2.Bundesliga Nord: SC Isaria Unterföhring gegen RSV Rotation Greiz

Babayan ist wieder da!

2.Bundesliga Nord: SC Isaria Unterföhring gegen RSV Rotation Greiz
84A Kg Gr.-röm. Andreas Schulze, SC Isaria Unterföhring gegen Edgar Babayan (blau), RSV Rotation Greiz

UNTERFÖHRING. Und wie! Mit einem Schultersieg in der 2. Runde gegen Andreas Schulze meldet sich Edgar Babayan nach seiner langen Verletzungspause eindrucksvoll zurück. Wie wichtig dieser Sieg war, sieht man an dem knappen Endergebnis von 21:20, trotz dessen, dass der RSV 6 von 10 Kämpfen gewinnen konnte!
Mit zwei Kleinbussen ging die Reise am Sonnabendmittag zum Auswärtskampf nach Unterföhring in die für 20 Millionen Euro neu errichtete Kampfarena mit für die Ringer eigenem Kraftraum und eigener Trainingshalle. Der SC Bavaria Unterföhring muss sich die Kampfarena lediglich mit den Turnern von Unterföhring teilen. Der Verein und die Kämpfer des RSV Rotation erwarten daher auch sehnlichst den Spatenstich für die mit wesentlich weniger finanziellen Mitteln neu zu errichtende Halle in Greiz. An dieser Stelle möchte sich der Verein recht herzlich bei dem Autohaus Horlbeck aus Greiz für die Bereitstellung eines Kleinbusses bedanken.
Begleitet wurde die Mannschaft von Rainer Marsch, der wie immer sehenswerte Fotos vom Kampfabend geschossen hat. Diese sind wie immer unter www.vogtlandspiegel.de zu sehen. Videos von den einzelnen Kämpfen werden dort in nächster Zeit auch zu finden sein.
Mit an Bord war erstmals in dieser Saison eine vollzählige Mannschaft! Und die war auch nötig, um mit einem möglichen Auswärtssieg im Gepäck, etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen zu gewinnen.
Im Limit bis 55 kg Klassisch setzte der Trainer das Vertrauen in Merlin Sewina. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Merlin sich im klassischen Stil besser aufgehoben fühlt. Die ersten beiden Runden konnte er mit 5:2 und 6:3 für sich entscheiden, ehe er seinen Gegner Marian Schwürzinger in der 3. Runde mit einem konsequenten Armdurchzug und anschließender Festhalte auf Schultern besiegen konnte. Dies war ein vom Trainer erhoffter Start in den Mannschaftskampf.
Im Limit bis 120 kg Freistil wurde dieselbe Kampfpaarung wie im Hinkampf in Greiz aufgerufen. Radoslav Bakardzhiyski gegen Sebastian Wendel. Dort konnte Sebastian den Kampf mit 3:1 Runden entscheiden, was er auch in Unterföhring wiederholte. Leider konnte Sebastian die Marschroute vom Trainer, nämlich den Kampf ohne Rundenverlust zu gewinnen, nicht umsetzen. Die erste Runde musste Sebastian abgeben, konnte sich aber in den nächsten Runden durchsetzen. In der 4. und entscheidenden Runde musste Sebastian sogar einen 0:1 Rückstand aufholen und konnte diese aufgrund der letzten erzielten Wertung für sich entscheiden.
Patryk Dworczyk bekam es im Limit bis 60 kg Freistil mit dem mehrfachen Medaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften, Andreas Walter, auch Sohn des Trainers der Unterföhringer, zu tun. In einem spannenden Kampf konnte Patryk einen 0:2 Rundenrückstand noch in einen 3:2 Sieg drehen. Dieser Kampf wurde somit zum Zünglein über Sieg und Niederlage im Mannschaftskampf. Nach den ersten beiden Runden wurden die Sorgen des Trainers größer! Trotz optischer Vorteile konnte Patryk gegen den agilen und technisch versierten Walter keine entscheidenden Wertungen erzielen. Knapp ging es in den nächsten beiden Runden mit 1:0 und 1:1 aus. Erst in der 5. Runde hatte Patryk die Übersicht, den schwer erkämpften Vorsprung weiter auszubauen und die Runde mit 3:0 zu gewinnen.
