Erinnerungen an die Arnoldsche Villa

Fürstliche Schloss und Residenzstadt Greiz 2013
Blick auf die Arnoldsche Villa in Greiz - zuletzt vom Staatlichen Berufsbildungszentrum Greiz genutzt. Aufnahme von Mitte August 2013.

Der Neffe von Ernst Arnold (1841-1893), Hans Arnold (1900-1994) legte einige Gedanken schriftlich nieder

GREIZ. Vor wenigen Wochen konnte ich an dieser Stelle berichten, dass die Arnoldsche Villa in der Plauenschen Straße, die bis vor wenigen Jahren von der Abteilung Hauswirtschaft des Staatlichen Berufsbildenden Zentrums Greiz-Zeulenroda genutzt wurde, durch Detlef Meyer aus Hennef einen neuen Besitzer gefunden hat.

Im Rahmen seiner geschichtlichen Recherchen über die einst prunkvolle Villa des Fabrikanten Ernst Arnold (1841-1893), einem der größten Unternehmer und Gönner der Stadt Greiz, traf sich Detlef Meyer unlängst mit der Großnichte von Ernst Arnold, der Enkelin Paul Arnolds, Frau Ingrid Oberföll in Aachen. Die rüstige Dame wohnte im letzten Jahr der feierlichen Namensweihe der Greizer Bildungseinrichtung bei. Seit 10. Oktober 2013 trägt das Bildungszentrum den Namen Ernst Arnold.

Der nachfolgende Bericht kam bei dieser Festveranstaltung in die Hände von Ingrid Oberföll und sie schrieb ihn ab. Verfasser ist Hans Arnold (1900-1994), der Neffe Ernst Arnolds, dessen Sohn Wolfgang Mitte der 1970er Jahre nach Ontario/Kanada auswanderte. Mit ihm verband mich eine jahrelange Brieffreundschaft und er übergab mir eine Vielzahl von Unterlagen, die für Forschungszwecke genutzt werden konnten.
Wolfgang F. Arnold, der Cousin von Ingrid Oberföll, verstarb am 20. Februar 2012.

Antje-Gesine Marsch @14.02.2014

Hier nun die Erinnerungen von Hans Arnold (1900-1994)
Ein Bericht für die Familienchronik

Der älteste Bruder meines Vaters (Hermann Arnold, d.A.) war Ernst Arnold (1841-1893). Er starb lange vor meiner Geburt. Seine Frau Lina (geb. Büttner) überlebte ihn 35 Jahre.
Schon als Kind war Tante Lina ein Anziehungspunkt. Ein Besuch bei ihr war immer ein großes Erlebnis. Sie lebte sehr zurückgezogen in ihrer großen Villa, neben der Greizer Firma (heute Berufsschule, d.A.).

Schon der große Vorgarten mit seinen Palmen und Teppichbeeten war im Sommer ein herrlicher Anblick. Blumen und Tieren galt ihre ganze Liebe. Sie hatte einen eigenen Gärtner und Gewächshäuser, so dass die Villa immer mit frischen Blumen versorgt war. In der großen Hausdiele mit dem Treppenhaus kam schon das erste Erlebnis. Ein großer Bernhardinerhund, der als Hütte schon mehr ein Haus hatte. Wenn dann Tante Lina aus ihrem Zimmer heraustrat, war sie von einem Schwarm kläffender Hunde umgeben, sie hatte bis zu 15 Stück dieser Kleinen.

Schon, wenn man das Haus betrat, atmete man die Luft eines Zoos. In einem Zimmer hatte sie zwei bis drei Affen, sie waren zwar angebunden, aber ab und an verstanden sie sich, frei zu machen und stellten allerhand Unsinn an. Von diesem Zimmer aus führte ein Fenster in eine Voliere, die vom Garten bis in die erste Etage reichte vom Garten aus konnte man sie betreten. Oft saßen wir an diesem Fenster und betrachteten und beobachteten die vielen verschiedenen Vögel. Gimpel waren ihre besondere Liebe. Viele waren so zahm, dass sie Futter aus ihrer Hand nahmen. Im Garten hinter dem Haus war ein größerer Teich, der auch für die Firma im Falle von Feuer seinen Zweck hatte. Dort hatte sie Schwäne und verschiedene Wasservögel. Für den Winter war am Gewächshaus ein Raum mit diversen Bassins, um die Tiere dort überwintern zu lassen. Das Haus, also die Villa, gebaut 1879/80, machte auf mich als Kind immer den Eindruck eines verwunschenen Schlosses. Sie liebte keine hellen Zimmer. So gab es bunte Fenster und Vorhänge, die ein Dämmerlicht erzeugten. Es war ein Haus seiner Zeit. Das große Treppenhaus und die Nebenzimmer lagen nach der Sonnenseite. Damals baute man eben repräsentativ nach der Straße, ohne Rücksicht auf die Sonne. Bis zum 1. Weltkrieg hatte sie noch Pferde und Kutscher.

