„Freddy Kottulinsky“ Revival

„Freddy Kottulinsky“ Revival

Start zum größten und spannendsten Formel III Rennen, welches das Schleizer Dreieck jemals gesehen hat. Sieger und auf Pole Position nach dem Training mit der Start Nummer 25 Freddy Kottulinsky.

Der gastgebende VFV und die Betreibergesellschaft gedenken am Wochenende ( zwischen 14. und 16. Juli 2017) im Rahmen des „Freddy-Kottulinsky-Revial“ einem Piloten, der in den verschiedensten Automobilrennsportdisziplinen für Schlagzeilen sorgte. Der Namensgeber dieser Veteranenveranstaltung hinterließ auch auf dem Schleizer Dreieck und in der Stadt Schleiz seine Spuren.
Einer der erfolgreichsten Formel-III-Piloten Europas verlor am 4. Mai 2010 sein letztes Rennen.
An diesem Tag hörte das Kämpferherz von Freddy Kottulinsky auf zu schlagen. Mit ihm verlor der Schleizer Motorsport einen rastlosen Kämpfer und Verfechter für seine Rennstrecke.
Mit Vehemenz setze er sich bis zu seinem Tod für die Rückkehr der Automobile auf dem Schleizer Dreieck ein.
Freddy Kottulinsky wurde am 20. Juli 1932 in München, als Sohn von Adalbert Graf Kottulinsky und Mutter Maria Gräfin Kottulinsky (gebürtige Komtesse Stauffenberg) geboren.
Die Rennsportkarriere von Freddy Kottulinsky begann 1958 in Schweden, damals fuhr er einen MGA in der GT-Klasse bis 1.600 ccm. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein. 1961 wurde er schwedischer Vizemeister auf einem Porsche Carrera 1.600 ccm. 1966 kam der Titel des schwedischen Formel-III-Meisters hinzu. Unvergessenen bleiben seine Siege in Schleiz 1969 und 1971, mit Runden- und Streckenrekord, die in Schleiz Jahrzehnte lang Bestand hatten. Wenig später, im Jahre 1974, gewann er vor dem späteren Formel-I-Weltmeister Keke Rosberg (SF) den Titel des Formel Super-V-Europameisters.

„Freddy Kottulinsky“ Revival
Stationen einer Motorsport-Karriere
Archiv: Müller/Grimm

Es war die wilde, aber erfolgreiche Zeit der alten Formel III, die von Freddy Kottulinsky entscheidend mitgeprägt wurde. Auch als Privatfahrer in der Formel II machte er eine gute Figur und in den Jahren 1976 und 1977 belegte er vordere Plätze hinter den Werkteams. Besonders erwähnenswert der Sieg auf der Nordschleife (1976) des Nürburgrings vor Rolf Stommelen (D). 1978 siegte Kottulinsky mit Marc Surer (CH) bei der Marken-WM in der Gruppe 5 auf BMW. Bei der Rallye Paris-Dakar holte er sich 1980 mit einem Geländewagen VW Iltis den Gesamtsieg.
Diese Aufzählung seiner Erfolge ist sicherlich nicht komplett, doch zeigen sie deutlich, wie breit gestreut sein motorsportliches Betätigungsfeld war.
Mit 21 Jahren wanderte Freddy Kottulinsky nach Schweden aus und nahm die schwedische Staatsbürgerschaft an, die er bis zu seinem Tode behielt. Sicherlich war die Anfangszeit in Schweden nicht einfach, denn er beherrschte die Sprache nur unzureichend. Aber seine Arbeit als Zweitaktspezialist, die er per Inserat fand, half ihm dabei, schnell die Sprache perfekt zu erlernen. Sein schwedischer Pass ermöglichte ihm auch Starts in der DDR, die ihm als Bundesbürger nicht möglich gewesen wären. Durch die Rennen im Osten Deutschlands hatte er bald Freundschaften zu Fahrern aus der DDR-Meisterschaft geschlossen.

