Cofidis Women Team, 26 Jahre, 2 Siege)
Marla Sigmund (Lotto Soudal Ladies, 18 Jahre)
Corinna Lechner (Massi-Tactic Women Team, 27 Jahre, 1 Sieg)
Ronja Eibl (Plantur-Pura, 22 Jahre)
Laura Süßemilch (Plantur-Pura, 24 Jahre)
Nadine Michaela Gill (Sopela Women’s Team, 30 Jahre)
Christa Riffel (Team Coop-Hitec Products, 23 Jahre)
Svenja Betz (IBCT, 26 Jahre)
Lucy Mayrhofer (IBCT, 19 Jahre)
Lena Charlotte Reissner (IBCT, 21 Jahre)

Nachwuchsteam:
Ricarda Bauernfeind (Canyon//SRAM Generation, 21 Jahre)
Antonia Niedermaier (Canyon//SRAM Generation, 18 Jahre)

Bernd Mülle/ T.RF GmbH