Dass Michael Völkel gesundheitlich weiter angeschlagen ist, hat man in diesem Kampf deutlich gesehen. Trotz aller Bemühungen konnte er die Niederlage im Limit bis 96 kg Klassisch nicht in Grenzen halten. Gegen das stetige Vorwärtsgehen seines Gegner Adam Varga war die konditionelle Verfassung nicht ausreichend.
Um den Mannschaftskampf siegreich zu gestalten, war es notwendig dass der RSV zur Pause eine hohe Führung vorlegte. Im letzten Kampf vor der Pause stand es 10:7 und Edgar Melkumov sollte diesen Vorsprung beruhigend ausbauen. Edgar hat übrigens in der Vorwoche auch den Titel bei den Polnischen Meistertitel der U23 errungen. Im laufenden Olympiazyklus ist Edgar somit vom polnischen Verband als Olympiakader benannt und wird auf Olympia 2016 in Rio de Janeiro vorbereitet. Mateusz Bierzanowski wurde ebenfalls Polnischer Meister der U23.
Nach überzeugend gewonnener 1. Runde mit 3:0 wurde die 2. Runde zur Schicksalsrunde für Edgar. Nach 1 Minute 30 stand es 0:0 und Edgars Gegner Manrikos Theodoridis wurde vom gut leitenden Schiedsrichter Esslinger aus Baden-Württemberg passiv gestellt. Anstatt aber die eigene Unterlage zu wählen und durch seine gute Verteidigung die Runde zu gewinnen, nahm Edgar die Oberlage ein und prompt konnte er, trotz kurzzeitiger Beinarbeit seines Gegners, keine Wertung erzielen. In der 3. Runde das gleiche Spiel im Standkampf und hier wählte Edgar dann die Unterlage und gewann durch nichttechnische Wertung. In der 4. Runde wollte Edgar dann zu viel und wurde von Theodoridis zweimal ausgekontert. Beim 2. Konter musste sich Edgar sogar noch aus einer gefährlichen Lage befreien. In der 5. Runde dann wieder 0:0 nach 1.30 Min und wieder war Edgar der Aktivere. Auch hier wählte Edgar die Unterlage und konnte die Runde mit 1:0 durch nichttechnische Wertung für sich und somit den Kampf 3:2 entscheiden.
Bei dem Halbzeitstand von 13:9 sollte es schwierig, aber nicht unmöglich werden, den Mannschaftskampf zu gewinnen.
Im ersten Kampf nach der Pause musste Michael Dengler im Limit bis 84 kg Freistil gegen Julian Stadlebauer antreten. Die Marschroute vom Trainer wurde mit einem hohen Sieg, wenn möglich 4:0 vorgegeben. Michael versuchte in den 3 Runden alles um diesen Sieg auch zu erzielen. Man merkt hier aber das ständige Gewichtmachen auf das Gewichtslimit. Ungefährdet gewann Michael die Runden 3:1, 2:0 und 3:1. Auf das Mannschaftskonto konnten somit wieder 3 Punkte für Greiz geschrieben werden.
Wegen der noch andauernden Verletzung von Radoslaw Kisiel musste wiederum Florian Sieg im Limit bis 66 kg Freistil einspringen. Den Gewichtsvorteil von 3 kg setzte Marcos Theodoridis geschickt ein und schulterte Florian in der 2. Runde. Damit verkürzte Unterföhring auf 16:13 bei noch ausstehenden 3 Kämpfen.
Sehnlichst zurückerwartet wurde Edgar Babayan nach langer Verletzungspause. Unbekannt waren Trainer und Vorstand die Verfassung von Edgar und somit der Kampfverlauf schwer einzuschätzen. Wie aber Edgar den wahrlich nicht schlechten Andreas Schulze bereits in der 1. Runde technisch überlegen mit 6:0 Punkten besiegte, war sehenswert. Das Reglement im klassischen Stil besagt, dass der Kampf im Zwiegriff (Gegner stehen sich Brust an Brust gegenüber) begonnen wird. In nahezu 100 % der Kämpfe lösen die Kontrahenten die Situation, indem beide einen Schritt zurückgehen. Nicht aber Edgar Babayan. Mit dem Pfiff des Schiedsrichters packte Edgar zu und warf seinen Gegner mit einem blitzsauberen Kopfhüftschwung zu einer 3:0 Führung. Diesen Vorsprung baute Edgar auf 6:0 aus und konnte die Runde vorzeitig für sich entscheiden. Auch in der 2. Runde lies Edgar nie einen Zweifel am Sieg erkennen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo Edgar teilweise auch sehr ruppig rang, hatte er hier seine gefühlvolle Kampfweise ausgepackt. Durch einen Hüftwurf am Boden beförderte Edgar seinen Gegner in die gefährliche Lage, wo er diesen nicht mehr losgelassen hat und mit einem umjubelten Schultersieg gewann. Edgar is back! Und hoffentlich kann er nächste Woche im Heimkampf gegen Aue seinen ärgsten Gegner, Attila Battky wieder besiegen. Allein dieser Kampf in der nächsten Woche verspricht Ringkampfkost vom Feinsten und ist bereits sein Eintrittsgeld wert.
