Greizer Park-und Schlossfest 2013

Etwa 1000 Konzertgäste feierten die acht Chöre sowie die Gruppe Querblech der Musikschule Bernhard Stavenhagen

GREIZ. Ein fester Termin für den Chorgesang ist für viele Musikfreunde der Region das traditionelle Morgensingen des Neuen Reußischen Sängerkreises, das am Sonntag im Greizer Schlossgarten buchstäblich über die Bühne ging. Rund 1000 musikbegeisterte Greizer mit ihren Gästen waren in den Schlossgarten gekommen und lauschten den Darbietungen der acht beteiligten Chöre sowie der Gruppe Querblech der Musikschule Bernhard Stavenhagen. Chorgesang vom Feinsten von klassisch, über Folklore, bis hin zum Evergreen und den modernen Rhythmen unserer Tage war zu hören und begeisterte die Zuhörer dieses traditionsreichen Konzerts, das wie immer von Ulli Zschegner in seiner charmanten Art und Weise moderiert wurde. Dabei war natürlich klar, dass die Männerchöre gemeinsam als Neuer Reußischer Sängerkreis dieses Konzert mit dem Gruß Sonntag ist’s, den sie an alle Gäste und Besucher im Greizer Schloßgarten, aber genauso an die des Greizer Park- und Schlossfestes zuriefen eröffneten. Mächtig die Stimmgewalt der vereinigten Männerchöre, dazu eine saubere Akzentuierung unter der Stabführung von Markus Dietzsch – ein erfrischender Konzertauftakt zum Morgensingen. Und das setzte sich fort im Lied Frisch auf, es grüßt der Sonnenschein, das die vereinigten Männerchöre zu Gehör brachten. Starker Applaus belohnte diesen Männergesang, der erneut deutlich machte, welch kulturelle Ausstrahlung in der Chormusik steckt, welches kulturelle Erbe sowie Tradition durch die Chöre in der Region gepflegt wird. Erfolgt doch dieses gemeinsame Morgensingen der Chöre nun schon zum 38sten Mal in Folge, und das über alle gesellschaftlichen Veränderungen hinweg.

Chorgesang ist für manchen sicher ein etwas antiquiertes Hobby älterer Menschen. Dass dem nicht so ist, bewies der Kinderchor Paul Dessau unter der Leitung von Frau Doris Marek, der mit erfreulich frischen Stimmen den Frühlingsgruß unter die Konzertgäste schmetterte und mit Ich wollt, ich wär ein Huhn seine komödiantische Ader zur großen Freude der Zuhörer deutlich machte. Chornachwuchs ist also da, er muss nur gepflegt werden, um die Personalnöte in den Chören der Stadt Greiz sowie der Region zu mindern. War es der Kinderchor Paul Dessau, der frischen Wind im Chorgesang demonstrierte, so brachte der Männergesangsverein Raasdorf unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Wolfram Otto altbekanntes Liedgut, aber auch Folklore zu Gehör. Frisch wie der Quell im Waldesgrün – so das deutsche Volkslied aus der Wanderbewegung, feurig und mit südländischem Esprit das Chianti-Lied und dann das Lied mit der russischen Seele Kalinka. Also einmal querbeet durch die Volksmusik, und das mit viel Harmonie und sauberer Stimmführung – der Beifall der Konzertgäste war ihnen sicher.
Die Singgemeinschaft Gommla/Irchwitz unter der Leitung von Ullrich Jung hatte sich in ihrem Programmteil neben dem Gedankengut Hofmann von Fallerslebens Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei auch dem rheinischen Frohsinn hingewandt. Singen, klingen, Freude bringen stimmte darauf ein und fand seinen Höhepunkt mit dem Lied Im Weinparadies, das den Kaiserstuhl besingt. Wohltemperiert die Stimmen, dazu eine gute Abstimmung in Stimmlage und Ausdruck ließen den Vortrag zum Genuss werden. Vor der Pause des Chorkonzertes noch das Greizer Volkskunstensemble mit seinen Liedern an den Frühling, der an diesem Tag seinem Namen alle Ehre machte. Ein Ensemble von Frauen und Männern mit einer großen und langen Tradition, immer fest verwurzelt in der Greizer Region, aber auch vielseitig in Europa unterwegs gewesen, beeindruckender Gesangskultur und ein fester Bestandteil des Morgensingens des Neuen Reußischen Sängerkreises. Der Beifall der musikbegeisterten Konzertgäste war ihnen sicher.

