Greizer Heimatbote Mai 1962

Greizer Heimatbote Mai 1962

Kulturspiegel für den Kreis Greiz

Greizer Heimatbote Mai 1962
Die Spitzenreiter
Foto: Martin Böttcher
Inhalt Mai 1962
– Beim Kulturbund notiert
– Neue Mitglieder des DKB
– Kulturbundfreunde zum Nationalen Dokument
– Rechenschaftsbericht der Ortsleitung Greiz des DKB
– Zum Tag des freien Buches
– Greizer Kulturdenkmale
– Über eine seltsame Bekehrung der Lebensreformer im vergangenen Jahrhundert
– Chinesische Scherenschnitte im Sommerpalais
– Reicher Beifall für Prof. Neef
– Auszeichnungen für verdiente Bundesfreunde
– Leserstimmen zum Heimatkalender 1962
– Veranstaltungen der Ortsgruppe Elsterberg
– Bundesfreund Werner Fläschendräger
– zur Beendigung seiner Tätigkeit in Greiz
– Hinweise für die praktische Naturschutzarbeit
– Ein unbekanntes Urwaldparadies bei Greiz
– Modeplauderei — einmal ganz anders
– Zum Namen Vogtland (Schluß)
– Jahreswetter 1961
– Winter im Lenzmonat

„Heimatbote“ — Kulturspiegel für den Kreis Greiz VIII. Jahrgang Mai 1962 – Heft 5, herausgegeben von der Kreisleitung Greiz des Deutschen Kulturbundes in Verbindung mit dem Rat der Stadt Greiz, Abteilung Kultur. — Druck: Vereinsbuchdruckerei Greiz. ML G 9/62 2609. Preis: DM 0,30. Preisbewilligung Vlg. Nr. 79/56. — Anschrift des Redaktionskollegiums: Greiz, Rosa-Luxemburg-Straße 58

Beim Kulturbund notiert
Das Nationale Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“ war Gegenstand eines Klubgesprächs mit dem Abteilungsleiter für Kultur in der Bezirksleitung Gera der SED und Mitglied der Kulturbund – Bezirksleitung, Max Schmidt. Künftig wird im Klub regelmäßig ein „Kulturgespräch des Monats“ stattfinden, zu dem auch unsere Leser herzlich eingeladen sind, erstmals für den 10. Mai, 20 Uhr.
Die Jahreshauptversammlungen
der Grundeinheiten unseres Kreisverbandes begannen am 26. April in Teichwolframsdorf. Am 5. Mai folgt die der Ortsgruppe Greiz — zu der hier noch einmal herzlich eingeladen werden soll —, am 12. Mai Elsterberg und am 2. Juni der Klub. Die Ortsgruppe Berga führt ihre Jahreshauptversammlung in der zweiten Maihälfte durch. Wir bitten alle Mitglieder, an der Jahreshauptversammlung ihrer Ortsgruppe teilzunehmen.
Der Stützpunkt Sorge-Settendorf des Deutschen Kulturbundes liegt im Bezirksmaßstab an der Spitze in der Steckenpferdbewegung der Philatelisten. Er ist inzwischen zu einem Kulturfaktor in der Gemeinde geworden. In Kürze wird sich auch ein Fotozirkel konstituieren.
Bundesfreund Heinz Gothe hatte anläßlich der Namensgebung des Klubs ein vielbeachtetes Humboldt-Objekt zusammengestellt. Gegenwärtig arbeitet er an einem Objekt „Die Arbeitsgemeinschaften und Fachgruppen des Deutschen Kulturbundes“, das anläßlich der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Greiz des DKB ab 5. Mai im Klub zu sehen sein wird. Mit Unterstützung des Direktors des Kreiskabinetts für Kulturarbeit, Klubfreund Kuczora, konnte eine neue Form der geselligen Abende im Klub unter der Leitung von Klubfreund Fläschendräger erfolgreich erprobt werden. Bitte überzeugen Sie sich am 19. Mai selbst und geben Sie dem Klubsekretariat Ihr Urteil bekannt.
Zur Fotoausstellung wurden 1325 Besucher gezählt.

Als neue Mitglieder des Deutschen Kulturbundes begrüßen wir:
Ortsgruppe Elsterberg
Herrn Ernst Hessel
Herrn Klaus Reinhardt
Herrn Fritz Regner
Ortsgruppe Teichwolframsdorf
Herrn Gerhard Pampel
Herrn Heinz Weiß
Herrn Robert Weiß
Stützpunkt Culmitzsch
Herrn Rudi Dinger
Herrn Heinz Krauthahn
Ortsgruppe Berga
Herrn Dr. Manfred Pietsch
Klub „Alexander von Humboldt“ Greiz
Herrn Harry Großwig

Kulturbundfreunde zum Nationalen Dokument
über die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands

Jeder ist eingeladen, mit zu planen, mit zu arbeiten und mit zu regieren!
Diese Worte des Nationalen Dokuments sollten der Leitfaden des Handelns jedes Bürgers in der Deutschen Demokratischen Republik sein.
Um sie zu verwirklichen, ist es notwendig, gründlich das Nationale Dokument zu studieren.
Jeder wird zum Studieren dieses, ich möchte sagen, Lehrbuches der deutschen Geschichte Rückschau auf sein eigenes Leben halten.
Gerade wir Frauen werden uns dabei an die furchtbaren Stunden in den Luftschutzkellern erinnern, in denen wir machtlos dem Terror des faschistischen Krieges ausgeliefert waren und um das Leben unserer Kinder bangten. In diesen Stunden hat sich wohl jeder gefragt, muß das sein, wie ist es möglich, daß es Menschen gibt, die solch unsagbares Leid über unsere Bevölkerung bringen. Wer sich bis heute diese Frage noch nicht klar beantwortet hat, dem werden die Augen durch das Studium des Nationalen Dokuments geöffnet. Hier werden die Dinge beim Namen genannt, die das deutsche Volk zweimal an den Rand des Abgrunds gebracht haben, hier wird aber auch der Weg in die Zukunft gewiesen.
Die einzige Alternative zu der von den Bonner Imperialisten und Militaristen ausgehenden Gefahr des tödlichen Atomkrieges ist der von uns in der Deutschen Demokratischen Republik gewiesene Weg des Lebens, der Weg zum Sozialismus.
Um diesen Weg siegreich zu Ende gehen zu können, ist die Haltung jedes einzelnen von uns, das Tun und Lassen wichtig, vielleicht sogar entscheidend für Krieg oder Frieden. Aus dieser Erkenntnis heraus werde ich meine ganze Kraft einsetzen, um mitzuhelfen, den geschichtlichen Auftrag der DDR zu erfüllen, denn niemals mehr soll von deutschem Boden ein Krieg ausgehen.
Ruth Wehner,
Kreissekretär der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands


„Ganz Deutschland ein reiches und blühendes Land der friedlichen Arbeit“, heißt es im Nationalen Dokument. Welch erhabenes Ziel — und wieviel Fehler und verpaßte Gelegenheiten in der jüngsten deutschen Geschichte.
Wir älteren Arzte wissen um die Trümmer und um das Leid auf dem Lebenswege jedes einzelnen. Das Dokument zeigt uns die Fehler auf, aber es weist auch den Weg zur Lösung der nationalen Frage. Er führt über die Ehrlichkeit in der Arbeit und unserem Staat gegenüber, er führt über gegenseitige Hilfe und menschliches Zusammenwirken dorthin. Unsere Hoffnung wird und muß sich erfüllen: Niemals mehr soll auf deutschem Boden ein Krieg geführt werden — niemals mehr soll von deutschem Boden ein Krieg ausgehen — niemalS mehr sollen andere Völker durch Deutsche leiden!
Dr. Höfer, Kreisarzt, Greiz, Verdienter Arzt des Volkes

Aus dem Rechenschaftsbericht der Ortsleitung Greiz des Deutschen Kulturbundes

Am Sonnabend, dem 5. Mai 1962, führt die Ortsgruppe Greiz des Deutschen Kulturbundes ihre diesjährige Jahreshauptversammlung durch. Um den Mitgliedern bereits vor der Tagung einen Überblick über die in den letzten sieben Monaten geleistete Arbeit zu vermitteln, beschloß die Ortsleitung in ihrer Beratung am 2. April, nachfolgenden Bericht zur Diskussion zu stellen. Diese Einschätzung gründet sich auf den sechs Punkten der Arbeitsentschließung, die in der Jahreshauptversammlung am 13. September 1961 verabschiedet und in der Novembernummer des „Heimatboten“ (Seite 286) veröffentlicht wurde. Da das der Ortsleitung vorliegende Material – insbesondere liegen von den Philatelisten ausführliche Berichte vor — hier nur in gekürzter Form wiedergegeben werden kann, sind weitere Ergänzungen der Aussprache am 5. Mai vorbehalten.

1. Zur Arbeit unserer Stadtverordneten
Dem Bundesfreund Schimmel gelang es zusammen mit den Bundesfreunden Deutschbein und Wehner eine aktiv und vor allem kontinuierlich arbeitende Ständige Kommission für kulturelle Massenarbeit bei der Stadtverordnetenversammlung Greiz zu schaffen. Die Initiative des Bundesfreundes Schimmel ist dabei besonders hervorzuheben. Weiterhin wurde vom Rat der Stadt Greiz die Empfehlung der Jahreshauptversammlung 1961 realisiert, und die Bundesfreundin Künzel wurde als hauptamtliche Sachbearbeiterin für Kultur eingestellt. Nunmehr sind endlich bessere Voraussetzungen für eine gut geleitete und koordinierte Kulturarbeit in unserem Stadtgebiet vorhanden.

2. Zur Arbeit im Leitkulturzentrum Greiz-Neustadt
Drei Mitglieder der Ortsleitung arbeiten im Klubrat beim Aufbau des Kulturzentrums Greiz-Neustadt mit. Von folgenden Gruppen bzw. Zirkeln unserer Ortsgruppe werden regelmäßig monatlich insgesamt acht Veranstaltungen durchgeführt. Es sind dies:
a) Fachgruppe Heimatgeschichte; verantwortlich Bundesfreund Dr. Querfeld
b) Zirkel „Schreibende Arbeiter“; verantwortlich Bundesfreundin Thomas
c) Fachgruppe Aquarianer; verantwortlich Bundesfreund Stange
d) Arbeitsgemeinschaft Philatelie Greiz-Neustadt; verantwortlich Bundesfreund Kleinebrahm
e) Jugendgruppe Philatelie; verantwortlich Bundesfreund Gothe.
Darüberhinaus werden zukünftig unsere Veranstaltungen im Klub „Alexander von Humboldt“ in das Programm des Kulturzentrums aufgenommen. Bei diesem Anfang darf es aber nicht bleiben. In den nächsten Monaten kommt es wesentlich darauf an, daß die Tätigkeit unserer Fachgruppen und Zirkel noch mehr als bisher in die Wohnbezirke der Neustadt ausstrahlen und dadurch neue Interessenten und Mitglieder für unsere Organisation gewonnen werden können. Die neue Ortsleitung muß dafür Sorge tragen, daß die Umfrage innerhalb der Bevölkerung baldigst ausgewertet und die bisher noch abseits stehenden Bundesfreunde aktiv im neuen Kulturzentrum mitarbeiten.

3. Zur Mitgliederbewegung
Im I. Quartal 1962 konnten 21 neue Mitglieder geworben werden. Diesen Zugängen stehen zwei Abgänge gegenüber. Durch Bereinigung der Mitgliederkartei schieden bei den Philatelisten 18 Mitglieder aus. Diese Bereinigung war notwendig und trug zur Stärkung der Arbeitsgemeinschaften bei. Besonders ist die unermüdliche Einsatzbereitschaft von Bundesfreund Stange hervorzuheben, dem es innerhalb weniger Wochen gelang, elf neue Bundesfreunde zu werben und zugleich eine arbeitsfähige Fachgruppe Aquarianer aufzubauen. Bei den Neuzugängen wurde in den meisten Fällen erreicht, daß nicht nur DM 0,50 als Mindestbeitrag gezahlt werden. In diesem Zusammenhang sei ein Dankeswort unserem Kassierer, dem Bundesfreund Wahl gewidmet, der vor wenigen Wochen sein zehnjähriges Jubiläum als Mitarbeiter unserer Organisation beging. Ihm ist es vor allem zu danken, daß die Beiträge unserer Ortsgruppe fristgemäß und hundertprozentig eingezogen werden konnten. Auch für die neue Ortsleitung bleibt die Aufgabe bestehen, systematisch die Anzahl der Mitglieder und den Beitragsdurchschnittssatz zu erhöhen.

