Posthum Irmengart Müller-Uri: 30 Jahre Fall der Mauer

Fürstliche Schloss und Residenzstadt Greiz 2017
Blick durch die Dr. Scheube-Straße in Richtung Stadtkirche St. Marien. Aufnahme vom 23. Dezember 2017.

Auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Ende der Trennung in Ost- und Westdeutschland ist die friedliche Revolution von 1989 nicht nur ein historisches Datum

GREIZ. Wer miterlebt hat, wie blutig ähnliche Versuche in der DDR und in den Volksdemokratien vorher ausgingen, kann den Mut der damals demonstrierenden Bürger ermessen und wird ihn immer wieder bewundern.
Am Montag, dem 28. Oktober 1989 fand die erste offiziell genehmigte Demonstration in Greiz statt. Rudolf Kuhl hatte sie als Vertreter des „Neuen Forums“ beantragt, tausende Greizer Bürger waren gekommen.
Am gleichen Tag wurde nun 30 Jahre später dieser Demonstration in einer bewegenden Veranstaltung in der Greizer Stadtkirche gedacht. Damit wurde zugleich die bedeutende Rolle der Kirche an der friedlich verlaufenden Revolution in der DDR gewürdigt. Das Blechbläserquintett der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach mit Eberhard Höflinger und Andre Oehling (Trompete), KM Gerhard Kühn (Horn), Michael Düntsch (Posaune) und Alexander Tischendorf (Tuba) stimmte mit einem prachtvoll geblasenen „In dir ist Freude“ in einer Bearbeitung von Ludovico Viadana auf die folgende Dokumentation ein. Diese fünf Musiker erinnerten damit zugleich an die Anteilnahme ihres Orchesters, des damaligen Staatlichen Sinfonieorchesters Greiz vor 30 Jahren. GMD Hans-Rainer Förster und seine Musiker vertraten ihre positive Meinung zum Aufbruch im Oktober 1989 mit einem „Konzert gegen Gewalt“ mutig in der Öffentlichkeit.
Anschließend wurde – quasi als Prolog – von Anke Goersch der Gründungsaufruf des „Neuen Forums“ verlesen. Es folgten im Wechsel mit weiteren musikalischen Beiträgen des Blechbläserquintetts sowie Orgelvorträgen und Improvisationen von Stadtkantor Ralf Stiller Berichte von Teilnehmern an den damaligen Demonstrationen. Da klangen nicht nur die Wünsche und Vorstellungen der Teilnehmer an, sondern auch Probleme und Ängste von Beteiligten. Viele von ihnen waren ja noch in Institutionen und Betrieben der DDR tätig und wollten ihre Familien nicht gefährden. Dass die Wende gewaltlos und friedlich verlief, ist auch den damals amtierenden Vertretern der Kirchen zu verdanken. Sie stellten nicht nur ihre Gebäude zur Verfügung, sondern wirkten auch seelsorgerisch auf die erregten Bürger ein. Thüringens ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zitierte den Bibelvers aus Matthäus 18:20 „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter euch“ und hob damit die Beteiligung der Kirche hervor.
Ralf Stiller unterstrich einige Lesungen mit Orgelkompositionen und emotional entsprechenden Improvisationen. Das Blechbläserquintett der Vogtland Philharmonie gab der Veranstaltung mit stilvoll vorgetragener Musik aus Barock und Romantik einen würdevollen Charakter und beschloss das Konzert mit der Ouvertüre zu Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik.

Irmengart Müller-Uri (t) @17.12.2019

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