Die Inflation traf sie sehr. Es war ihr sehr schmerzlich, dass sie nun nicht mehr mit vollen Händen schenken konnte. Sie hatte, den Gewohnheiten ihres Mannes folgend, weiter die vielen Stiftungen betreut und viel Gutes für Krippe, Knabenhort, Studienstiftung, Arnoldstift usw. getan. Bis zu ihrem Tod am 4. Februar 1928 war sie geistig rüstig und freute sich immer, wenn man sie besuchte und ihr die Neuigkeiten von Stadt und Firma berichtete.

Nach ihrem Tod wurde sie an der Seite ihres Mannes, der auf ihren Wunsch hin vom Alten Friedhof in den Park des Arnoldstifts (Pflegeheim Anna Seghers, d.A.) umgebettet wurde, beigesetzt. Dieser Wunsch hatte mir seinerzeit viel Kummer bereitet. Es war nicht einfach, die Behörden dafür zu begeistern. Jetzt ruhen beide unter einem künstlerischen Denkmal auf dem höchsten Punkt des Parks, von dem man weit in das Elstertal sehen kann.

2 Kommentare zu Erinnerungen an die Arnoldsche Villa

  1. Hallo,zu dem Bericht über die letzte Ruhestätte im Park des Pflegeheims A.Seghers . Ich war bis letztes Jahr oft im Heim und ab und zu am herrlichen Grabmal im Park, das ja zugäglich ist. Ich war immer traurig, wie dieses immer mehr verwildert und bewachsen wurde. Manchmal wischte ich Spinnweben und Laub von dem marmornen Monument weg. Hat Greiz doch schon mit dem Heim den Arnolds viel zu verdanken. Es gehört eine Reinigung her, bei der das Innere des verglasten Grabmals gesäubert werden müsste. Fotografieren Sie es mal, ob es noch im gleichen erbärmlichen Zustand ist. Schon künstlerisch ist es ein Kleidod.
    L.G.J.Gräßer

  2. Ernst Arnold hat sich mit seiner Frau Lina – neben dem Aufbau einer erfolgreichen Unternehmung – auch um das Stiftungswesen in Greiz verdient gemacht. Heute noch am bekanntesten sind der „Ernst-und-Lina-Arnold-Stift“ (zu DDR-Zeiten bis leider heute ohne jeden Bezug zu Greiz als Pflegeheim „Anna Seghers“ bekannt) und der Knabenhort (Marienstraße). Auch andere Unternehmerfamilien in Greiz haben sich mit Stiftungen in Greiz engagiert (Fam. Günther z.B. mit der Kriegswitwenstiftung, die Gartenanlage Ortsausgang Irchwitz in Ri. Schönfeld steht ebenfalls heute noch). Auch Gymnasialrektoren i.R. und sogar Hausfrauen (alleinstehend, ohne Kinder) sind als Stifter in Greiz belegt. Heute ist die Gründung einer privaten Stiftung jedoch an hohe rechtliche und finanzielle Hürden gebunden.

    Eine mögliche Alternative: Die Gründung einer „Bürgerstiftung Greiz“, wo der erforderliche Stiftungsstock mit Hilfe vieler Mitwirkender gestemmt werden soll. Was ist das Interessante daran? Unter dem Dach einer Bürgerstiftung können auch Privatleute ab 20.000 Euro eine eigene (unselbständige) Stiftung errichten. Damit umgeht man die genannten rechtlichen Hürden, kann aber in dieser eigenen Stiftung dennoch Ziel und Stiftungszweck völlig autonom festlegen. So verwaltet z.B. die Bürgerstiftung Dresden mehrere Unterstiftungen und mehrere Treuhandfonds (ab 10.000.-€‚¬). Somit können sich auch „normale Leute“ zu Lebzeiten und über das Leben hinaus via (Unter-)Stiftung für ihre Heimat engagieren. Insofern sieht sich die Bürgerstiftung Greiz i.G. durchaus in der langen Stiftertradition Greizer Unternehmerfamilien mit Sinn und Herz für ihre Heimatstadt…
    Torsten Röder

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