4. Zur Arbeit der Briefmarkenfreunde
Von den beiden Arbeitsgemeinschaften Philatelie ist festzustellen, daß beide nach der 1960 erfolgten Teilung in die AG Greiz-Altstadt und die AG Greiz-Neustadt eine gute Entwicklung genommen haben. Insbesondere trifft dies für die AG Greiz-Altstadt unter der Leitung von Bundesfreund Deutschbein zu, der ungeachtet seiner körperlichen Behinderung einer der aktivsten Mitarbeiter unserer Ortsgruppe ist. Unsere verantwortlichen Bundesfreunde verstehen es immer besser, die Beschäftigung mit der Briefmarke zu einer wirklich kulturpolitischen Tätigkeit zu entwickeln. Die Zusammenkünfte werden vielseitig und interessant durchgeführt und deshalb auch von den Mitgliedern gern besucht. Beide Arbeitsgemeinschaften leisteten eine hervorragende Arbeit im Produktionsaufgebot für Philatelisten. Durch die Sammlung und Spende von Marken für die Steckenpferdbewegung gelang es ihnen, unserem Außenhandel zu helfen. Unter den 52 Arbeitsgemeinschaften, die in unserem Bezirk im Wettbewerb stehen, nimmt die AG Greiz-Altstadt den fünften und die AG Greiz-Neustadt den zehnten Platz ein.
Die Wissenschaft, die Künste, die humanistische Bildung genießen in der Deutschen Demokratischen Republik die Fürsorge der ganzen Gesellschaft und des Staates. Sie erfreuen sich höchster Achtung. Zahlreiche Wissenschaftler und Künstler arbeiten bereits auf das engste mit den Werktätigen in den Betrieben zusammen. Es entsteht ein neues, sozialistisches Verhältnis der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Bürgern der verschiedenen Schichten der Gesellschaft.
(Aus dem Nationalen Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“, Seite 31)

5. Zur Arbeit der Natur- und Heimatfreunde
Das monatelange Fehlen einer arbeitsfähigen Kreiskommission für die Natur- und Heimatfreunde hat sich auf die Arbeit der einzelnen Fachgruppen nicht positiv ausgewirkt. Hervorzuheben ist jedoch die kontinuierliche Arbeit der Fachgruppe Heimatgeschichte unter der Leitung von Bundesfreund Dr. Querfeld. Wie bereits erwähnt, wurde Ende November eine Fachgruppe Aquarianer — es gab bereits vor Jahren einmal eine Sektion — gegründet. Sie führt unter der Leitung des Bundesfreundes Stange im Bereich des Kulturzentrums Greiz-Neustadt eine gute und kontinuierliche Arbeit durch. Keine Fortschritte wurden bei der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Fotografie erzielt. Dem Bundesfreund Forner gelang es nicht, die guten Ansätze, die sich anläßlich der vorjährigen Fotoausstellung ergeben hatten, weiterzuentwickeln. Bundesfreund Dr.Martin hat sich bereiterklärt, am Entwurf einer Broschüre über die Natur-, Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Greiz führend mitzuarbeiten.

6. Zum Volkskunstwettbewerb 1961/62
Bei der Durchführung des Volkskunstwettbewerbes 1961/62 sind in allen Sektoren Mitglieder unserer Ortsgruppe anleitend und führend tätig. Die bisherigen Ausscheide und insbesondere die Kreisausstellung für Bildnerisches Volksschaffen zeigen, daß wir auf dem Bitterfelder Weg im Stadtgebiet einen bedeutenden Schritt nach vorn gekommen sind. Die neue Ortsleitung muß den großen Aufschwung, den die künstlerische Selbstbetätigung in diesen Wochen genommen hat, nutzen. Es müssen deshalb mehr als bisher die Leistungen unserer Laienschaffenden herausgestellt und durch Aussprachen angeregt und gefördert werden.

Zur Veranstaltungstätigkeit
Die in der Jahreshauptversammlung aufgestellte Forderung: „Weniger, aber dafür sehr gute Veranstaltungen!“ hat sich in der Durchführung als richtig erwiesen. Dies zeigte sich insbesondere in der kulturgeschichtlichen Vortragsreihe, die im Januar mit einem Vortrag von Dr. Richter, Stendal, begonnen wurde. Auch der Vortrag von Professor Dr. G. Meier, Berlins und der Ausspracheabend mit Bundesfreund Oschatz von der Pirckheimer-Gesellschaft waren gut besucht und fanden regen Anklang. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Initiative von Bundesfreund Dr. Weiß hingewiesen, dem es durch die Organisierung der Ausstellung „Buch und Kitsch“ gelang, wertvolle Anregungen zu einer fruchtbaren Aussprache zu geben. Die allmonatlich durchgeführten Farblichtbildervorträge waren zumeist gut besucht, jedoch ließ zum Teil ihr Niveau etwas zu wünschen übrig. Auf die Veranstaltungen der Universitätswoche und die zahlreichen literarischen und musikalischen Veranstaltungen kann hier nicht näher eingegangen werden. Der Besuch der Vorträge und Aussprachen verbesserte sich in der Berichtszeit wesentlich, jedoch befriedigte er noch nicht vollauf.
Bei der kommenden Arbeit gilt es:
a) wesentlich schneller als bisher auf bestimmte politische und kulturelle Ereignisse zu reagieren und wichtige Probleme der Literatur, des Theaters, der Musik und des Films unter unseren Mitgliedern zur Diskussion zu stellen und
b) in Zusammenarbeit mit der Kreis- und Bezirksleitung mehr auf die Qualität der großen Farblichtbildervorträge zu achten.

Zur Leitungstätigkeit
Die am 13. September 1961 gewählte Ortsleitung führte monatlich mindestens eine Arbeitsberatung durch. Im Anschluß daran nahmen dann zumeist noch mehrere Mitglieder der Ortsleitung am Philosophischen Gespräch mit Bundesfreund Georg Zanke teil. Der Bundesfreundin Annemarie Höhn war es begründet nicht möglich, an den Leitungssitzungen teilzunehmen, und es wurde deshalb ihrer Bitte um Entbindung von ihrer Funktion als Leitungsmitglied entsprochen. Desgleichen konnten die Bundesfreunde Trinks, Forner und Dr. Martin in letzter Zeit infolge längerer Krankheit bzw. Ortsabwesenheit nicht an den Beratungen teilnehmen. Der Bundesfreund Raue schied durch Wohnungswechsel aus. Um eine gute Verbindung zu den örtlichen Organen zu gewährleisten, wurde die Bundesfreundin Künzel in die Ortsleitung kooptiert. Die Verbindungen zur Ständigen Kommission für kulturelle Massenarbeit bei der Stadtverordnetenversammlung Greiz sind gut, das gleiche gilt auch für die Kontakte zur Kreisleitung und zum Kreissekretariat. Die Revisionskommission der Ortsgruppe führte im Berichtszeitraum zwei Beratungen durch. Wenn es auch in den vergangenen Monaten gelang, gute Ansätze für eine kollektive Arbeit zu schaffen und neue, vor allem jüngere Bundesfreunde zur aktiven Mitarbeit heranzuziehen, so reicht dies doch für die vor uns stehenden Aufgaben noch nicht aus. Die neue Leitung wird ihrer Aufgabe nur dann gerecht werden, wenn sie der Heranbildung neuer aktiver Mitarbeiter besonderes Augenmerk schenkt.
Wenn wir auch auf mehreren Gebieten unserer kulturpolitischen Arbeit einen Schritt nach vorn gekommen sind, so haben wir doch keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Noch ist die Zahl der etwas abseits stehenden Bundesfreunde nicht unbeträchtlich, sie gilt es enger an unsere Organisation zu binden und zu einer regen Mitarbeit zu gewinnen. Das vor wenigen Wochen durch den Nationalrat verabschiedete Nationale Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der DDR und die Zukunft Deutschlands“ erfordert auch von allen Mitgliedern unserer Organisation, mit den vielfältigsten Mitteln unserer kulturellen Arbeit zur Bewußtseinsbildung unserer Bürger beizutragen.

Tag des freien Buches — einmal anders gewürdigt
Auch Literatur formt den sozialistischen Menschen
Freundschaftsvertrag zwischen der Volksbuchhandlung Greiz und der Klasse 9b der Lessing-Oberschule Greiz abgeschlossen

Freundschaftsverträge zwischen Werktätigen und Schülern sind nichts Neues mehr, denn „Die Verbindung von Schule und Leben hat unter anderem das Ziel, den jungen Menschen die Liebe zur Arbeit, das Streben nach Wissen und Können und die Grundlagen für ein sozialistisches Verhalten anzuerziehen“, wie es auf dem 14. Plenum des Zentralkomitees der SED formuliert wurde. Daß aber die Brigade der Volksbuchhandlung gerade in diesem Monat einen Freundschaftsvertrag mit der Klasse 9b der Lessing-Oberschule — Leiterin Frau I. Hauschild — abschließt, hat seinen besonderen Grund. Dazu und über die Ziele des Freundschaftsvertrages sagte der Leiter der Volksbuchhandlung, Genosse Arno Herzog: „Der Monat Mai beginnt, reich an Gedenktagen — Kampftag der Werktätigen, Tag der Befreiung und Tag des freien Buches —, und sie lassen besonders uns Ältere zurückschauen. Um viele Jahrzehnte eines glücklichen Lebens wurde das deutsche Volk von seinen herrschenden Klassen und ihren Helfershelfern betrogen. Wenn eine Nation wie die unsere zweimal innerhalb kurzer Zeit in so furchtbare Katastrophen gestürzt wurde, dann ist es ihre unabdingbare Pflicht und Schuldigkeit, die Vergangenheit sorgfältig zu prüfen, schonungslos nationale Selbstkritik zu halten, um so die Vergangenheit zu bewältigen und die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Nur so kann unsere ganze Nation mit der Vergangenheit brechen, die ihr Katastrophe auf Katastrophe beschieden hat, und sich einen neuen Weg, einen Weg zum Glück des ganzen Volkes bahnen“, wie es ganz klar im Nationalen Dokument, auf das wir auch in der Patenarbeit immer wieder zurückgreifen werden, heißt. „Konkrete Kenntnisse und Erkenntnisse über die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Staat und den Kampf der Werktätigen um Frieden und Sozialismus müssen wir — nicht nur die Lehrer — unseren Kindern vermitteln. Die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Brigade, auf der Grundlage des Freundschaftsvertrages, soll helfen, die jungen Menschen zu allseitig gebildeten Bürgern unseres Staates zu erziehen. Unsere Brigade wird dabei wesentlich von ihrer beruflichen Tätigkeit ausgehen.“ So wird einmal im Quartal innerhalb der FDJ-Veranstaltungen eine Buchbesprechung oder andere literarische Veranstaltung durchgeführt. Die erste dieser Art findet anläßlich des Tages des freien Buches statt. „Wir werden von den Bücherverbrennungen sprechen, die stattfanden, als eine Politik der imperialistischen Aggression Deutschland in sein Unglück führte“, sagte Arno Herzog. „Im Gegensatz zu Westdeutschland, wo sich die führenden Positionen des Staates, der Wirtschaft und der Kultur im Monopolbesitz einer verhältnismäßig kleinen Schicht der privilegierten Klassen befinden, steht in der Deutschen Demokratischen Republik die Leitung des Staates, der Wirtschaft, der Bildungsstätten und der Kulturinstitute allen begabten und fleißigen Menschen des Volkes — ungeachtet ihrer sozialen Herkunft — offen.
Die Wissenschaft, die Künste, die humanistische Bildung genießen in der Deutschen Demokratischen Republik die Fürsorge der ganzen Gesellschaft und des Staates. Wir werden aber auch davon sprechen, welchen schweren Kampf zum Beispiel die westdeutschen Frauen und Jugendlichen noch führen müssen, um in der Bundesrepublik auch nur einen Teil der Rechte und Möglichkeiten zu erreichen, die bei uns schon lange selbstverständlich sind. Und davon, daß die verantwortungsvolle Zusammenarbeit aller Bürger in der Nationalen Front notwendig ist, um den geschichtlichen Auftrag der DDR zu erfüllen: den Frieden zu erhalten, die Geschicke der Nation zum Guten zu wenden und das ganze Deutschland zu neuer Blüte zu führen.“

