Astronomische Gesellschaft Greiz präsentiert fliegende Schatten, Diamantringe und emotionale Infernos

Astronomische Gesellschaft Greiz präsentiert fliegende Schatten, Diamantringe und emotionale Infernos

Referenten der 270. Folge von „Prominente im Gespräch“ waren mit Mathias Thiel und Michael Linke zwei Vertreter der Astronomischen Gesellschaft Greiz

GREIZ. Die gute Nachricht zuerst: Der hausgroße Asteroid 2012 TC4 ist am Donnerstagmorgen der Erde mit rund 40.000 Kilometern Abstand recht nahe gekommen. Wie anders könnte ein von der Astronomie mehr als begeisterter Referent in den Vortrag „Faszination Weltall“ einsteigen, als mit dieser Meldung?
Mit Mathias Thiel und Michael Linke von der Astronomischen Gesllschaft Greiz hatte Harald Seidel zur 270. Veranstaltung „Prominente im Gespräch“ zwei Greizer eingeladen, die sich der Wissenschaft von den Gestirnen mit Leib und Seele verschrieben haben.
Die zahlreichen Besucher im Weißen Saal des Unteren Schlosses erwartete eine kurzweilige, spannende, wissenschaftlich fundierte und trotzdem heitere Reise in die Gesamtheit von Raum, Zeit und aller Materie.

Das Thema „Sonnenfinsternis“ spielt in Mathias Thiels Leben seit vielen Jahren eine ganz besondere Rolle – bereits 1976 sah er dieses astronomische Ereignis zum ersten Mal.
Später reiste er nach Frankreich, in die Türkei oder auf die Färöer Inseln, um live dabei zu sein. Eine totale Sonnenfinsternis ist stets ein großes, weil sehr seltenes Ereignis: Der Mond muss in einem bestimmten Winkel und Abstand zur Erde stehen, um die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. „Die Sonnenfinsternis ist ein enzigartiges Schauspiel“, so Thiel. „Die Sonne ist der Star, die Erde die Bühne und auch der Mond spielt eine nicht unbedeutende Rolle.“
Am 21. August 2017 hüllte solch eine totale Sonnenfinsternis einen schmalen Streifen der USA nach und nach in Dunkelheit – für maximal zwei Minuten und 40 Sekunden. Auch diese Sonnenfinsternis erlebte Mathias Thiel, gemeinsam mit Sohn Konrad in Mitchell/USA.

Über die Vorbereitungen, aber auch Tücken und Eventualitäten, die innerhalb dieser entscheidenden, kurzen Zeit auftreten können, berichtete Mathias Thiel in seinem Vortrag. Wenn man beispielweise vor aller Anspannung, Konzentration und Vorfreude die Belichtungszeit vergisst. „Ein emotionales Inferno“, gibt der Astronom zu.
„Eines der fantastischsten Phänomene bei der totalen Sonnenfinsternis in Amerika war „Der Diamantring“, schwärmt der Greizer. „Wenige Sekunden bevor der Mond die Sonne komplett verdeckt, werden die letzten Sonnenstrahlen als greller Punkt sichtbar. Zusammen mit der von hinten angestrahlten Mondscheibe ergibt sich so der Eindruck eines Diamantrings“, erklärt Mathias Thiel.
Lächelnd gibt er aber auch zu, dass ein großes Quäntchen Verrücktheit zu seinem Hobby gehört. Anders kann er es sich nicht erklären, bereits 60.000 Kilometer rund um die Erde gereist zu sein, für diesen einen Augenblick.

Inzwischen hat er schon Sohn Konrad mit dem SoFi-Virus angesteckt. Nun freuen sich die beiden schon auf die nächste totale Sonnenfinsternis, die am 8. April 2024 in Kanada zu sehen sein wird.

Der zweite Teil des Abends führte die Gäste quer durch das Universum. Michael Linke gab spannende Enblicke in die Entwicklung der Erde und lud zudem zu einem Ausflug zum Mars, Jupiter und Uranus ein. Man begegnete Sternenstaub – kleinen, zum Teil mikroskopischen Materiepartikeln. „Sie sind Produkte einer Supernova“, so Michael Linke. Der „Hexennebel“ als wunderschönes astronomisches Motiv oder der „Orionnebel“ als Emissionsnebel im Sternbild Orion wurden ebenso präsentiert.
Zudem erlebten die Besucher einen spektakulären fotografischen Flug über den Mond.

Der Abend wurde von Rudolf „Ruby“ Kuhl (sax) und Ronny Kerl (g) mit jazzigen Klängen umrahmt.

Harald Seidel bedankte ich abschließend bei den Sponsoren der Veranstaltung: Thüringens Finanzministerin Heike Taubert, Innofol Greiz GmbH und Reinhard Hilbert.

Hintergrund:
Die Astronomische Gesellschaft Greiz wurde am 5. April 2014 gegründet. Derzeit gehören 26 Mitglieder dem Verein an – darunter die Hälfte aus Sachsen. Die Altersspanne bewegt sich zwischen 11 und 81. Besonders die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben sich die Vereinsmitglieder auf die Fahnen geschriebene: An drei Greizer Grundschulen werden regelmäßig 35 Mädchen und Jungen in die Geheimnsisse der Astronomie eingeweiht. Auch eine Seminarfacharbeit von Schülern des Greizer Ulf-Merbold-Gymnasiums Greiz wird von der Astronomischen Gesellschaft Greiz betreut. Erst kürzlich wurde im Astro-Garten in Herrenreuth „Little Stonehenge“ eingeweiht – in Miniaturausgabe im Maßstab 1:15. Basierend auf „Jugend forscht 2016“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Greizer Ulf-Merbold-Gymnasium dieses Projekt auf den Weg gebracht. Der Astrogarten der Sternwarte in Greiz wird nach Fertigstellung zehn verschiedene Themengebiete umfassen: Sonne, Sonnenuhren, Finsternisse, Erde/Mondsystem, Planeten, Sterne, Sternbilder, Deep Sky, Stonehenge und Experimente.
Zahlreiche Beobachtungsabende, Ausstellungen und Vorträge machen die Faszination des Himmels einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Antje-Gesine Marsch @15.10.2017