Nikolaus Huhn las in Greiz-Info

Greizer Koch-und Backmädels luden zur Lesung mit Nikolaus Huhn in die Greiz-Info ein

GREIZ. „Das passt ja perfekt“, schmunzelte der bei Jena lebende Autor Nikolaus Huhn, als er erfuhr, die Lesung „Thüringen in kleinen Schritten – Notizen vom Hörenden Fußmarsch“ werde von den Greizer Koch-und Backmädels organisiert.
Schließlich geht es in seinem am Donnerstagabend in der Greiz-Information vorgestellten Band genau um diese Thematik: Wo wird noch Mehl gemahlen; wo geschlachtet und gebacken; wo wird Kleidung per Hand hergestellt?
Auf all diese Fragen fand Nikolaus Huhn auf seinem Weg quer durch Thüringen Antwort. Vor drei Jahren hatte sich der Aktionskünstler mit einem riesigen Ohrenwagen zwei Monate lang auf den Weg durch die Kreise, Städte und Dörfer des Freistaates aufgemacht, um den Menschen – ganz gleich ob Politiker, Bauer, Unternehmer oder Opa am Gartenzaun – sein “Ohr” zu leihen.
Die wichtigste Frage, der Nikolaus Huhn dabei nachging: “Was tun wir, wenn Selbstverständlichkeiten nicht mehr selbstverständlich sind?”
Wie robust ist der Freistaat Thüringen und vor allem, wie fähig, sich – wenn nötig – aus eigener Kraft und eigenen Ressourcen zu erhalten.

Dazu legte der Umweltaktivist etwa 20 Kilometer am Tag zurück; zeitweise waren es einhundert Leute, die sich dem Marsch ein Stück weit anschlossen. Auf seinem Weg erfuhr er “viel Gastfreundschaft”, beispielsweise, als er den Anstieg nach Obergeißendorf zu bewältigen hatte. Sicher eine körperliche Höchstleistung, wenn man bedenkt, dass der Wagen mit den mannsgroßen Ohren stolze 130 Kilogramm wiegt. Bei Töpfermeister Ludwig Laser wollte er lediglich um einen Schluck Wasser bitten, wurde aber – nachdem sich das Ehepaar Laser von seinem Lachanfall ob des merkwürdigen Vehikels erholt hatte – herzlich zum Essen eingeladen.

Das Wort Resilienz – entspricht dem Begriff “Unumstoßbarkeit” – trifft wohl das Anliegen des Marsches am besten. “Daher ist das Symbol der Aktion ein Stehaufmännchen”, so Nikolaus Huhn, der auch ein Exemplar auf seinem Lesetisch platziert hatte. Kontakt suchte und fand der Autor mit dem Landrat, der sich um die Förderung regionaler Wirschaftskreise kümmert; mit der Oma, die ihr Gemüse selbst anbaut – auch mit Initiativen für Regionalgeld oder lokalen Banken.
Kurzum: er suchte das Gespräch mit den Menschen, die das derzeitiges Wirtschaftsmodell für zerbrechlich halten, aber Vorsorge für eine Gesellschaft auf eventuell niedrigerem, doch stabilerem Niveau treffen möchten.

Dass die Lesung keine statische wurde, sondern eine lebendige Diskussion hervorbrachte, war Huhns Plan, der mehr als aufging. Jeder der zwei Dutzend Gäste konnte mit eigenen Beispielen, Ideen oder Bedenken aufwarten. „Langweilige Vorlese-Abende gibt es genug; die Veranstaltung war lebendig und hochinteressant“, konstatierten die Gäste.
Da der Autor ein Leben ohne Auto führt, musste er pünktlich „zum Bahnhof in großen Schritten“, wie sich der Kreis zu den „kleinen Schritten durch Thüringen“ schloss.

„Mit dieser Veranstaltung haben wir bewiesen, dass wir nicht nur kochen und backen können, sondern auch einen Bildungsauftrag haben“, betonte Heidi Körner augenzwinkernd, die als „Original Greizer Koch-und Backmädel“ eine Augenweide war.

Service:
Die nächste Veranstaltung der Greizer Koch-und Backmädels ist „Talk im Schloss“ mit Ex-Ringerweltmeister Uwe Neupert“ am 14. Oktober, 19 Uhr, im Weißen Saal des Unteren Schlosses.

Antje-Gesine Marsch @01.10.2016