Nicht nur mit Büchern, auch mit der Arbeit vertraut machen
Die Mitarbeiter der Volksbuchhandlung verpflichten sich u. a., die Schüler über wichtige Neuerscheinungen, besonders das „Buch der Jugend“ zu informieren. Der Patenklasse wird eine Vitrine zur Verfügung gestellt, damit die jungen Freunde eine sich selbst im Vertrag gestellte Aufgabe erfüllen können: Eine wirkungsvolle Sichtwerbung mit literarischen Neuerscheinungen, um Schüler und Lehrer (auch pädagogische Fachbücher werden dabei sein) zu informieren. Weiter wird der FDJ-Gruppe der Klasse gestattet, auf der Grundlage eines Vertriebsmitarbeitervertrages (10% Rabatt) Bücher an Schüler und Lehrer zu verkaufen. Die Jugendlichen wollen monatlich zehn Reihenbände kaufen, was bei diesem oder jenem gewiß der Anfang eines eigenen Buchbestandes ist und Anlaß zu sinnvoller Freizeitgestaltung bildenden Charakters.
Um einen Einblick in das Aufgabengebiet der Mitarbeiter der Volksbuchhandlung zu erhalten, sind dort regelmäßige Besuche der Schüler vorgesehen. Die Brigade ihrerseits wird sich laufend über die Lernergebnisse der Patenklasse informieren. Ein Mitarbeiter wird sich dem Klassen-Elternaktiv anschließen, um zu den Eltern Verbindung zu haben.
Auch dieser Freundschaftsvertrag ist ein Beispiel dafür, daß „ein neues sozialistisches Verhältnis der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Bürgern der verschiedenen Schichten der Gesellschaft“ entsteht, wie es im Nationalen Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der DDR und die Zukunft Deutschlands“ heißt. Ein solch enges Verhältnis wird für die Schüler der Patenklasse mit dem Tag des freien Buches 1962 wirksam. Sie schauen nicht nur hinter die Bücher, sondern auch in viele hinein, tiefer als mancher andere, der die freundschaftliche Anleitung dazu entbehren muß. Als Freunde humanistischer Literatur werden sie vielleicht später einmal Maxim Gorki zitieren: „Alles Bessere verdanke ich den Büchern. Liebt das Buch, die Quelle des Wissens.“
Anita Waldmann


Im Juni-Heft des „Heimatboten“ lesen Sie u. a.
Zur Geschichte der Obergreizer Orangerie (Fortsetzung)
Wider eine alte Trägheit
Wie sieht der neue Theater-Spielplan aus?
Zur Schulgeschichte von Greiz-Schönfeld

Dr. FRANZ HAUSCHILD
Besonderer Schutz für Greizer Kulturdenkmale

Da hat kürzlich der Rat des Bezirkes Gera, Abteilung Kultur, eine Liste von Kulturdenkmalen von ganz besonderer Bedeutung herausgegeben und damit 34 Objekte in zehn Kreisen des Bezirkes unter besonderen Schutz gestellt. Das kommt nicht von ungefähr. Ist es doch eine der wichtigsten Aufgaben, solche wertvollen Kulturdenkmale aus Vergangenheit oder Gegenwart zu erhalten, zu pflegen und der Bevölkerung zu erschließen. Im Zusammenhang mit den Erfordernissen der sozialistischen Gesellschaft entspricht das dem Wesen des Arbeiter-und-Bauern-Staates, wie eine Verordnung über die Pflege und Schutz der Denkmale vom 28. September 1961 im Gesetzblatt der DDR (Nr. 7/61) klar ausspricht.
Die Bezirksliste ist aufgrund dieser bedeutsamen Verordnung der Regierung aufgestellt worden und dient vor allem dazu, jegliche unverantwortlichen Maßnahmen von sinnwidrigen Veränderungen mit Einfluß auf den kulturhistorischen Wert oder die baulich- künstlerische Substanz dieser Kulturdenkmale zu verhindern, ebenso deren mißbräuchliche Benutzung zu Zwecken, die ihrem Anlagesinn widersprechen und ihn schädigen können. Alle solche Absichten sind danach nur mit besonderer Zustimmung der Abteilung Kultur des Bezirkes und des Instituts für Denkmalspflege in Halle/S. möglich. Außerdem sind die für Denkmalspflege in den Kreisen bzw. Städten zur Verfügung stehenden staatlichen Mittel oder bereitgestellten Kapazitäten in erster Linie auf diese besonders wertvollen, bezirksgeschützen Kulturdenkmale zu konzentrieren. Ebenso ist mit Hilfe von Publikationen für Mitarbeit der Bevölkerung zu ihrer Erhaltung und Pflege zu werben, wobei eine enge Zusammenarbeit mit den Natur- und Heimatfreunden im Deutschen Kulturbund und deren Erfahrungen zu sichern ist.
Wie sieht es damit in Greiz und seinem Kreis aus? Uns freut, feststellen zu können, daß hier allein vier wertvolle Kulturdenkmale in die neue Bezirksliste aufgenommen wurden. Es sind dies in Greiz selbst der herrliche Lenin-Park mit seinen Anlagen und dem Sommerpalais, ein Gartenkunstwerk von einmaliger, weit über Mitteldeutschland hinausgehender Bedeutung und kein bloßer „Park“ (wie mancher immer noch zu glauben scheint). Ebenso das Obere Schloß mit den Schloßberganlagen, bekanntlich das Wahrzeichen von Greiz und sein ältestes Kulturdenkmal überhaupt, sowie das aus dem 15. Jahrhundert stammende, vielumstrittene alte Wasserschloß Dölau. Im Kreisgebiet gesellt sich in Berga/E. noch die Gedenkstätte Zweiglager des KZ- Buchenwald hinzu; sie soll als politisches Mahnmal auch künftige Geschlechter an die unmenschliche Barbarei des Faschismus erinnern, deshalb ebenfalls von kultureller Bedeutung ist und mit ihren Anlagen unter besonderen Schutz gestellt.
Unnötig, hier von den hohen Werten dieser vier, in die Bezirksliste aufgenommenen Kulturdenkmale zu sprechen. Das ist bekannt genug. Der vom Kulturbund bereits in zweiter Auflage herausgegebene Parkführer oder das Wanderheft Greiz des Bibliographischen Instituts würdigen sie genügend. Totzdem dürfte es eine schöne, lohnenswerte Aufgabe im Sinne dieser Bestrebungen und Forderungen sein, für die Arbeiterfestspiele 1964 im Bezirk Gera gemeinsam von Kulturbund, FDGB, den Abteilungen Kultur der Räte des Kreises und der Stadt Greiz (sowie deren Ständigen Kommissionen Kultur) einmal eine grundlegende, zusammenfassende Veröffentlichung aller Kulturdenkmale des Kreises in würdiger, anschaulicher Form, mit guten Bildern, Fotos und Texten herauszubringen. Das würde wesentlich dazu beitragen, die Bevölkerung über Bedeutung und Notwendigkeit der pfleglichen Erhaltung dieser Objekte aufzuklären und den noch immer anzutreffenden, falschen Auffassungen über sie entgegenzuwirken!

Denn wenn wir hören, daß allein für die Erhaltung und Pflege unseres Lenin-Parks jährlich über 60 000 DM an Mitteln zur Verfügung stehen (während es vor 1944 kaum 25 000 DM waren), dann erhellt daraus, welche Werte es hier im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten gilt. Gartenmeister Willi Zeiß, der nun schon seit 36 Jahren für dieses großartige Gartenkunstwerk unermüdlich tätig ist, bemüht sich mit seinem Mitarbeiter- Kollektiv Jahr um Jahr mit viel Erfolg um die Erhaltung und laufende Erneuerung der Anlagen. Er weiß aber auch, daß z. B. im Laufe der kommenden Jahre einige der ältesten Anlageteile, etwa die von Sturmschäden stark mitgenommene Lindenallee mit ihrem überalterten Baumbestand planmäßig und künstlerisch verantwortungsvoll im Sinne der Parkschöpfer von einst regeneriert werden müssen. Andernfalls würden unsere Nachkommen hier einmal einen Landschaftsgarten vorfinden, der seiner ursprünglichen Anlage entwachsen und entfremdet wäre — und das dürfte kaum zu verantworten sein!


Es ist eine große Leistung unseres Volkes und unseres sozialistischen Staates, daß trotz schwieriger Bedingungen und obwohl der Aufbau des Sozialismus noch nicht vollendet ist, die Deutsche Demokratische Republik heute in bezug auf wirtschaftliche Kraft, Lebenserhaltung, Kultur und demokratische Entwicklung zu den führenden Ländern Europas gehört. Auf diese große Leistung können alle Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik stolz sein. So groß ist die Kraft des Volkes, wenn es den Grundwiderspruch zwischen Volk und Imperialismus überwindet und sein Leben im Sozialismus selbst gestaltet!
(Aus dem Nationalen Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“, Seite 32)


Ebenso ergab sich, daß der überentwickelte Baumbestand der Schloßberghänge, der den Blick auf die architektonischen Schönheiten der alten Bauanlage vom Tal her teilweise verdeckt, eine notwendige Auflichtung durch sinngemäße Abholzung und Verjüngung erfahren muß, wie die jetzt weitergeführten Arbeiten hier zeigen. Sie werden in Übereinstimmung mit den genannten Stellen durchgeführt. Ohne diese dürfte es nicht möglich sein, den Lenin-Park etwa (wie man einmal vorhatte!!) als eine Art „Volksbelustigungsstätte“ zu mißbrauchen, hier die Anlagen schädigende oder verunstaltende Vorführungen veranstalten zu wollen, wie das vielleicht durch laufende „Parkfestspiele (?) im Sommer nächsten Jahres vorgesehen ist, aber dem Sinn und der gartenkünstlerischen Anlage des Lenin-Parks vollkommen widerspricht (zu was wurde eigentlich vor Jahren die akustisch so günstige, für solche Spiele besser geeignete Schloßhofbühne eingerichtet??).
Und unser altes Dölauer Wasserschloß? In diesen Blättern wurde schon mehrfach über seinen Zustand, über die Notwendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten seiner Erhaltung und seines Schutzes vor weiterem Verfall durch Baumaßnahmen diskutiert. Wie wir von der Abteilung Kultur des Rates des Bezirkes hören, ist nun, nachdem dieses innerhalb unseres Bezirkes einmalige Baudenkmal in die Bezirksliste eingereiht wurde, vorgesehen, notwendige Sicherungsarbeiten am Dach zur Erhaltung der Anlage durchzuführen, wozu Mittel bereitstehen. Die Ingenieurschule für Bauwesen hat ihre Mithilfe im NAW zugesagt, um damit einem weiteren Verfall der wertvollen Ruine entgegenzuwirken. Spätere Pläne sehen vor, das Bauwerk einmal so zu sichern und wiederherzustellen, daß es nicht nur sehens- und besuchenswert wird, sondern sogar einem nützlichen kulturellen Zweck im Wohnbezirk zugeführt werden kann.
Bei allen diesen Objekten kann und soll entsprechend dem Sinn dieser neuen Bezirksliste die Bevölkerung durch ihr Verständnis für die Erhaltung solcher Kulturwerte beitragen. Ausdrücklich wird in der Verordnung festgestellt, daß sie mit in den Kreis der Objekte für die NAW-Einsätze aufzunehmen sind und eine Verpflichtung der für sie zuständigen Stellen der Städte oder Kreise bleibt, für ihre bestmögliche Erhaltung und Unterhaltung zu sorgen. Hoffen wir, daß dieser Appell auch bei uns die richtige Resonanz findet — es lohnt sich!

Prof. Dr. Dr. ALBERT KUKOWKA
Über eine seltsame Bekehrungsmethode der Lebensreformer im vergangenen Jahrhundert

Welch eigenartige und plumpe Wege „Lebensreformer“ noch vor etwa 80 Jahren wählten, um ihre Mitmenschen vor den Schäden einer ungesunden Lebensweise zu bewahren, davon zeugt die nachstehende Abbildung. Das Original befindet sich in der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung in Greiz).
Es handelt sich um ein Urkundenblatt, das anonym Leuten übersandt wurde, die wegen ihres üppigen Lebenswandels an Gicht, speziell an Podagra litten. In bissig-trivialer Weise werden die Folgen des ungesunden Lebenswandels, des übermäßigen Fleisch- und Weingenusses angeprangert, und den Sündern wird die Aufnahme in die „Podagra-Loge“ avisiert.

Greizer Heimatbote Mai 1962
Die Urkunde wurde als Lithographie 1882 in München in der Kunstanstalt Bergmann u.Roller hergestellt.

Die Urkunde wurde als Lithographie 1882 in München in der Kunstanstalt Bergmann u.Roller hergestellt. Größe: 52,5 zu 67,6 cm. Sie ist reich ornamentiert und mit vegetabilischen Ranken, manierierten Schnörkeln von Hobelspanform sowie kleinen Abbildungen verziert, auf denen das Leben und Treiben der Lüstlinge satirisch gebrandmarkt und verspottet wird.
Die Photokopie verdanke ich dem Entgegenkommen des Direktors der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung in Greiz (Thüringen), Herrn Dr. phil. W. Becker

Der Text, der in schwulstig-pathetischer Urkundensprache abgefaßt ist, lautet:
„Wir aus gerechter Verhängniß Großmeister, Comthure und Ritter der weltberühmten Regentin Podagrae rechtmäßigen Beherrscherin der durch unmäßigen Zorn, allzu hitziger Liebe, überflüssigen Wein und nicht zu mäßigem Essen geschwächten Körpern etc. entbieten Gruß und Segen unserm ehrwürdigen standhaften Mitbruder Herrn … Sintemalen und alldieweilen eure ängstlichen Schritte, eure gräuligen Mienen und euer halbgebrochenes Aechzen schon lange den Kampf eurer Seele bekundeten, so haben Wir doch auch mit besonderm Wohlgefallen wahrgenommen, wie ihr stets mit beharrlichem Muthe das Geheimnis eures Zustandes sinnreich abzulehnen besorgt waret. — Freuet Euch! die Zeit eurer Prüfung ist zurückgelegt, und ihr habt nicht mehr Ursache euch zu verleugnen, und den Profanen die Symptome unseres Ordens unter allerlei fingirtem Vorwande, als: spanischen Krampfes, Leichdornes, Rothlaufes, Gallflusses, Reissens, mißlungenen Stutzens der Nägel und Einreißens in deren Wurzeln, nicht minder der Hühneraugen, Verstauchung oder Verrenkung, Geschwulst, erfrornen Ballen und Zehen, enger Schuhe und Stiefel, Rheumatismus und anderer erdichteter Krankheiten etc. ferners zu verheimlichen.
Als würdiger Mitbruder tretet ihr heute in Unsere Mitte, und Wir verleihen Euch, hiemit alle Freyheiten und Insignien unseres uralten unauflösbaren podagrischen Ordens,
Hienach möget ihr hinfür ungescheut euren Körper mit niedlichen Speisen pflegen, eure Kehle mit dem wunderbaren Getränke der destillirten Ameisen, dem Ternest Elixier, und mit Kamanderlein Thee laben.
Der allbekannte Wachs oder Gesundheits-Taffet soll eure morschen Gebeine umhüllen, unbestritten soll Euch das Recht zustehen, auf eurem Wege die breiten Steine des Pflasters herauszusuchen, Filz- und Pelzstiefel, aufgeschnittene Schuhe und Tappen sollen die Bewegungen eurer Füße erleuchtern und ihnen die nöthige Wärme verleihen. Auch der Krücken, Tragsessel, Sänften, Polster, des mit Salz und wohlriechendem Wasser vermengten frischen s. v. Kuhdreckes, bei eintretendem Neumonde des Knohlauche, des Schröpfens mit besonderen Ceremonien, Eichel-Caffees und anderer Medicamente sollt ihr euch ohne Scham bedienen dürfen. In festlichen Zeiten sey euch sogar das Vergnügen erlaubt eurem Schmerze durch Fluchen, Hadern. Winseln und durch verzweifelte Reden Luft zu machen, nebstbei mit den Zähnen zu knirschen, wie wilde Thiere zu brüllen, ja selbst Alles, was euch unter die Hände kommt, eurem Weibe, Kindern oder sonstiger Umgebung an den Kopf zu werfen.“
Man kann nicht behaupten, daß der sarkastische Inhalt der Urkunde besonders geistreich ist oder von spritzigem Witz zeugt. Es ist die schwerfällige Sprache von Spießbürgern. Ob man den Sünder mit derartigen Traktaten tatsächlich auf die richtige Bahn brachte? Vielleicht waren die anonymen Absender der Urkunden sogar noch stolz duf ihre Heldentat, und wahrscheinlich haben sie neugierig und voller Schadenfreude gewartet und beobachtet, ob und wie ihre „Opfer“ reagierten, ob sie mit zerknirschter Miene ihren Lüsten und Genüssen entsagten und ob sie ihr Stammlokal mieden. Heuchlerisches Kleinstadtmilieu, Banausentum, Symbol und Symptom vergangener Zeiten, ohne Esprit, banal und langweilig. Gottlob haben sich die Zeiten gewandelt. Heute haben wir für derartige Reformbestrebungen höchstens ein mitleidiges Lächeln übrig. Heute erfolgt die Aufklärung der Bevölkerung über eine gesunde Lebensführung nicht mehr durch schamhaft sich hinter der Anonymität verbergende, unqualifizierte Gesundheitsapostel, sondern öffentlich in Wort und Schrift, im Rundfunk und Fernsehen durch erprobte Fachleute.

Dr. WERNER BECKER.
Chinesische Scherenschnitte im Sommerpalais

Nachdem wir bereits vor zwei Jahren mit der Ausstellung „Chinesische Tuschmalerei“ Weltspitzenleistungen ostasiatischer Kunst zeigen konnten — die damalige Ausstellung wurde außer in Berlin nur noch in Greiz, Rudolstadt und Köln gezeigt — so können wir nun in diesem Jahre „Chinesische Scherenschnitte“ in der Kupferstichsammlung bewundern. Es handelt sich erneut um eine Ausstellung von internationalem Rang, die an sich als Wanderausstellung für die Hauptstädte der sozialistischen und volksdemokratischen Länder geplant war. Es gelang aber unsere chinesischen Freunde zu bewegen, sie noch einige Monate länger in der DDR zu belassen.
Von den ersten zweihundert Besuchern vermochte sich bisher noch kein einziger dem Reiz dieser kleinen Meisterwerke chinesisCher Volkskunst zu entziehen. Diese leuchtenden Kostbarkeiten sind für die frühklassizistischen Räume des Greizer Sommerpalais wie geschaffen, und die Mitarbeiter der Kupferstichsammlung werden sie nach dem 15. Mai nur ungern wieder in die Kisten verpacken.
Die Technik des Scherenschnittes gehört mit zu den ältesten Betätigungsmöglichkeiten des künstlerischen Laienschaffens. Sachverständige nehmen an, daß sie in China bereits vor 2000 Jahren gepflegt wurde; die ältesten erhaltenen Exemplare sind etwa 1000 Jahre alt. Sie sollen Freude bringen, die kleinen zarten Gebilde, und so zieren sie seit Jahrhunderten die Laternen und Fenster und sie schmücken auch vor allem die sehr beliebten Neujahrsgeschenke. Es gehören sehr geschickte und behutsame Hände dazu, um aus weißem, schwarzem oder farbigem Papier — das oft in mehreren Lagen übereinander liegt — mit Schere oder Messer die kleinen Formen zu schneiden. AußerordentliCh reich ist die Variationsbreite der Motive: Ornamente, Blumen, Pflanzen, Tiere, aber auch alte Legenden und nicht zuletzt der kraftvolle Aufbau des volksdemokratischen China werden sinnvoll vergegenwärtigt. Sehr deutlich lassen sich die einzelnen Provinzen, die jeweils einen eigenen stilistischen Ausdruck aufweisen, unterscheiden. Jedoch ist ihnen trotz aller Vielfalt die große Liebe zur kleinen Form und das unnachahmliche Können gemeinsam. Parallel zu dieser Ausstellung in der Kupferstichsammlung läuft im Gartensaal die Kreisausstellung für Bildnerisches Volksschaffen, die in diesem Jahre erstmalig die ganze Breite unseres bildnerischen Laienschaffens aufzeigt. Es werden sich deshalb den Besuchern des Sommerpalais interessante Gegenüberstellungen aufdrängen. Möge das hohe Können, die Freude und der Optimismus unserer chinesischen Freunde auch unseren Laienschaffenden weitere Impulse für ihre schöpferische Arbeit vermitteln.

Reicher Beifall für Professor Dr. Neef
Im vierten Vortrag der IX. Greizer Universitätswoche sprach Prof. Dr. Neef, Direktor des Geographischen Instituts der Technischen Universität Dresden, über „Brasilianische Landschaften“. Im wesentlichen handelte es sich um den Nordosten und das Gebiet um Sao Paulo. Eigene Farbaufnahmen des Referenten ließen die Schönheit dieses zukunftsreichen Landes erkennen. Prof. Neef verstand es aber auch in seiner ausgezeichneten, fesselnden Darstellung, seine Hörer in einige Hauptprobleme der sozial-ökonomischen Struktur des Landes einzuführen. Er wies auch darauf hin, daß die Volkskunst wesentlich bestimmt ist vom Fühlen und Denken der erst 1888 freigewordenen Negersklaven, die einen wichtigen Bestandteii des brasilianischen Volkes, in dem man keine Rassenvorurteile kennt, darstellen. Anschaulich wurde gezeigt, wie die natürliche Waldlandschaft, wenn sie im Auftrag der Großgrundbesitzer und Konzernherren einmal gerodet ist, nur einige Jahrzehnte in richtigem Maße Kulturpflanzen — wie Zuckerrohr und Kaffee — tragen kann, wie dann aber eine steppenhafte Raublandschaft übrigbleibt, die kaum einige Erträge bringt. Die Folge ist eine Abwanderung der Menschen in die südlichen, aufstrebenden Industriegebiete, in denen nun die sozialen Unterschiede immer stärker sichtbar werden. Neben modernsten Hochbauten zeigten Bilder auf Sümpfen stehende Elendsquartiere der Zugewanderten.
Der reiche Beifall bewies, daß es Prof. Neef mit seiner wirklich populärwissenschaftlichen Darstellung gelungen war, die Herzen der zahlreichen Hörer zu gewinnen.
Theo Ficker

Auszeichnungen für verdiente Bundesfreunde

Greizer Heimatbote Mai 1962
Bundesfreund Curt Zimmermann
Bundesfreund Curt Zimmermann ist seit mehr als einem Jahrzehnt eines der aktivsten Mitglieder unserer Organisation. Er gehört zu den Gründern des Klubs der Intelligenz, in dessen Vorstand er seit 1953 maßgeblich mitarbeitet. Er ist Ehrenmitglied des Klubs und wurde 1959 als einer der insgesamt fünf Vertreter unseres Kreisverbandes in die Bezirksleitung Gera des Deutschen Kulturbundes gewählt. Mit viel Umsicht und Initiative steht er, dessen Herz und Sinn jung geblieben sind, mitten im gesellschaftlichen Leben. Ob im Kulturbund oder als langjähriger Vorsitzender des Kreisfriedensrates — stets wirkte er als ein Humanist der Tat im Sinne unserer im Werden begriffenen wahrhaft menschlichen Gesellschaftsordnung des Sozialismus. Als verdienter, langjähriger technischer Direktor des VEB Textilveredlungswerke Greiz hat er bis 1955 durch sein umfassendes Fachwissen und viele Verbesserungs-Vorschläge dazu beigetragen, unseren jungen Staat ökonomisch zu stärken.
Die deutschen Imperialisten haben ihm 1943 an einem Tag beide Söhne entrissen. Curt Zimmermann weiß, wo ihre Mörder zu suchen sind, er weiß, wo sie heute wieder in Amt und Würde sitzen und zu einem dritten Völkermorden rüsten. Auch deshalb steht er mit ganzem Herzen in der Nationalen Front gegen jene Verderber unserer Nation.
Anläßlich seines 76. Geburtstages konnte er kürzlich in Würdigung seiner großen Verdienste die Ehrenurkunde der Kreisleitung Greiz des Deutschen Kulturbundes in Empfang nehmen. Bei der Verschmelzung des Kreisfriedensrates mit dem Kreisausschuß der Nationalen Front erhielt er gemeinsam mit Walter Kopp die Ehrennadel der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands. Künftig wird er sich als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe besonders der Zusammenarbeit mit den christlichen Kreisen unserer Bevölkerung widmen.
Wir gratulieren Bundesfreund Zimmermann zu den ehrenvollen Auszeichnungen und wünschen ihm für seine weitere Arbeit im Dienste unserer großen Sache viel Erfolg und gute Gesundheit.

Greizer Heimatbote Mai 1962
Bundesfreund Konrad Wahl
Bundesfreund Konrad Wahl konnte am 21. April auf eine zehnjährige Mitarbeit im Kulturbund zurückblicken. Seit 1952 gibt er der Ortsleitung, seit 1953 auch dem Vorstand des Klubs durch seine Tätigkeit als Kassierer eine wertvolle Unterstützung. Auch die Mitglieder des Deutschen Kulturbundes schätzen ihn als einen jederzeit freundlichen, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen. Den Lesern des „Heimatboten“ und den vielen Besuchern von Kulturbundveranstaltungen ist er in den vielen Jahren seines Wirkens ebenfalls ein guter Bekannter geworden. Für seine treue, zuverlässige Mitarbeit und seine stets gezeigte Einsatzbereitschaft wurden ihm am 21. April durch den Kreissekretär die Ehrenurkunde der Kreisleitung des Deutschen Kulturbundes und ein Blumenpräsent überreicht.
Unserem Jubilar herzliche Glückwünsche und Dank für seine bisherige und künftige schätzenswerte Mitarbeit.
Werner Fläschendräger

Einige Leserstimmen zum Heimatkalender 1962
Unser „Greizer Heimatkalender“ hat auch in diesem Jahre wieder viele Freunde gefunden. Das beweist die starke Nachfrage, denn innerhalb weniger Tage war der größte Teil der Auflage verkauft, und noch vor Weihnachten waren in den Buchhandlungen und beim Postzeitungsvertrieb alle Exemplare vergriffen. Mehr als eintausend zu spät eingegangene Bestellungen konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden.
Wie sehr der Kalender gefallen hat, beweisen die zahlreichen Leserzuschriften aus dem In- und Ausland. Sein Interesse an unserer Jahreszeitschrift bekundete u. a. Mr. Peter Cowley, Langdon Hilles (Essex- England). Herr Alfred Nättcher aus Leipzig schrieb uns: „Jedes Jahr wünschen wir uns den Heimatkalender“. Begeisterte Zuschriften erhielten wir aus mehreren vogtländischen Städten, aus Orten unseres Kreisgebietes, aus unserer Kreisstadt selbst, aus Nachbarkreisen und von der Universität Marburg. Der Bibliotheksdirektor der Bergakademie Freiberg bedankte sich in herzlichen Worten für den Kalender und schrieb u. a.: „Ich habe mit großem Interesse von dem mannigfachen Inhalt Kenntnis genommen und werde diese schöne heimatkundliche Publikation der Freiberger Kreisleitung des Deutschen Kulturbundes als nachahmenswertes Vorbild für eine ähnliche Freiberger Publikation vorlegen. Durch gute Beispiele aus anderen Kreisen der DDR werden die Freiberger zuständigen Stellen zu bewegen sein, sich zur Herausgabe einer gleichartigen Publikation zu entschließen.“ In einer Rezension des „Sächsischen Tageblattes“ (Karl-Marx-Stadt) lesen wir: „Der alljährlich erscheinende „Greizer Heimatkalender“ hat sich in den letzten Jahren viele Freunde erworben. Auch der soeben herausgekommene Band 1962 wird die Leser nicht enttäuschen, bringt er doch vielseitige Beiträge aus Vergangenheit und Gegenwart; aus Natur und Gesellschaft. Er vermittelt jedem Natur- und Heimatfreund ein vielfältiges Bild des Nordvogtlandes. Ein wichtiger Prüfstein für den Wert oder Unwert von heimatkundlichen Veröffentlichungen ist es, ob sein Inhalt Vergangenes gesellschaftskritisch beleuchtet und unser gegenwärtiges Leben und Streben seiner Bedeutung gemäß berücksichtigt oder ob in sentimentaler Heimattümelei Dinge abgehandelt werden, die weder bilden noch erziehen. Sieht man sich den Kalender unter diesem Gesichtspunkt an, so kann man dem Redaktionskollegium der Kreisleitung Greiz des Deutschen Kulturbundes gern bescheinigen, daß es wieder den richtigen „Griff“ hatte … Mit viel Liebe und Sachkenntnis ist das Kalendarium zusammengestellt. Über 200 heimatkundliche Daten von der ersten urkundlichen Erwähnung von Greiz als Dorf im Jahre 1209 bis 1960, wo der Kreis vollgenossenschaftlich wurde, unterrichten stichwortartig über die Entwicklung des Greizer Raumes.
Der Kalender ist wieder gut ausgestattet und bringt erstmals mehrere Abbildungen auf Kunstdruckpapier. Da Greiz der einzige vogtländische Kreis ist, in dem außer dem monatlichen Kulturspiegel noch ein Jahrbuch erscheint, wird dieser Kalender auch gern in den Nachbarkreisen gelesen. Diesem Umstand trägt das Redaktionskollegium Rechnung, indem es sich in der Auswahl seiner Beiträge nicht streng an das Gebiet des Kreises Greiz hält. Das Jahrbuch wird für viele Heimatfreunde ein willkommenes Weihnachtsgeschenk sein …“
Zu unserem „Heimatboten“ erreichte uns bei Redaktionsschluß eine Leserzuschrift aus Wilkau-Haßlau, in der es u. a. heißt: „Ich möchte den „Heimatboten — Kulturspiegel für den Kreis Greiz“ gern laufend beziehen, weil ich ihn ganz ausgezeichnet finde.“

Deutscher Kulturbund, Ortsgruppe Elsterberg
6. 5. Wanderung ins Naturschutzgebiet am Burgteich und dem Kossberg bei Kürbitz. –
Führung: Bundesfreund R. Klebert, Oelsnitz, und K. Dannhauer, Plauen. Abfahrt: 7.20 Uhr ab Bahnhof
Naturschutzwoche vom 27. 5,— 3. 6.
27. 5. Film-Matinee im Lichtspieltheater. Vörgeführt werden naturkundliche Filme. Beginn: 10.00 Uhr
30. 5. Lichtbildervörtrag von Bundesfreund Herold, Greiz. Thema: „Das Burgsteinland und Hermann Vogel“. Beginn: 20.00 Uhr in der Gaststätte „An der Ruine“
31. 5. Wanderung nach Hohndorf — Wellsdorf — Gablau — Steinermühle. Abmarsch: 7.00 Uhr ab Heimatbrunnen. Führung: Bundesfreund H. Simon
3. 6. Vogelstimmenwanderung mit Bundesfreund Klaus Uhl. Zeit und Ort wird in den Schaukästen bekannt gegeben.

Achtung!
Naturschutzausstellung im Schaufenster von Bundesfreund Willy Börngen beachten.

Die im Monat Mai vorgesehenen NAW-Einsätze werden rechtzeitig bekannt gegeben. Objekte: Burgruine und Haus an der Talsperre Pöhl-Rodlera.

Bundesfreund Werner Fläschendräger
zur Beendigung seiner Tätigkeit in Greiz

Greizer Heimatbote Mai 1962
Bundesfreund Werner Fläschendräger
Zu Beginn dieses Monats vollzieht sich in der Besetzung des Kreissekretariats Greiz des Deutschen Kulturbundes wieder ein Wechsel: der seit fast drei Jahren hier erfolgreich tätige bisherige Kreissekretär, Bundesfreund Werner Fläschendräger, scheidet, um als wissenschaftlicher Aspirant am Institut für Deutsche Geschichte der Karl-Marx-Universität Leipzig auf dem Gebiet der Erforschung der Universitätsgeschichte zu arbeiten. An seine Stelle tritt als neuer Kreissekretär Bundesfreund Eberhard Herzog, bisher als Instrukteur, für Kultur Mitarbeiter der FDJ-Bezirksleitung Gera und Absolvent der Schule des Ministeriums für Kultur in Meißen-Siebeneichen.

Der scheidende Bundesfreund Wernes Fläschendräger hat sich um die Weiterentwicklung der Greizer Kulturbundarbeit in den Jahren seines Wirkens vielfach verdient gemacht. Einer Jenaer Tierarztfamilie entstammend und in der Altmark aufgewachsen, zeigte er schon in der Schulzeit starkes Interesse für die Kulturarbeit. Er wirkte in Laienspielen mit, leistete mit dem Kulturensemble der Oberschule Weferlingen viele Landeinsätze und betätigte sich besonders auf musikalischem Gebiet, baute die FDJ-Grundeinheit in seinem Wohnort mit auf, wurde zum Gruppensekretär gewählt und war schon als Schüler eifriges Kulturbundmitglied.
Sein Studium an der Friedrich-Schiller-Universität in den Jahren 1954-1959 galt vor allem der Geschichtswissenschaft, Geographie und Literaturgeschichte; aber auch Pädagogik und Psychologie fanden sein Interesse. Als Hilfsassistent beteiligte er sich an einem Forschungsauftrag über literarische Erlebnisweisen Jugendlicher, spezialisierte sich dann auf Wissenschafts-und Universitätsgeschichte und erhielt bereits als Student einige Spezialaufgaben bei der Erarbeitung der 1958 zur 400-Jahrfeier erschienenen „Geschichte der Universität Jena“. Eines der insgesamt acht Kapitel umfassenden wissenschaftlichen Abschlußarbeit über „Die gesellschaftliche Stellung der Universität Jena im Spiegel ihrer Jubiläumsfeiern (1648/58-1958)“ erschien in der „Wissenschaftlichen Zeitschrift der Friedrich – Schiller – Universität Jena“.
Seine Spezialisierung und der erfolgreiche Abschluß des Studiums wurden Anlaß zu seiner nunmehrigen Tätigkeit in Leipzig.
Nach dem Staatsexamen zum Kulturbundsekretär nach Greiz berufen, widmete sich Werner Fläschendräger neben seiner Tätigkeit im Sekretariat und als Betreuer des Klubs in verschiedenen Kommissionen umfangreichen kulturpolitischen Arbeiten, nicht zuletzt auch bei der Presse. Die Fortführung der „Greizer Heimatkalender“ nach einjähriger Unterbrechung und die weitere Herausgabe des „Heimatboten“ als Kulturspiegel für den Kreis Greiz verstand er ebenso zu erreichen wie ihre Mitgestaltung als Leiter der Redaktionskommission.
Erinnern wir auch daran, daß die erfolgreiche Durchführung der VII., VIII. und IX. Greizer Universitätswochen, bauliche Veränderungen im Klub „Alexander von Humboldt“ zur Erweiterung seiner Aufnahmefähigkeit und viele Anregungen zur Gestaltung eines reichen und interessanten Kulturbund- und Klublebens u. a. durch Vereinbarungen mit namhaften Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens zu einem wesentlichen Teil auf seine Einsatzfreude zurückgehen. Oft griff er selbst aus klarer Erkenntnis der Forderungen unserer Zeit und Gesellschaft in Diskussionen mit ein.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Staatsapparat, der Partei der Arbeiterklasse (der er als Kandidat angehört), mit den Ortsgruppen des Kulturbundes und mit den Kulturinstituten des Kreises und der Stadt, wie z. B. dem Theater, wirkte sich fruchtbringend für die Erfüllung der Aufgaben unseres Kulturbund – Kreisverbandes beim Aufbau des Sozialismus in unserem Heimatgebiet aus. Nicht zu vergessen auch seine enge Verbindung mit der Brigade „7. Oktober‘ des VEB Fortschritt Greiz! Bleibt nun, dem verdienstvollen Kreissekretär für seine dreijährige, fruchtbare Tätigkeit in Greiz zu danken und ihm viel Freude und Erfolg im neuen Wirkungsbereich an der Karl-Marx-Universität zu wünschen.
Dr. Franz Hauschild

