Zum Thema „Azubi-Ticket“

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Busbahnhof Greiz

Der VCD zu den Darlegungen der Landrätin Frau Schweinsburg zum Azubi-Ticket im Kreisjournal 08/2019

GREIZ. Der VCD zu den Darlegungen der Landrätin Frau Schweinsburg zum Azubi-Ticket im Pressetext „Es ist Sommer, Urlaubs- und Reisezeit…“ im Kreisjournal 08/2019:

Das Azubi-Ticket Thüringen hat zum Ziel, Auszubildende mobil zu machen und in der Region zu halten. Es kostet 153,89 Euro pro Monat. Davon bezahlt der Auszubildende nur 50,- Euro. Die Differenz von 103,89 Euro übernimmt der Freistaat Thüringen. Zusätzlich erhält der Landkreis nach dem Wohnortprinzip für jedes anerkannte Azubi-Ticket einen 10-Euro-Zuschuss für die Verkehrsunternehmen. Ohne Teilnahme am Azubi-Ticket verzichtet der Landkreis Greiz auf all diese Gelder und enthält gleichzeitig den Azubis mit Wohn- oder Ausbildungsstätte im Landkreis diese kostengünstige und flexible Form der Mobilität vor.

In ihrer Positionierung im Amtsblatt hat Frau Landrätin die Frage nicht erklärt, wie die über 50,- Euro Verlust pro Azubi-Ticket entstehen würden. Einnahmeverluste entstünden u. M. n. dann, wenn Azubis in Größenordnungen die teuren Monatskarten für den Regionalbus im Landkreis bislang kaufen würden und nun auf das günstigere Azubi-Ticket wechseln würden. Diese Fahrgäste gibt es u. E. aber nicht. Diese Fahrgäste müssen erst einmal mit dem Azubi-Ticket gewonnen werden. Das Ticket hat eine Zielgruppe im Blick, die derzeit kaum bis gar nicht den ÖPNV nutzt. Mit weniger Einnahmen ist hier also nicht zu rechnen, eher ist im Gegenteil mit zusätzlichen Einnahmen durch neue Fahrgäste zu rechnen. Also kein Mehraufwand, mehr Fahrgäste, mehr Einnahmen, weniger Zuschüsse.

Egal wie man es betrachtet, im Landratsamt Greiz herrscht eine besondere Sichtweise. In ganz Sachsen, Hessen, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gilt bereits ein Azubi-Ticket, und in ganz Thüringen. Fast, der Landkreis Greiz ist der einzige, der das Azubi-Ticket Thüringen den Auszubildenden nicht anbietet und sich in Sachen öffentliche Mobilität für eine ganze Gruppe junger Menschen weniger attraktiv macht. In unseren Augen impliziert die Landrätin mit ihrer Ablehnung des Tickets indirekt, dass ihr die damit höhere finanzielle Belastung der jungen Menschen im Landkreis im Vergleich zum Rest Thüringens gleichgültig ist. Völlig konträr dazu ist die Aussage des CDU-Landrates im benachbarten Saale-Orla-Kreis, Thomas Fügmann: „Das [Azubi-Ticket] ist ein wichtiger Schritt, junge Leute in unserer ländlichen Region zu halten, die immer weitere Wege zu den Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen in Kauf nehmen müssen. Das ist eine echte Entlastung für die Auszubildenden; auch in der Freizeitgestaltung.“ In Sachsen-Anhalt fordern die Wirtschaftskammern ein Azubi-Ticket schon seit längerem mit der Begründung, Azubis im Land halten zu wollen.

Die zunehmend bessere Verzahnung von Bus und Bahn in den Fahrplänen gerade im Landkreis Greiz ermöglicht in Verbindung mit dem Azubi-Ticket Thüringen erstmals eine bezahlbare Erreichbarkeit von Wohn- und Ausbildungsstätten in der ganzen Region. Genau das ist wichtig für Schüler und Auszubildende, darum gibt es das Ticket. Spezialisierte Fachschulen befinden sich oftmals fernab von Wohn- und Ausbildungsbetrieben. Viele Fachrichtungen können nicht flächendeckend vorgehalten werden, liegen also außerhalb des Landkreises. Darum ist Mobilität so wichtig. Diese Zielgruppe sucht sich in der Regel den für sie günstigsten Weg, den sie sich leisten kann. Hohe Fahrtkosten können hier ein letztlich entscheidender Punkt sein, den Ausbildungsort gleichfalls zum neuen Wohnort zu machen. Ein solcher Schritt kann jedoch ebenso bedeuten, dass die Jugendlichen ihren Heimatkreis langfristig verlassen. Dies sollte dem von Abwanderung geplagten Landkreis Greiz nicht einerlei sein.

Das Azubi-Ticket soll die Entscheidung individuell vereinfachen, dass gar nicht erst zwischen multiplen teuren Tickets für Bus und Bahn oder einem auch zu finanzierenden fahrbaren Untersatz abgewogen werden muss. Das Ticket soll es für jeden einfacher machen und die Sorge nach der Frage zwecks Mobilität und Erreichbarkeit erübrigen. Die jungen Leute sollen sich gerade am Anfang ihres Arbeitslebens auf ihre eigentliche Ausbildung konzentrieren können und diese erfolgreich in der Region absolvieren. Eine neue Zielgruppe, die bei entsprechenden Angeboten auch künftig einmal den Regionalbus nutzen würde, gewänne der Landkreis auch hinzu. Zum Schluss kann es bei der Einführung des Azubi-Tickets Thüringen im Landkreis Greiz nur Gewinner geben. Aber dies hängt an den Entscheidungen der Landrätin.

Überraschend ist die Darlegung, dass die Busfahrer im Landkreis Greiz bezahlt werden müssen. Das erscheint uns eher als Selbstverständlichkeit als weniger ein Hinweis auf die Problematik des Azubi-Tickets. Auch Busfahrer außerhalb vom Landkreis müssen und werden bezahlt – trotz Azubi-Ticket, und egal ob sie in einem Verkehrsverbund agieren oder nicht. Außer dem Landkreis Greiz haben in ganz Thüringen, Sachsen, Brandenburg und auch darüber hinaus die Busbetriebe und Aufgabenträger keine Probleme. Uns verwundert daher schon, dass den Busunternehmern im Landkreis solch ein Misstrauen entgegengebracht wird.

Auch die Vermischung der Argumentation der Landrätin zum Azubi-Ticket mit einem VMT-Beitritt greift ins Leere, denn das Thüringer Azubi-Ticket gilt sowohl in VMT-Landkreisen wie dem Saale-Holzland-Kreis, als auch in Kreisen außerhalb des Verbundgebiets, etwa dem Eichsfeld.

Abschließend noch ein Tipp aus NRW: Ausbildungsbetriebe, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren möchten, können das Azubi-Ticket zu 100 Prozent steuerlich geltend machen, egal, ob sie die Kosten dafür anteilig oder ganz übernehmen. Relevant ist hier, dass Azubis solche Zuschüsse – oder die komplette Übernahme der Kosten – nicht als geldwerten Vorteil versteuern müssten. Jene seien seit 2019 steuerfrei.

Pressemitteilung Gilbert Weise @26.08.2019