Schnappschüsse mit Wolfgang Küther, aufgenommen 1970 in Küthers Wohnzimmer in Dresden, gelten dabei als historische Dokumente.
Es entwickelte sich eine feste Freundschaft zwischen den beiden. Sie ging soweit, dass sich Kottulinsky bei einem Rennen auf der Dresdener Autobahnspinne 1970 beim Start zurückfallen ließ, um Küther Windschatten zu bieten. Erst zum Ende des Rennens setzte sich der Schwede vom Feld ab und machte den Sieg perfekt. Küthers DDR-Meistertitel in der Formel C9 wurde 1974 auf einem von Kottulinsky in die DDR geschmuggelten identischen Chassis errungen, mit welchem Kottulinsky in Schleiz 1971 siegte. Selbst in Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ durchquerte Kottulinsky die DDR von Nord nach Süd zu den Rennen in Österreich oder Italien und beschaffte wertvolle Ersatzteile für die Piloten der DDR.

Als Liebhaber von klassischen Straßenrennstrecken gefiel ihm das Schleizer Dreieck besonders. Sein Leitmotiv war stets, so schnell wie möglich, aber nicht über das Sicherheitslimit der Strecke hinaus zu fahren. Es gelang ihm, dieses Leitmotiv grandios umzusetzen und damit war er Jahrzehnte lang gut sowie schnell unterwegs. Nur einmal verließen Kottulinsky die Schutzengel, als er im Mallory Park (GB) die schwarz-weiß karierte Flagge übersah. Die Gichtwolke seines Vordermanns nahm ihm jegliche Sicht. Er raste in die vor ihm aufgereihten Formel-III-Autos und wurde durch die Luft katapultiert. An den Folgen der Verletzungen musste er über einen
Monat pausieren.

„Freddy Kottulinsky“ Revival
Freddy Kottulinsky zum Classic Grand Prix 2007 im Fahrerlager mit Maria Melkus, der Witwe von Ulli Melkus, dem wohl bekanntesten und erfolgreichsten Automobilrennfahrer der DDR.
Archiv: Müller/Grimm

Das Automobil in all seinen Facetten begeisterte Freddy Kottulinsky bis zu seinem Tode. Mit 60 Jahren bestritt er in Hockenheim sein letztes Formel- Rennen in einem Opel Lotus im Rahmen des Grand Prix von Deutschland. Über 25 Jahre war der Wahl-Schwede noch als freiberuflicher Instrukteur für Audi in Europa unterwegs.
Die Stadt Schleiz wurde zwischenzeitlich zu seiner Heimat. Zusammen mit seiner Frau Bärbel, die er zu einer Siegerehrung in den 1970er Jahren in Schleiz kennenlernte, baute er sich ein Haus. Nach dem frühzeitigen Tod seiner Frau kehrte er in seine Wahlheimat Schweden zurück, ohne Schleiz aus den Augen zu verlieren.

„Freddy Kottulinsky“ Revival
Monaco
Archiv: Müller/Grimm

So ließ er sich im Juni 2009 nicht nehmen, die Einweihung seiner Gedenktafel am Schleizer Dreieck persönlich vorzunehmen.
Seit geraumer Zeit treten seine Enkel Mikaela Åhlin-Kottulinsky und Frederik Åhlin in die Fußstapfen ihres berühmten Großvaters. Mikalea, die im Übrigen mit Max Verstappen, dem jüngsten Formel-1-Piloten der Geschichte liiert ist, war die erste Frau, die ein Rennen im VW Scirocco Cup gewann und ist zurzeit im Audi TT Cup erfolgreich unterwegs.

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Schleiz
Archiv: Müller/Grimm

Frederik fährt im Rahmen der Rallye WM und war u.a. im Sportförderprogramm von Ford in seiner Heimat Schweden erfolgreich. Emotionaler Höhepunkt der Familie war im vergangenen Jahr im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum der Formel VAU am Norisring sicherlich der Start von Fredderik im Original Auto seines Großvaters. Hier durfte er einige Runden auf dem bekannt Stadtkurs zurücklegen.

Beiden, Mikaela und Frederik, wünschen wir eine erfolgreiche, unfallfreie motorsportliche Zukunft, vielleicht als Pilotin in der DTM und als Pilot in der FIA Rallye WM.

Text: Wolfgang Grimm/Jürgen Müller
Archiv: Müller/Grimm