HANNS CZERLINSKY (Netzschkau)
Hinweise für praktische Naturschutzarbeit

Greizer Heimatbote Juni 1962
Naturschutz
Katzenhalter sind laut Naturschutzgesetz verpflichtet, in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli eines jeden Jahres (in der Hauptbrutzeit der meisten Vögel) ihre Katzen nicht frei umherlaufen zu lassen. Während dieser Zeit ist es den Grundstücksbesitzern oder deren Beauftragten erlaubt, fremde Katzen auf ihren Grundstücken zu fangen oder zu töten. Das darf allerdings nur mit solchen Mitteln
oder Geräten geschehen, in denen die Tiere entweder unversehrt gefangen oder sofort getötet werden. Tellereisen sind verboten! Bitte, liebe Katzenfreunde, sorgen Sie dafür, daß Ihre Katzen nicht den Vogelbruten nachstellen! — Die ebenso unliebsam auftretenden Krähen, Elstern und Eichelhäher werden von den zuständigen Jagdkommandos bekämpft. Damit Sie das auch glauben, gebe ich Ihnen einige Abschußzahlen bekannt. Es wurden in den Jahren 1956 bis 1960 abgeschossen. 3667. Jm Jagdjahr 1961 waren es im Kreisgebiet insgesamt 603. Damit Sie aber auch sehen, daß die Sorge um die wildernden Katzen nicht unbegründet ist, will ich Ihnen auch sagen, daß in den besagten Jagdjahren von 1956 bis 1961 einschließlich insgesamt 1863 (!) wildernde Katzen geschossen werden mußten. Eine gewiß erstaunliche Zahl, und dabei sind das noch lange nicht alle Katzen, die wirklich wildern, von den auch noch wildernden Hunden ganz abgesehen. Wildernde Katzen und Hunde sind wegen der Übertragung der Tollwut eine Gefahr für uns alle. Sollten Sie einmal zu einem Gelege der Elstern, Krähen oder Eichelhäher Zugang bekommen, ohne daß Sie wagehalsige Klettereien unternehmen müssen, dann nehmen Sie es nicht ohne weiteres aus! Die Tiere legen sofort wieder nach bzw. bauen ein neues Nest und legen dann wieder. Stechen Sie die vorgefundenen Eier vorsichtig mit einer Nadel an oder schütteln Sie dieselben eine Weile kräftig durch, und legen Sie diese wieder ins Nest. Die Tiere brüten dann auf den Eiern weiter, und wenn sie dann nach dieser „Behandlung“ nicht mehr auskommen, erlischt der natürliche Bruttrieb und damit auch der Legetrieb bei den Altvögeln. Ebenso kann man auch unerwünschte Sperlingsbruten in Nistkästen unterbinden. Nehmen Sie dem Sperling Nest und Eier weg, legt er sofort wieder nach bzw. baut vorher wieder, wenn dann auch oft nur ein sehr notdürftiges Nest, und das tut er drei- bis viermal hintereinander. Der Sperling ist ein sehr emsiger Vogel und gibt das Rennen um seine „Behausung“ nicht so leicht auf. Er blockiert damit sehr oft viele Nistkästen, die eigentlich von Ihnen für ganz andere Vögel gedacht waren.

Der Monat Mai hat für den Naturschutz seit einigen Jahren eine besondere Bedeutung erlangt, fällt doch in seine Tage die „Naturschutzwoche“ des jeweiligen Jahres. In diesem Jahr ist es die Woche vom 27. Mai bis 3. Juni.

Diese Naturschutzwoche, die nun zum 6. Male in unserer Republik durchgeführt wird, soll den Sinn haben, alle unsere Mitmenschen auf die Notwendigkeit und die Ziele des modernen Naturschutzes hinzuweisen. Sehen Sie bitte in uns Naturschützlern nicht weltfremde, romantische Naturschwärmer, die nur einiger seltener Pflanzen und Tiere wegen draußen umherlaufen! Es geht dabei im modernen Atomzeitalter um ganz andere Dinge! Unser technisches Zeitalter erfordert zur Deckung unserer Lebensbedürfnisse bedeutende Eingriffe in die Natur. Diese Eingriffe sinnvoll, unter größter Schonung der uns umgebenden Natur und bester Ausnutzung aller vorhandener Bodenschätze und Naturkräfte zu gestalten, ist unser Anliegen. Es muß trotz all dieser notwendigen Maßnahmen noch eine Landschaft übrigbleiben, in der wir uns wohlfühlen können und Erholung finden. Die Naturschutz-„Werbewoche“ soll dazu dienen, den Naturschutzgedanken in weiteste Kreise unserer Bevölkerung zu tragen. Machen Sie also bitte regen Gebrauch von den Veranstaltungen wie: Vogelstimmen- und Lehrwanderungen, Filmvorführungen und Sichtwerbung mit belehrendem Inhalt (Schaufenstergestaltungen). Die entsprechenden Programme finden Sie im „Kulturspiegel“ abgedruckt.
Der Monat Mai gehört zu den Hauptbrutmonaten unserer Vogelwelt, und bei einem großen Teil unserer Singvögel schlüpfen im Laufe des Monates die ersten Jungen. Sicher haben Sie den Winter über Meisen und andere Vögel am Futterbrett gefüttert, manche davon brüten nun in Ihrem Garten oder Grundstück. Füttern Sie bitte unter keinen Umständen weiter! Es hat sich gezeigt, daß zu lange dauernde Winterfütterung sich schädlich auf die Nachkommenschaft auswirkt. Es sind Fälle bekannt, daß Vögel die überreichlich vom Menschen angebotene Nahrung an ihre Jungen verfüttern, weil es für die Tiere auch einfacher war und sie wußten, wo Futter zu finden war. Das ist aber biologisch gesehen nicht das richtige Aufzuchtfutter für die Jungvögel und sie können dadurch Schaden erleiden. Außerdem halten Sie dadurch die Tiere von der Vertilgung der schädlichen Insekten ab.
Vermeiden Sie weiterhin unnötige Störungen der Vogelbruten und anderer tragender oder schon führender Tiere, indem Sie nicht kreuz und quer durch die Wälder laufen, vor allem in Ihnen unbekannten Urlaubsgebieten! Bleiben Sie bei Wanderungen auf den angezeigten Wegen! Lassen Sie auch nicht Ihre Hunde im Wald frei umherlaufen! Sie vergrämen damit das Wild.
In der Pflanzenwelt fallen im Mai besonders die Orchideen auf, liegt doch bei uns ihre Hauptblütezeit in den letzten Tagen des Monates. Diese zweitgrößte Familie unserer Pflanzen mit ihren über 20 000 verschiedenen Arten auf der ganzen Erde ist bei uns mit ihren Vertretern ausnahmslos unter strengen Schutz gestellt; es darf keine Pflanze abgerissen werden!
Der Monat verlockt auch wieder zu größeren Wanderungen und Spaziergängen. Achten Sie bitte dabei auch auf unsere Kleintierwelt! Das Naturschutzgesetz hat sich da insbesondere der Kriechtiere und der Lurche angenommen. Echsen und Schlangen stehen ausnahmslos unter Schutz. Greifen Sie beim Anblick einer Schlange nicht gleich zum nächsten Stein oder Stock, um das Tier zu erschlagen! Auch die einzige einheimische giftige Schlange, die Kreuzotter, steht unter Schutz. Meist erkennt man sie in der ersten Aufregung oder Angst nicht gleich, und es war eine harmlose Ringelnatter oder Blindschleiche (sie ist in Wirklichkeit eine Echse). Gewiß ist die Kreuzotter giftig, aber sie beißt nur, wenn sie sich angegriffen fühlt. Auch sie erfüllt als Mäusevertilgerin eine wichtige Aufgabe im Haushalt der Natur. Zudem ist die Zahl der tödlich verlaufenden Kreuzotternbisse weit unter die 1%-Grenze gesunken.
Auch eine Anzahl Lurche genießen den Schutz des Gesetzes, so z. B. der Laubfrosch, Kröten, Salamander und Molche. Sperren Sie keinen Laubfrosch mehr in ein Einmachglas! Er ist ein sehr schlechter Wetterprophet; das Barometer ist weit verläßlicher.
Gerade der Monat Mai gibt Veranlassung, zu einer weiteren Frage kritisch Stellung zu nehmen. In den letzten Jahren hat speziell die Vogelfotografie, angeregt durch einige Könner von Format, viele Nachahmer gefunden. Nicht jeder, der einen Fotoapparat sein eigen nennt, ist dazu berufen, damit auch die Tierfotografie zu betreiben. Einmal gehört dazu eine sehr gute und umfangreiche — demzufolge auch kostspielige — Ausrüstung; zum anderen, was noch viel wichtiger ist, gehören ausgezeichnete biologische Kenntnisse dazu, und hier hapert es meistens. Der Naturschutz hat, um unnötige Beunruhigungen der Tiere durch solche „Tierfotografen“ zu unterbinden, ein diesbezügliches Verbot erlassen. Bitte achten Sie bei eventuellen Urlaubsreisen in See- und Teichgebiete mit reichhaltigem Vogelleben auf dieses Verbot der Beunruhigung der Vogelwelt!

