Festivalwoche mit unbezahlbaren Kulturmomenten

Festivalwoche mit unbezahlbaren Kulturmomenten
Kraftvolles und kluges Volkstheater: Mit der Eigenproduktion von William Shakespeares „Der Sturm“, unter Leitung von Ulrich Schwarz, Dresden, wurde der XXIX. Greizer Theaterherbst eröffnet. Foto: Karsten Schaarschmidt

XXIX. Greizer Theaterherbst endet nach zehn Tagen und 26 Veranstaltungen

GREIZ – Der XXIX. Greizer Theaterherbst war in einer Sache seinem Motto „unbezahlbar“ mehr als treu: Mit seinen 26 Veranstaltungen in der Festivalwoche bot der in seiner Art bundesweit einzigartige Theaterherbst seinem Publikum unzählige unbezahlbare Kulturmomente. Bei coronabedingt reduzierter Platzkapazität der verschiedenen Spielstätten, aber vielfach ausverkauften Abenden besuchten rund 1800 Gäste die Premieren, Gastspiele und Performances. „Aus meiner Sicht war der Theaterherbst in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“, resümiert der Künstlerische Leiter Martin Heesch.

Das Motto „unbezahlbar“ sei vor allen in der gegenwärtigen Corona-Pandemie in seiner Thematik voll aufgegangen. „Zum einen bewies das Festival, wie essenziell Kultur ist, zum anderen konnte intensiv auf der Bühne mit künstlerischen Mitteln und später im Publikum die Frage diskutiert werden, was wirklich wertvoll ist“, so Heesch. Natürlich sei alles in der momentanen Situation ein planerischer und organisatorischer Kraftakt gewesen, aber es habe „sich ausgezahlt“, freut sich Heesch, das Motto aufgreifend. Sein Dank gelte daher speziell allen Helfern und Organisatoren, aber ebenso allen Mitwirkenden in den Werkstätten und den Künstlern der Gastspielgruppen. „Wir alle dürfen ein bisschen stolz auf uns sein“, so der Künstlerische Leiter. Insgesamt sei das abwechslungsreiche Programm, das vom Publikumsmagneten wie die Stars Thomas und Arthur Thieme mit Brechts „Baal“ bis zum kunstvollen Kleinod wie der Monolog „Verlust“ von dem Leipziger Künstler Benjamin Junghans reichte, sehr gut angenommen worden.

Mit sechs Werkstattprojekten, einem Zirkusprojekt im Sommer, der Fortsetzung des Straßentheaterfestes „Come together!“ sowie 14 Gastspielen stieß das Festival mit dem Motto „unbezahlbar“ eine Wertediskussion an und lud zum Nach- und Weiterdenken ein. In den Werkstätten haben seit dem Sommer rund 100 Mitwirkende im Alter vom Grundschulkind bis zum Senior aus dem gesamten Vogtland unter Leitung renommierter Theaterleute gearbeitet.

Zu den weiteren Gastspielhöhepunkten des Festivals gehörten unter anderem die international gefeierte Fußtheaterspielerin Anne Klinge, die „Mittelmeer-Monologe“ der Berliner Gruppe „Wort und Herzschlag“ oder „Ein anarchistischer Bankier“ von der Kölner „eugen&eugen production“. Ansprechende und anspruchsvolle Momente schenkte das Festival seinen Gästen gleichfalls mit seinen Eigenproduktionen, so mit der Eröffnungsinszenierung von William Shakespeares „Der Sturm“, Leitung: Ulrich Schwarz, Dresden, der Premiere der Schauspielwerkstatt „Hose Fahrrad Frau“ von Stefan Wipplinger, Leitung: Anika Pinter, Berlin, der Musicalwerkstatt für Jugendliche „Gott kommt nach Greiz!“, Leitung: Stefan Kreißig, Berlin, und Team, oder der Schauspielwerkstatt für Kinder „Fünf Bohnen“, Leitung: Morten Gensch, Dresden. Zudem entstand eine Soundinstallation, Leitung: Cássio Diniz Santiago, Greiz/Sao Paulo. Und die Werkstatt „Kabel, Kulissen & Kostüme“ unter der Leitung von Julia Kopa, Berlin, kümmerte sich mit Riesenengagement um die Ausstattung der Werkstätten und Spielstätten.

Im nächsten Jahr feiert der Greizer Theaterherbst sein 30-jähriges Jubiläum. Martin Heesch ist als Künstlerischer Leiter bereits vom Vereinsvorstand bestätigt. „Die Ideensuche läuft schon und eigentlich geht es mit der Planung und den Überlegungen zur kommenden Auflage von jetzt an nahtlos weiter“. Übrigens, in der vergangenen Woche wurde der Greizer Theaterherbst mit dem Thüringer Theaterpreis, Theaterförderpreis „Theater in Bewegung“ geehrt.

Endgültig fällt der Vorhang des XXIX. Greizer Theaterherbstes eigentlich erst am Montag, nach der dritten Aufführung der Schauspielwerkstatt für Kinder. Grundsätzlich gilt jedoch: Nach dem Festival ist vor den Festivals. Das ebenfalls vom Verein Greizer Theaterherbst organisierte Internationale Greizer JazzWerk #22 steht vom 06. bis 09. Mai 2021 an, der XXX. Greizer Theaterherbst steht vom 10. bis 19. September 2021 im Kalender.

Karsten Schaarschmidt
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit