Die wahre Geschichte von Romeo und Julia zu den Sommer.KultuRtagen

Sommer.KultuRtage: Der Greizer Verein the.aRter brachte das Stück „Die wahre Geschichte von Romeo und Julia“ im Schanzengarten des Oberen Schlosses auf die Bühne

GREIZ. Hoch „Gerd“ beschert den Menschen seit Tagen die stabilste Sommerwetterlage des Jahres. Darüber freuen sich vor allem die Organisatoren der Greizer Sommer.KultuRtage im Schanzengarten des Oberen Schlosses.

Als Auftakt der dreitägigen Veranstaltung erlebten zahlreiche Gäste am Freitagabend vor romantischer Kulisse die Aufführung des Stückes „Die wahre Geschichte von Romeo und Julia“ von Antonia Jaster, frei nach William Shakespears berühmtesten Werk. Zwar sprach der Vorsitzende des theaRter-Vereins, Stephan Marek, zu Beginn vom „ausgestiegenen Pianisten und abgestürzten Bühnenbild“ sowie „Tücken, unter freiem Himmel zu spielen“ – zu spüren war von all dem nichts. Mit Begeisterung und Freude verfolgten die Besucher die musikalische Farce in fünf Akten. Traurig, schaurig, schön? Bei Shakespeare treffen diese Attribute des Klassikers aller Liebesgeschichten sicher zu: Im „wahren“ Stück dominieren Rivalitäten unter den Ensemblemitgliedern des Cabarets „Verona“, die die Tragödie zur Aufführung bringen wollen. Die Regieanweisungen des Conferenciers werden ignoriert; die Schauspieler bewegen sich auf dünnem Eis. Man fiebert regelrecht mit, dass die Geschichte nicht ins Desaster ausartet. Doch die Blamage droht. Was tun, wenn Julia die berühmte Balkonszene spielen soll, aber seit zwanzig Jahren von Höhenangst befallen ist?

Zum Inhalt:
Seit Generationen besteht Feindschaft zwischen den beiden Veroneser Familien Capulet und Montague. Die Fehde geht so weit, dass sich die Beteiligten regelmäßig zu Beleidigungen hinreißen lassen. Romeo, ein Montague und zugleich ein unverbesserlicher Schürzenjäger, hat sich unbemerkt auf den Maskenball im Hause der Capulets geschlichen. Dort begegnet er Julia, der schönen, aber ziemlich dummen Tochter der Capulets. Ein Augenblick genügt, um seine frühere Liebe Rosalinde zu vergessen und ein Auge auf Julia zu werfen. Als Julia ihre Amme zu Romeo schickt, um Zeit und Ort der Vermählung zu erfahren, nützt dieser die Gelegenheit, gemeinsam mit ihr und den anderen Cabaret- und Revuegirls tanzend und singend seinen Junggesellenabschied zu feiern. Nach der durchtanzten Nacht überbringt die Amme, beschwipst und verkatert, der ungeduldig wartenden Julia Romeos Nachricht.

Schnell und heimlich lassen sich Romeo und Julia von Bruder Lorenzo trauen. Doch schon in der Hochzeitsnacht kommt es zum ersten Ehekrach, da sich die beiden nicht einigen können, ob es nun die Lerche oder die Nachtigall war …

Auf dem Marktplatz von Verona begegnen sich – beim Eisesssen und auf dem Weg zum Kino – die beiden verfeindeten Familien. Zwischen Mercutio, einem Freund Romeos und Tybalt, einem Vetter Julias, kommt es zum Streit, in dessen Verlauf Tybalt den Mercutio erschießt. Blind vor Trauer und Wut über den Tod seines Freundes, rächt sich Romeo in einem Revolverduell nach Westernart. Er erschießt Tybalt, wird von Escalus, dem Prinzen von Verona, aus der Stadt verbannt und flieht nach Mantua.

Julia, die nach dem Willen ihres Vaters nun in aller Eile mit dem Grafen Paris verheiratet werden soll, bittet verzweifelt Bruder Lorenzo um Hilfe. Dieser überredet sie, sich mit einem Schlaftrunk in einen todesähnlichen Zustand zu versetzen, um so der Hochzeit zu entrinnen.

Doch der Brief, der Romeo von Lorenzos Plan unterrichten soll, erreicht diesen durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle nicht. Stattdessen erhält er die Nachricht von Julias vermeintlichem Tod und eilt zurück nach Verona. In der Gruft der Capulets findet er Julias aufgebahrten Körper und das Fläschchen mit dem Rest des Schlaftrunks, den er für Gift hält. Doch als er zum tödlichen Schluck ansetzen will, wird er sich seiner Jugend bewusst wird und der Schande als Frauenheld, nur eines Mädchens wegen so viele andere zurückzulassen. Er entscheidet sich für das Leben und für Rosalinde. Doch als er sie in Armen hält, wacht Julia auf und erschießt die beiden.

Nach herzlichem Schlussapplaus konnte man verstehen, was Stephan Marek zu Beginn des Stückes angekündigt hatte: „Romeo und Julia“ ist immer für eine Überraschung gut. Und sei es „Strafe oder Gnade“ zu erteilen.

Antje-Gesine Marsch @28.08.2016

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