500 Gäste kamen zum Jahresempfang der Landrätin des Kreises Greiz

Die Festrede des Jahresempfangs der Landrätin des Landkreises Greiz hielt in diesem Jahr Thüringens Landtagspräsident Christian Carius

GREIZ. Die traditionelle Festrede der Landrätin des Landkreises Greiz, Martina Schweinsburg (CDU), gab es in diesem Jahr nicht. „Die Hausjuristen warnten mich davor „, wie sie augenzwinkernd vor 500 geladenen Gästen zugab, die sich am Freitagabend im großen Saal der Vogtlandhalle Greiz zum Jahresempfang einfanden. „Man könnte den Empfang sonst als Wahlkampfveranstaltung verstehen.“ Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen „einzuladen und zu danken“.
„Sie alle drücken der Region und Heimat ihre Stempel auf“, so die Landrätin zu den Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung, sozialen Einrichtungen, Kirchen und Gemeinden sowie zahlreichen Ehrenamtlern.

Besonders herzlich begrüßte Martina Schweinsburg den Landrat des Landkreises Hof/S., Dr. Oliver Bär; den Landrat des Landkreises Gotha, Konrad Gießmann; den Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann; den Bürgermeister der Stadt Gera, Kurt Dannenberg; MdL Christian Tischner; MdL Volker Emde und den Vorsitzenden des Kreistages, Dr. Andreas Hemmann sowie die ehemalige Präsidentin des Thüriner Landtags, Birgit Dietzel.

Einen Gruß richtete sie zudem an die scheidenden Bürgermeister von Greiz und Weida, Gerd Grüner und Werner Beyer.
Während der Greizer Bürgermeister Grüner „nicht mehr will“, so die Landrätin, „darf“ Werner Beyer als Altersgründen nicht mehr; ein Gesetz, das Martina Schweinsburg nicht versteht. „“In Berlin darf jeder in seinem Sessel sterben, wenn ihm danach ist.“

Also hielt die Landrätin „keine Rede über Erreichtes“, auch nicht, dass sich der Ostthüringer Landkreis vom „Armenhaus“ zum Kreis mit der viertniedrigsten Kreisumlage entwickelte. Auch nicht, dass fünfzig Prozent alles Investitionen in Schulen flossen. Unerwähnt blieb auch, dass man im Landkreis Greiz 10.000 Unterschriften gegen die geplante Gebietsreform der Rot-Rot-Grünen Regierung in Erfurt sammelte.

Ehrengast des Abends war Thüringens Landtagspräsident Christian Carius (CDU). In seiner Festrede hob er zunächst die Arbeit der „hervorragenden Landrätin“ hervor. Besonders erfreulich: Am Vortag war das Verfahren gegen Martina Schweinsburg wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit eingestellt worden. „Ein Freispruch allererster Klasse“, so Carius. Nun sollten „einige vielleicht über eine Entschuldigung nachdenken.“

Eine „gelungene Entwicklung“ bescheinigte er dem Landkreis Greiz – die wirtschaftliche Stärke liege vor allem in den vielen kleinen, hochmotivierten, flexiblen Unternehmen. „Wir sollten vor allem die gut pflegen, die schon hier sind.“

Dass es ohne das Engagement der Bürger und dem Volksbegehren, das 45.000 Unterschriften gegen die geplante Gebietsreform erreichte – 6000 kamen direkt aus der Stadt Greiz – den Landkreis Greiz nicht mehr gebe, ließ er nicht unerwähnt.

„Der ländliche Raum ist mehr als ein Experimentierfeld und Wolfserwartungland“ – sagte er unter dem Beifall der Anwesenden. Das Leben hier habe Zukunft; man solle auch Stadt und Land „nicht gegeneinander ausspielen“. Schließlich leben 60 Prozent der Thüringer im ländlichen Raum.
Das vielbemühte Wort „Heimat“ sei für ihn eines der schönsten im deutschen Sprachschatz, kam er auch auf das Thema „Einwanderung“ zu sprechen. Selbst die oft gestellte Frage nach der Religion sei zweitrangig. Wichtig sei: „Welche Werte gelten?“ „Gewaltkultur“ oder die „Herabwürdigung von Mädchen und Frauen“ seien völlig ausgeschlossen. Der Respekt vor der eigenen Identität; ein Leben in Eigenverantwortung und Freiheit sind die wichtigsten Pfeiler des Zusammenlebens, so Christian Carius.

„Die Region Vogtland steht für starke Identität und Heimatgefühl“, bescheinigte der Landtagspräsident den Menschen hier.

Einen Hinweis für die bevorstehenden Bürgermeister-und Landratswahlen gab er den Anwesenden trotzdem: „Prüfen Sie, wer von den Kandidaten genau dies weiterführen will!“

Im Anschluss zeichneten Landrätin Schweinsburg und Christian Carius den Weidaer Dieter Schremsdörfer mit dem Ehrenbrief des Freistaats Thüringen aus. Schremsdörfer engagiert sich seit vielen Jahren in außergewöhnlichem Maß für das Kleingartenwesen in Thüringen.

In gewohnt virtuoser Weise umrahmte die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach unter dem Dirigat von GMD Stefan Fraas den Jahresempfang.

Antje-Gesine Marsch @25.03.2018