KARL FÜCHTNER (Waldhaus)
Ein unbekanntes Urwaldparadies vor den Toren der Stadt Greiz

Wenn der Wanderer von Greiz kommend in Richtung Neumühle pilgert, befindet sich unterhalb des Hohen Rieß längs der Elster, gegenüber der Bretmühle, ein steiles unwegsames Waldparadies. Die meisten Spaziergänger gehen hier oberhalb, vielleicht auf dem nassen Weg, an diesem interessanten Gebiet vorbei.
Dieses unbekannte und doch so romantische Fleckchen ist ungefähr 1% Kilometer lang und 350 Meter breit, beginnt gleich unterhalb der neuen Straße, die Greiz mit dem zukünftigen Zentraldorf Neumühle verbindet. Bei Fertigstellung im Jahre 1963 wird der Eilige tatsächlich in zehn Minuten mit dem Bus in der Kreisstadt sein.
Dieser Steilhang zur Elster ist freilich kein bequemes Ausflugsziel; ein Durchqueren ist bestimmt mit einer kleinen Strapaze verbunden, aber es lohnt sich bestimmt! Früher führte ein in gutem Zustand befindlicher Steig, der sogenannte Fischottersteig, längs der Elster durch diesen Waldstreifen. Es sind im Winter sogar Schneeschuhläufer diesen Weg gefahren. Er beginnt von Richtung Neumühle aus oberhalb des Neuhammers. Auf halber Höhe führt er an den Felsen entlang, immer die Bretmühle zur Rechten, bis zirka 400 Meter vor die Eisenbahnbrücke, die schräg auf der anderen Seite liegt; da führt der hier etwas verwachsene Weg auf die Straße.
In diesem herrlichen, völlig unberührten Gebiet haben wir einen sehr alten Baumbestand, meistens Eichen und Fichten. Hier befinden sich auch die größten und mächtigsten Fichten des Kreisgebietes. Einige dieser Giganten können zwei kräftige Personen nicht umfassen und sind an die 40 Meter hoch. Da hier nicht geschlagen werden kann, der Höhenunterschied beträgt 80 Meter (bei einer Breite von 350 Metern), liegen hier uralte, um großen Teil schon halbvermorschte Baumriesen kreuz und quer und bilden ein dichtes Baumgewirr. So vereinen sich hier Büsche und Hecken, Brombeere und Holunder, mit jungem und altem Baumbestand, und die Pracht der letzten Jahrzehnte rundet das Ganze zur glücklichen Harmonie ab.
Durch die Witterungseinflüsse hat nun freilich mancher Erdrutsch Stämme, Steine und Geröll mit in die Tiefe gerissen, so ist auch der Steig arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei unserer letzten Pilz- und Fotoexkursion
mußte ich mit meinem Begleiter oft kriechend manches Hindernis überwinden. Diese Ecke ist nun schon lange unser Lieblingsplätzchen, da es hier besondere Exemplare von Pfifferlingen gibt und zum anderen viele Fotomotive einladen. Die ganze Breite des Brandes, Hoher Rieß, Bretmühle und eine stark schäumende Elster, die hier mehrere malerische Bogen zieht, alles das durch die besondere Romantik dieser Ecke verzaubert, geben einmalige Blickwinkel. In der Mitte des Fischottersteiges befinden sich zwei alte Bergwerksstollen, die in der Höhe und Tiefe unterschiedlich sind. Der Linke ist zu Eingang ungefähr 1 Meter hoch, wird dann 1.20 Meter und geht ungefähr 10 Meter in die Tiefe von 15 Metern. Hier wurde ungefähr vor 200 Jahren gegen 1750 nach Silber gegraben. Im Winter ist diese Ecke besonders zahlreich durch Wildenten besucht, da hier viel Felsgeröll und durch größeres Gefälle die Elster stark schäumt und daher selten zufriert. So manche Ente des Greizer Parksees sucht sich hier einen Badeplatz, wird hier vom Jäger überrascht und kehrt nicht mehr zurück. Dieser Fischottersteig ist ein beliebter Jagdplatz der Förster und könnte darum auch Entensteig heißen. Sein eigentlicher Name zeugt aber davon, daß hier früher einige Pärchen des Fischotters gelebt haben, die hier ein besonders ungestörtes Paradies fanden, bis dann zu Anfang unseres Jahrhunderts die Fische in der Elster ausstarben, da die zunehmende Industrialisierung durch ihre Abwässer die Existenz der Fische vernichtete. Heute zeugt nur noch der Name von seinen früheren Bewohnern, die hier an der Bretmühle ein Fischparadies besaßen.

HANS HEROLD
Modeplauderei – einmal ganz anders

Wenn warme Maiensonne neueste Frühjahrsmoden hervorlockt und unsere Damen voller Anmut, die Herren mehr mit Selbstbewußtsein die erstaunlichen Schöpfungen der Bekleidungskunst in den Leninpark tragen, eröffnet das Heimatmuseum Greiz im Rahmer der Kulturfesttage der Gewerkschaften die Sonderausstellung „Mode im Wandel der Zeiten“. Sonst plaudern Helga und Sabine über die Mode, heute tut es einmal — ein Museumsleiter. Was mag dabei herauskommen? Wissen Sie, was Mode ist? Natürlich wissen Sie es! Aber wenn Sie Ihre Gedanken knapp und treffend formulieren und trotzdem den Begriff Mode in seiner ganzen Vielfalt umreißen sollen, dann werden Sie scheitern. Auch die erfahrensten Kostümkundler und Modekenner haben bisher noch keine befriedigende Definition gegeben. Wir wagen lieber keinen weiteren Versuch, sondern beschränken uns auf die Hervorhebung einiger Wesenszüge. Die Mode strebt nach Schönheit, allerdings — „nicht immer ist das, was schön ist, Mode; aber das, was Mode ist, ist schön“ (Max von Boehn). Sie erlaubt Individualisierung und Verwandlung, ist Ausdruck der Lebensfreude. Weit über Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit hinaus spielt sie mit Formen und Farben, kann aber trotzdem nicht nur als Oberflächlichkeit oder überflüssiger Luxus abgetan werden. Denn eine Welt ohne Mode wäre grau und freudenarm. — Die Betrachtung der historischen Entwicklung wird uns helfen, Wesen und Eigentümlichkeiten der Mode noch besser zu verstehen. Seit wann gibt es überhaupt Mode? — Die Kulturhistoriker beantworten diese Frage durchaus nicht einheitlich. Manche Forscher wollen die ältesten Merkmale des Modischen schon in der kretisch-minoischen Kultur (etwa 1800-1500 v. Zr.) finden. Fayence-Figuren dieses Kulturkreises lassen nämlich eine hochentwickelte Schneiderkunst erkennen, wie sie die Antike mit ihrer fast nur gewickelten Tracht nicht besaß. Erst im hohen Mittelalter erhielt die abendländische Bekleidung allmählich den Körperformen angepaßten Zuschnitt. Wenn man vollends das bewußte Verändern der Gestalt durch Bauschungen, Polster, Schnürungen, Schleppen, Schwänze usw. als kennzeichnenden Wesenszug der Mode ansieht, darf man ihren Beginn nicht vor Mitte des 14. Jh. ansetzen (französisch-burgundische Mode, 1350-1480). Andere Kostümkenner schließlich wollen erst im 17.Jh. von Mode, sprechen, als unter Ludwig XIV. die französischen Vorbilder Weltgeltung erlangten. Damals wurde die Mode international, die Völker beugten sich willig dem Modediktat von Paris, veränderten kaum noch, wählten höchstens aus, was ihnen am besten gefiel. Von nun an herrschte eine Weltmode, meistens von Frankreich bestimmt, nur vorübergehend von anderen Ländern beeinflußt. England z. B. führte in der Herrenmode des 19. Jahrhunderts.
Die Entwicklung der Mode von einer kulturgeschichtlichen Epoche zur anderen zu verfolgen, ist außerordentlich reizvoll. Kostümpuppen, Originalkleider, Bilder und modisches Beiwerk auf der Ausstellung zeigen sehr deutlich die grundlegenden Veränderungen beispielsweise von der französisch-burgundischen Mode der Spätgotik mit ihrer heiteren Note und Vertikaltendenz zu den horizontalbetonten Renaissancemoden, die Gemessenheit, Würde und sogar bürgerliche Behäbigkeit ausdrückten. Die folgende steife schwarze spanische Mode (1550-1620) war ein Ergebnis der Gegenreformation, finsterer InqUisition und strengen spanischen Hofzeremoniells. Aber die Plauderei gerade darüber verlegen wir lieber in die Ausstellung selbst, weil wir vor den Kostümbeispielen am besten aus den gesellschaftlich-historischen Veränderungen den Wandel der Modeformen erklären können.
Nicht jeder, der über das nötige Geld verfügte, durfte sich in früheren Jahrhunderten nach der Mode kleiden. Das war allein der herrschenden Gesellschaft vorbehalten. Die Kleidung war Standeskleidung, und strenge Vorschriften, sogenannte Kleiderordnungen, sicherten der Oberschicht ihre Vorrechte. Seit dem 13. Jh. grenzte sich der Adel gegen das erstarkende Bürgertum ab, bald auch das Patriziat gegen die Kleinbürger. Solche Verordnungen heuchelten landes- oder stadtväterliche Fürsorge und wollten scheinbar von übertriebenem Kleideraufwand, vor „Unsittlichkeit“ und unvernünftigen Ausgaben bewahren. Tatsächlich kam es den Herrschenden darauf an, sich in der Kleidung vor der übrigen Bevölkerung noch mehr hervorzutun, als ihnen allein ihr Reichtum schon gestattete.
Welche strengen Gesetze früher auch bei uns galten, erfahren wir aus einem im Landesarchiv Greiz liegenden „Polizey-Mandat und Kleiderordnung“, 1610 von Heinrich dem Jüngeren in Gera für seine Untertanen erlassen. Ein Vorwort forderte die Bevölkerung auf, alle „ungeistliche Hoffarth, Überfluß und Üppigkeit , durch welche … die Leute ihres Vermögens augenscheintich erschöpfet, und manniger in äußerstes Verderben gestürzt wird“ zu vermeiden. Die Untertanen waren in vier Stände eingeteilt und wurden entsprechend behandelt. — Adel und Räte erhielten lediglich Ermahnungen, sich nach „des Heiligen Römischen Reichs Polizey-Ordnungen“ zu richten und „ihres Standes Gebühr in Freudt und Leidt nicht zu überschreiten“. — „Bürgerliche Standespersonen“ und ihre Angehörigen, namentlich „Kirchen- und Schuldiener, Schößer, Canzellisten, Verwalter, Richter, Bürgermeister und Rathsverwandte“ durften ausländische Tuche, auch andere feine wollene und leinene Stoffe tragen, aber nur einfache Seidengewebe. „Köstliche Seidenwaren“ sollten ihnen „genzlich verboten sein“. Ihre „Weiber und Töchter“ durften z. B. keine „güldene Ketten oder Armbenter“ anlegen und sollten sich auch „dei großen übermäßigen Kraußen (das waren die damals gerade beliebten ‚Mühlsteinkragen‘) …. alles bey Straff fünff gülden gänzlich“ enthalten. Lediglich „silberne Gürtel und Messerscheiden“ und „ein oder zwei güldene Ringlein an den Fingern, auch Goldgülden zum Halsschmuck“ wurden „gnedigst erlaubt“. — Den übrigen „wohlhabenden Bürgern und Einwohnern“ der Städte und Dörfer waren weder Seidenstoffe noch Gold-und Silberschmuck „vergönnt“. — „Gemeine Handwerksleute, Arbeiter, Dienstboten und Tagelöhner, desgleichen Bauersleut auf den Dörfern“ schließlich sollten neben „gemeinem Leder“ nur die Woll- oder Leinenstoffe verwenden, die aus dem eigenen Land oder Nachbargebieten kamen.
Solche Kleiderordnungen mußten wesentlich auf die Herausbildung der Volkstrachten einwirken. Da die herrschende Mode allein Sache der Privilegierten war, durfte das Volk nur „altmodische“ Kleidungsstücke übernehmen und die erlaubten schlichten Stoffe tragen. Die einfachen Menschen gestalteten aber das Übernommene nach ihren Bedürfnissen und ihrem Geschmack schöpferisch um und machten auch das Schlichte ansprechend. Selbstbewußtsein und Zusammengehörigkeitsgefühl ließen Bürger, Bauern oder Handwerker (Arbeitstrachten) lange am oft mühsam Errungenen festhalten. Anregungen der Mode sind in unseren Volkstrachten unverkennbar. Als die Französische Revolution die Kleiderprivilegien hinweggefegt hatte; konnte in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Modisches sogar manchmal gleichzeitig auch als Bestandteil von Volkstrachten auftauchen. In der zweiten Jahrhunderthälfte hörten die Modeeinflüsse aber auf.
Für die Verbreitung des neuesten Kleidergeschmackes sorgten vom 16. Jh. an Modebilder. Ab 1665 etwa versandte Paris Puppen, die „a la mode“ gekleidet waren, und wenige Jahre später erschien die erste Modeschrift, allerdings noch ohne Abbildungen. Erst Ende des 18. Jh. vereinigten die Modezeitschriften Bilder und Beschreibungen. Die erste deutsche Zeitung dieser Art war das ab 1786 von Bertuch in Weimar herausgegebene „Journal des Luxus und der Moden“. Goethe mußte das beliebte Blatt seiner Mutter regelmäßig nach Frankfurt schicken. Im vorigen Jahrhundert drangen die Modejournale, zunächst mit kolorierten Kupferstichen, dann Lithographien, und um die Jahrhundertwende schließlich mit Fotos und Vorlagen zum Selbstschneidern ausgestattet, bis in die entferntesten Gegenden vor und sicherten sich einen immer umfangreicheren Leserkreis.
Der Sturm auf die Bastille hatte die Standeskleidung beseitigt und die Demokratisierung der Mode eingeleitet. Die industrielle Revolution trieb in der zweiten Hälfte des 19. Jh. diese Entwicklung kräftig voran. Maschinenarbeit verbilligte die Erzeugnisse, und die Unternehmer strebten nach ständiger Absatzsteigerung. Deshalb konnte ein allmählich wachsender Verbraucherkreis Modefreuden genießen. In den 1850er Jahren schaffte die Nähmaschine die mühselige Handstichelei zunächst in den Schneiderwerkstätten ab. Seit den 80er Jahren warf dann die Konfektion ihre Massenproduktion für die Werktätigen auf den Markt. Mechanische Webereien, in Greiz blühten sie im letzten Drittel des 19. Jh. auf, lieferten Stoffe billiger und besser als die Handweberei. Selbst die vornehmen Spitzen wurden vielen Frauen erschwinglich, seit Plauen in den 80er Jahren Maschinenerzeugnisse anbot. Schließlich verbreiterten Kunstfasern, in den 90ern mit Kunstseide beginnend, die Grundlage der Mode weiter. Trotzdem schlossen niedrige Löhne im Kapitalismus einen beträchtlichen Teil der Arbeiterbevölkerung von der Mode aus.
Und heute? — Mit dem Aufbau des Sozialismus wächst unser Wohlstand. Unsere Menschen können sich geschmackvoll und modern kleiden. Mit neuen Faserstoffen unserer chemischen Industrie lassen sich ungeahnte modische Effekte erzielen. Heute kennt die Mode bereits zwei Weltmärkte, der kapitalistische ist noch immer einflußreich. Von Profitstreben diktierter rascher Modewechsel, Sensationslust und Übertreibungen, manchmal Dekadenz und Primitivismus passen überhaupt nicht zu unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Der Einfluß der Werktätigen auf unsere Modegestaltung sowie die schöpferischen Leistungen unserer Modeinstitute und unserer Bekleidungsindustrie werden uns von den westlichen Vorbildern völlig unabhängig machen …
Ober die Mode läßt sich unendlich plaudern. Wollen wir unsere Unterhaltung nicht auf der Ausstellung im Heimatmuseum fortsetzen?
Quellen und hauptsiichliche Literatur: Landesarchiv Greiz, a. A. R. Cap. I Nr. 3 / Max v. Boehn, Modespiegel, Braunschweig 1919 / Wolfgang Bruhn/Helmut Skarbina, Kostüm und Mode, Leipzig 1938 / Ruth Klein, Lexikon der Mode, Baden-Baden 1950 / Erika Thiel, Geschichte des Kostüms, Berlin 1960

