Prof. Dr. Sibylle Günter, Direktorin am Max-Planck-Institut bei Prominente im Gespräch

Prof. Dr. Sibylle Günter bei Prominente im Gespräch
Prof. Dr. Sibylle Günter vom Max-Planck-Institut für Plasmaforschung Garching referierte bei Prominente im Gespräch.

Keine Zukunftsmusik
Prof. Dr. Sibylle Günter referierte zum Thema „Energiegewinnung durch Kernfusion. Eine Option für die Zukunft“. Abend dem 100.Geburtstag von Carl-Friedrich Weizsäcker gewidmet

GREIZ. Dass die Kernfusion schon seit langem als Traum der perfekten Energiequelle durch die Köpfe der Wissenschaftler geistert, ist bekannt. Sparsamkeit, Effizienz und Sauberkeit – weil keine Abgase entstehen und nur Wasser und Mineralgesteine als Grundstoffe benötigt werden zeichnen die Kernfusion aus. Mittlerweile kennen die Forscher das Rezept für das von der Sonne erzeugte Feuer zumindest in der Theorie, an der praktischen Umsetzung werde nach wie vor geforscht, wie Prof. Dr. Sibylle Günter vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik Garching und Greifswald am Donnerstagabend im Weißen Saal des Unteren Schlosses bei Prominente im Gespräch erklärte. So sollen zukünftig Wasserstoff-Atomkerne in einem Fusionsreaktor zu Helium-Kernen verschmelzen; dazu seien Temperaturen von etwa 150 Millionen Grad nötig, das ist zehn Mal so heiß wie die Sonne, weiß die Physikerin. Eingesperrt hinter Magnetfeldern dürfe das heiße Feuer lodern, um die Kernfusion als unerschöpfliche Energiequelle nutzbar zu machen. An diesem Menschheitstraum arbeite man am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching, dem Sibylle Günther als Direktorin und Leiterin der Theoriegruppe vorsteht und für das Experiment Asdex Upgrade mitverantwortlich zeichnet und bekennt: Die ersten Schritte sind geschafft. Der Magnet-Käfig halte die Plasmaströme im Zaum und die chemischen Reaktionen liefen alle nach Plan. Seit etwa fünfzig Jahren verfolgen Wissenschaftler ehrgeizig das Ziel, Kernfusion als schier unerschöpfliche Energiequelle für die Zukunft zu erschließen, nach einigen Rückschlägen schaue man zuversichtlich in die Zukunft, so die Wissenschaftlerin. Der solare Prozess werde dabei allerdings nicht im Original hergestellt. Bei der künstlichen Fusion verschmelzen die beiden schweren Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium zu einem Heliumkern, wie Prof. Günter erläutert. Das dabei abgegebene Neutron übernehme den Transport der Fusionsenergie an die Reaktorwand; diese erzeuge Wärme und erhitze das Wasser in den Kühlschlangen. Der dabei entstehende Dampf treibe dann die Stromgeneratoren an. Von einer Kernfusion gehe zudem keine radioaktive Gefahr aus. Zwar seien die Temperaturen im gezündeten Plasma respekteinflößend hoch, doch wegen dessen extremer Verdünnung enthalte es nur wenig Energie. Eine solch furchtbare Katastrophe wie in Tschernobyl sei damit völlig ausgeschlossen. Es gibt keine Kettenreaktion wie bei einer Kernspaltung, so Prof. Günter. Trotz aller Hürden dazu gehören neben den technischen vor allem auch die leeren Staatskassen ist die Forscherin überzeugt, dass es sich nicht um Zukunftsmusik handle in vielleicht fünfzig Jahren könne der erste Fusionsreaktor ans Netz gehen, schaut die Physikerin bereits voraus. Der Abend, den Harald Seidel dem 100. Geburtstag des Physikers Carl-Friedrich von Weizsäcker widmete, wurde musikalisch vom Solocellisten der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach, Peter Manz umrahmt.

Antje-Gesine Marsch @28.06.2012