Gassigehen als Therapie für Hund und Mensch

Steffen Poppe hat Burnout. Seine Liebe gehört einem Hund im Sachswitzer Tierheim, der es im Leben bisher auch nicht leicht hatte.

GREIZ-SACHSWITZ. Steffen Poppe hat Burnout, eine Krankheit, bei der man keinen Gips sieht, wie er sie beschreibt. Das Ausgebranntsein, die geistige oder körperliche Erschöpfung schlägt mitunter in unbändige Unruhe und Kopflosigkeit um. Dann muss ich einfach raus, gesteht der 44-Jährige, der bis vor kurzem als Außendienstmitarbeiter und Radiomoderator tätig war. Seit die Erkrankung ausbrach und er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, verbringt er viele Stunden der Woche mit Gassigehen. Einen eigenen Hund zu halten, erlaubt mir leider mein Vermieter nicht, wie Poppe sagt. Deshalb beschloss er, sich einen vierbeinigen Gefährten im Tierheim zu suchen. Die Wahl fiel auf Louis, einen Schäferhund-Mischling, der in seinem kurzen Tierleben auch schon einiges erlebte.

Wir fanden ihn im Sommer 2011 angebunden in der Nähe des Hohenleubener Bahnhofs, so Tierheim-Chefin Sabine Wonitzki. Die Suche nach dem Besitzer, die sich bis nach Sachsen ausweitete, blieb erfolglos, obwohl das Tier gechipt war. Der Hund wurde von Anfang an nicht erzogen, wie Frau Wonitzki ihn beschrieb. Bereits zweimal wurde er in der MDR-Sendung Tierisch, tierisch vorgestellt, allerdings interessierte sich nicht einer der Zuschauer für dieses agile Tier. Louis ist temperamentvoll und mehr als aktiv, schätzt auch Steffen Poppe ein. Durch eine Hundetrainerin wurde er in das Einmaleins der Hundekommunikation eingeführt und erfuhr was dem Hund Spaß macht und wie er zudem etwas lernt. Herr Poppe ist kein 0-8-15-Gassigeher, sondern bietet dem Tier auch Abwechslung, unterstreicht Frau Wonitzki. Neben den ausgedehnten Spaziergängen, die Hund und Herrchen oftmals bis an die 18-Kilometer entfernte Talsperre Pöhl führen, besucht Steffen Poppe auch des Öfteren mit Louis den Baumarkt, da, wo der Alltag stattfindet.

In den letzten Wochen, die von tropischen Temperaturen geprägt waren, gehen die beiden auch gern baden. Nach diesen Touren sind wir herrlich kaputt, so Steffen Poppe lachend, der die Waldwege, die an die Talsperre führen, nicht nur im Sommer kennt. Im Winter stampfen wir uns den eigenen Trampelpfad. Hund Louis hat eine empfindliche Nase für Befindlichkeiten, so würde er sofort spüren, wenn es dem Herrchen an einem Tag nicht so gut geht, wie Steffen Poppe weiß. Er reagiert dann sofort und versucht mich abzulenken. Mittlerweile denkt Poppe, dass das Gassigehen sowohl für ihn selbst als auch für Hund Louis eine gute Therapie ist. Ich lebe mit meiner Krankheit so gut es geht, sagt der Greizer, der gern wieder in ein normales Arbeitsleben einsteigen würde.

Antje-Gesine Marsch @02.08.2013