Und dann mit der Gruppe Querblech der Musikschule Bernhard Stavenhagen ein völlig anderes Genre, das die Zuhörer aber ebenso begeisterte. Swing, Dixieland, Soul und Blues – gekonnt von jungen Musikern gespielt – da blieben manche Beine nicht ruhig und so manch einer fühlte sich wie zum Dixieland-Festival in Dresden. Toll , was die jungen Leute drauf hatten und wie sie das Publikum mitrissen. Man müsste öfter etwas von ihnen hören!

Doch dann ging es zurück zum Chorgesang, denn der Frauenchor Schönfeld unter der Leitung von Sabine Dietzsch beeindruckte mit seiner Interpretation des Volksliedes Ich geh durch einen grasgrünen Wald die Zuhörer und setzten mit einem irischen Volkslied noch eins drauf. Sehr schön auch hier die Stimmführung, die Akzentuierung und der Ausdruck in den Stimmlagen. Der Männerchorgemeinschaft Greiz unter der Stabführung von Markus Dietzsch hatten es die Ohrwürmer angetan. Mit An der schönen blauen Donau brachten sie wohl eines der bekanntesten Lieder Europas – man sagt auch die heimliche Hymne Österreichs – zu Gehör und die Konzertgäste zum Schunkeln. Toll, aber sie setzten noch eins drauf! Der Dirigent Markus Dietzsch versetzte sich kurzerhand in die 20er Jahre und die Männer des Chores stimmten mit Oh Donna Klara, ich hab dich tanzen geseh’n einen Ohrwurm aus der Zeit des Charleston und der Weimarer Republik an, der die Zuhörer begeistert mitgehen ließ und sie zum rhythmischen Mitklatschen animierte. Der Erfolg war der Männerchorgemeinschaft Greiz mit diesem Auftritt sicher. Der Sängerkranz Wildetaube unter der Leitung von Andreas Held hatte da auch einiges zu bieten. Waren sie mit Lieder, die Quellen der Freude noch beim besten deutschen Chorgesang, so hatten sie sich mit ihrer zweiten Darbietung dem neuen deutschen Schlager zugewandt. Ute Freudenberg ließ grüßen, als sie Auf den Dächern von Berlin anstimmten und das auch mit viel Emotionen rüber brachten. Langanhaltender Beifall war der Lohn dafür. Zum Abschluss dieses Morgensingens war es der Männerchor Mohlsdorf unter der Leitung von Helmut Colditz, der stimmgewaltig, mit toller Akzentuierung und wohltemperierter Stimmführung noch einmal das deutsche Liedgut hervor hob und zu Gehör brachte. Mit ännchen von Tharau und Der Spielmann konnten sie begeistern und die Zuhörer in ihren Bann schlagen.
Insgesamt das Morgensingen des Neuen Reißischen Sängerkreises ein Chorkonzert, das in seiner Vielseitigkeit der Stücke, seiner Ausdruckskraft der Chöre und auch der komödiantischen Ader seiner Mitglieder Zeichen dafür setzte, dass Chorgesang und Geselligkeit fest in der Volksseele verankert sind und zum kulturellen Erbe unserer Region und darüber hinaus gehören. Schade nur, dass dieses Konzert seinen eigentlichen angestammten Platz vor dem Greizer Sommerpalais nicht mehr nutzen darf. Sicher, dieses Jahr haben das die Hochwasserschäden der vergangenen Tage verhindert, doch sollte die Verwaltung der Thüringer Schlösser und Gärten unter Leitung von Prof. Dr. Paulus ihren Standpunkt dazu überdenken, so jedenfalls die allgemeine Meinung der Greizer und ihrer Gäste, denn die Akustik und das Ambiente sind für solch ein Konzert wohl auch ausschlaggebend.

Apropos Hochwasser! Der Neue Reußische Sängerkreis hatte zu seinem Konzert zu Spenden für den Greizer Park aufgerufen und eine Spendenbox aufgestellt, in der ein erkleckliches Sümmchen während des Morgensingens zusammen kam. Über die Höhe dieser Summe wird sicher noch zu berichten sein.

Peter Reichardt @16.06.2013

Von Peter Reichardt

Seit einigen Jahren ist der Greizer Peter Reichardt in Gommla ansässig. Der sportlich engagierte Pensionär ist vielseitig interessiert, nicht nur im sportlichen, sondern auch im Jugendbereich und dem Vereinsleben der Stadt Greiz.