Vor den letzten beiden Kämpfen stand es im Mannschaftskampf 20:13. Bei einem Sieg mit 3:0 und einem Sieg mit 4:0 war für Unterföhring noch ein Unentschieden möglich, sogar noch ein Sieg durch 2 Kämpfe mit 4:0.
Nun lag es an Toni Stade im Limit bis 74 kg Klassisch, dies zu verhindern. Gegen Balasz Faszekas sollte dies nicht leicht werden. In der 1. Runde nach 1.30 Min stand es 0:0 und der Schiedsrichter verwarnte Toni. Faszekas wählte die Oberlage und konnte Toni bereits ausheben, als dieser sich doch noch aus dem Griff befreien und im Standkampf weiter ringen konnte. Nun musste Faszekas anrennen, um die Runde und möglichst noch den Mannschaftskampf zu gewinnen. Toni behielt hier die Nerven und konnte einen wunderbaren Kopfhüftschwung zum 3:0 Rundensieg durchzuziehen. Damit war der Mannschaftskampf so gut wie gewonnen. In den folgenden 3 Runden war Toni nach 1:30 wieder der Passivere, aber Faszekas konnte hieraus kein Potential schlagen. Leider gab Toni in der 4. Runde eine Rolle am Boden ab, so dass er den Kampf anstatt 0:1 mit 1:3 verlor. Aber zumindest die eine erkämpfte Runde geht in seine Kampfstatistik ein. Der RSV lag somit vor dem letzten Kampf mit 21:16 uneinholbar in Front.
Im letzten Kampf des Abends musste Konstantin Sommer eine 0:4 Niederlage gegen Christian Axenbeck hinnehmen, so dass Unterföhring noch auf 21:20 verkürzen konnte.
Wie wichtig dieser Sieg im Abstiegskampf war zeigt auch der Mannschaftssieg von Werdau in Nürnberg. Somit konnte zumindest der 4-Punkte-Abstand zu Werdau gehalten werden. Werdau hat jedoch auch noch einen Kampf weniger, genauso wie die WKG Pausa-Plauen.
In der nächsten Woche kommt der FC Erzgebirge Aue zum ewig jungen Duell nach Greiz. Aue ist derzeit mit 16:4 Punkten Tabellenführer, trotzdem hoffen die Verantwortlichen und der Trainer in Greiz, dass mit einer wiederum vollzähligen Mannschaft und Edgar Babayan ein Sieg möglich ist.
Falk Schlehahn @04.11.2012

StilartSC Isaria UnterföhringgegenRSV Rotation GreizErgebnis
55kg Gr.-röm.Marian Schwürzingervs.Merlin Sewina0:4 SS
120kg FreistilRadoslav Bakardzhiyskivs.Sebastian Wendel1:3 PS
60kg FreistilAndreas Waltervs.Patryk Dworczyk2:3 PS
96kg Gr.-röm.Adam Vargavs.Michael Völkel4:0 TÜ
66Akg Gr.-röm.Manrikos Theodoridisvs.Edgar Melkumov2:3 PS
84Bkg FreistilJulian Stadlbauervs.Michael Dengler0:3 PS
66Bkg FreistilMarcos Theodoridisvs.Florian Sieg4:0 SS
84Akg Gr.-röm.Andreas Schulzevs.Edgar Babayan0:4 SS
74Akg Gr.-röm.Balazs Fazekasvs.Toni Stade3:1 PS
74Bkg FreistilChristian Axenbeckvs.Konstantin Sommer4:0 TÜ
[Gr.-röm. – Greco-Roman] = griechisch-römischen Stil / [F] = Freistilringen