Dr. WALTER LUDWIG
Zum Namen Vogtland
(Schluß)

Den geschichtlich gewordenen Begriff Vogtland haben andere Wissenschaften als Landschaftsbezeichnung übernommen und dabei nach den Gegebenheiten und Gesetzmäßigkeiten ihrer Forschungsarbeit gewandelt. Aber grundsätzlich gehen sie von dem Raum aus, der auf Grund der geschichtlichen Entwicklung als vogtländisch zu bezeichnen ist. Die floristische Karte Rolf Webers umfaßt z. B. etwa das, was sich geschichtlich als sächsisches und reußisches Vogtland fassen läßt, abgesehen von dem Übergreifen bis an die Saale im Hofer Gebiet und von dem Ausschluß des Weichbildes von Schleiz. Es trifft sich sehr gut mit unsrer geschichtlichen Abgrenzung des Vogtlandes, daß der Florist vom Standpunkt seiner Wissenschaft aus die östlich gelegenen Teile der heutigen Kreise Auerbach und Klingenthal als erzgebirgisches Übergangsgebiet ausscheidet. Der Geologe dagegen holt weiter aus. Nach ihm stellt das Vogtland einerseits den kompliziert gebauten Raum zwischen der Münchberger Gneismasse und der westerzgebirgischen Mulde bis zu den westsächsischen Graniten dar, wobei die westlichen Teile der Kirchberger und des Eibenstocker Granitmassivs noch zum Vogtland gerechnet werden. Es bildet sich andrerseits die Fortführung des ostthüringischen und Frankenwälder Schiefergebirges und umfaßt im Osten und Südosten die Höhen des Elstergebirges (so Dr. Günter Freyer, Heft 16 der Museumsreihe Plauen).
Auch der Geograph faßt das Vogtland in dieser weiteren Ausdehnung auf „vom alten Vogtssitz Weida bis zur Grenze Böhmens, vom Rand des Frankenwaldes und Fichtelgebirges bis auf die Höhen des Erzgebirges“ (so Dr. Gerhard Engelmann, Vogtländisches Wanderbuch, Dresden 1937).
Es ist klar, daß die genannten Wissenschaften keine scharf gezeichneten Grenzlinien angeben können, da sie mit Übergangszonen zu rechnen haben. Es wäre allerdings zu erwägen, ob man nicht auf Grund von Vereinbarungen gewisse Grenzen festlegen könnte, so wie etwa die alte Schulgeographie von Seydlitz den Versuch machte, als Grenze zwischen Vogtland und Erzgebirge Zwota und oberes Muldental anzusetzen. Natürlich hat jede Systematisierung ihre Mängel, aber man sollte diese in Kauf nehmen um den Vorteil, den das Vorliegen fester Begriffe für die Verständigung in der Forschungsarbeit bietet. Daß dabei jede Einzelwissenschaft den Umfang des Begriffes Vogtland von den Bedingtheiten ihrer Forschung aus in ihrer Weise bestimmen wird, ist im Wesen der grundsätzlichen Fragestellung gegeben. Somit wird beispielsweise auch die Frage nach dem höchsten Berg des Vogtlandes eine fachperspektivisch verschiedene Antwort finden.
Für die Zuerkennung des Namens Vogtländer jedoch wird nach wie vor der geschichtlich begründete Raum des sächsischen bzw. reußischen Vogtlandes maßgebend sein. Man wird heute niemanden als Vogtländer bezeichnen, der etwa in Selb oder Schwarzenbach, in Schmölln oder Ronneburg, in Planitz oder Kirchberg geboren wird. Die allgemeine Ablehnung derartiger Ansätze ist übrigens eine weitere Stütze für die These, daß unter Vogtland heute eben nur der Raum verstanden werden kann, der als altes Vogtsgebiet entweder im Staatsgebilde der beiden Reußen weiterlebte oder nach seinem Eingehen in den Wettinerstaat hier als Verwaltungsbezirk den Namen Vogtland unmittelbar oder mittelbar weitertrug.
Zum Schluß noch ein Wort zu der Schreibung Voigtland. Das mittelhochdeutsche voget (aus dem lateinischen vocatus unter Betonungswandel entwickelt) ergab lautgesetzlich entweder vogt oder voit. Beide Formen sind in den Urkunden nebeneinander belegt. Die Schreibung voigt ist eine künstliche Vermischung beider Formen, die als bloße Kanzleischreibererfindung anzusehen ist. Sie taucht erst gegen 1600 auf und verdankt ihre Entstehung der gleichen Freude am Überladenen, aus der die Schreibung von Doppelbuchstaben und verschnörkelten Schriftzeichen entsprungen ist.
(Entnommen dem Plauener Kulturspiegel 1960161)

Dr. ERICH MARTIN
Ein Überblick über das Wettergeschehen des vergangenen Jahres

Kühl hatte es begonnen und mit einem frostigen Dezember geschlossen, aber es hatte einen baldigen und warmen Frühling und trotz einiger Schwankungen im Mai und im Sommer doch einen Jahresdurchschnitt von 8,8 Grad Celsius. Das Jahr lag also bei uns wie auch sonst in Thüringen über dem langjährigen Mittel. Am wärmsten war es am Anfang Juli (31°), aber auch noch Mitte September gab es Tropentage mit Temperaturen über 30 Grad. Am kältesten war es in der’Weihnachtsnacht, in der das Thermometer auf -20,4 Grad gesunken war; am 27. Januar war es n u r 20 Grad kalt gewesen. Mithin ergibt sich eine absolute Schwankung von mehr als 50 Graden.
Die monatliche Verteilung der klimatischen Werte zeigt die folgende tabellarische Zusammenstellung:

Monat Temp.-Mittel-Max.-Min.BewölkungNiederschlag
Januar-1,5°9,0°-20,0°70%18,8 mm
Februar4,0°16,0°-4,0°64%39,1 mm
März5,8°20,6°-3,0°64%41,0 mm
April11,0°24,0°-0,9°64%76,6,mm
Mai10,1°26,0°1,6°76%103,8 mm
Juni16,0°29,5°5,0°53%67,2 mm
Juli15,3°31,0°7,0°71%78,6 mm
August15,7°30,0°7,0°63%28,1 mm
September15,7°30,6°3,5°37%20,0 mm
Oktober10,0°23,5°0,5°43%17,7 mm
November3,9°14,5°-8,0°77%21,7 mm
Dezember-1,1°16,0°-20,4°60%36,2 mm
im Jahre8,8°62%548,8 mm

Die Höchst- und Tiefstwerte wurden durch Fettdruck hervorgehoben.
Der heiterste Monat war der September, der wärmer als der Hochsommermonat Juli war, und nur 20 mm Niederschlag hatte. Der ihm folgende Oktober hatte eine Bewölkung von nur 43% bei dem Niederschlagsminimum von 17,7 Millimetern.
Der Jahresniederschlag in Greiz-Dölau erreichte mit 548,8 mm nur 87% der Norm (1960 waren es 92%). Für das gesamte Kreisgebiet wird allerdings der Niederschlag vom Meteorologischen Dienst der DDR in Weimar auf Grund der anderen Beobachtungsstationen doch als 100prozentig angesehen.

Dr. ERICH MARTIN
Winter im Lenzmonat

Wenn wir im März dieses Jahres 18 Tage eine Mitteltemperatur unter 0 Grad hatten, dann muß man ihn schon als einen Wintermonat bezeichnen. An den 13 Tagen vom 13. bis zum 25. hatten wir sogar eine geschlossene Reihe von solchen Tagen. Am 14. sank das Thermometer auf -14,8°. Die Zahl der „Eistage“ blieb allerdings wegen des bereits erhöhten Sonnenstandes in den Mittagsstunden verhältnismäßig gering. Trotz der Erwärmung am Monatsende mit dem Höchststand von 12,8° am letzten Tage lag der Gesamtdurchschnitt noch mit 0,3° unter dem Gefrierpunkt:

DekadeTemperaturFrosttageEistageBewölkungNiederschlag
1. -10.-0,8°9277%7,5 mm
11.-20.-2,1°9262%8,7 mm
21. -31.+1,7°869%9,1 mm
im Monat-0,3°26469%25,3 mm

Bei häufigen Nordwinden waren die Niederschläge, die meist als Schnee fielen, nicht sonderlich hoch, in den Dekadensummen etwa gleichliegend. Auch die Schneedecke blieb geringfügig mit einem Höchststand von 6 Zentimetern am 6. März.

Greizer Heimatbote Mai 1962
Werbung im Greizer Heimatbote Mai 1962: Max Hetzheim, Greiz Mechannische Kammgarnweberei, Lothar Wilhelmi, Greiz Gürtelschließen, Feutron -Spezialbetrieb für industrielle Feuchtemessung, Werner Roterberg – Greiz – Procedo – Werkzeugfabrik, Ernst Moderer Neumühle/Elster – Kunstharz-Presserei und Spritzerei