Silvesterbräuche: Andere Länder – andere Sitten

Fürstliche Schloss und Residenzstadt Greiz 2017
Die Deutschen begrüßen das Neue Jahr traditionell mit Feuerwerken.

An dieser Stelle sollen einige Silvesterbräuche aus aller Welt genannt und kurz beschrieben werden

GREIZ. Während sich die Deutschen jedes Jahr zum Jahreswechsel einen „Guten Rutsch“ wünschen und das neue Jahr zu Silvesterpartys mit großen Feuerwerken begrüßen, sind die Bräuche in aller Welt doch grundverschieden.

Geschichtlich geht Silvester auf Papst Silvester ( † 31. Dezember 335), den Tagesheiligen des 31. Dezember zurück, der im römisch-katholischen Heiligenkalender genannt wird.

Silvester in Italien

Hier ist rote Unterwäsche in der Neujahrsnacht ein absolutes Muss. Wer glücklich und erfolgreich sein möchte, sollte diese unbedingt tragen. Zu essen gibt es traditionell Schweinshaxe mit Linsen. Die deftige Kost bringt angeblich Glück in Gelddingen.

Silvester in Frankreich

Wer den Jahreswechsel in Frankreich verbringt, darf keine ausgelassenen Feiern oder buntes Feuerwerk erwarten. In den meisten Orten des Landes geht es in der Silvesternacht relativ ruhig zu. Viele Franzosen treffen sich lediglich mit Freunden und Verwandten zum Abendessen. Statt mit Böllern und Raketen wird das neue Jahr gewöhnlich kulinarisch mit Champagner, Stopfleber (Foie gras) oder Austern begrüßt. In Städten wie Paris ist die Böllerei sogar ganz untersagt. Die größte Silvesterparty steigt in der Regel auf den Champs-Elysées. Dort feiern um Mitternacht Hunderttausende und wünschen sich „Bonne année“ (Ein gutes Jahr).

Silvester in Spanien

Hier gehören unbedingt Weintrauben zur Neujahrsnacht, die Glück bringen sollen. Um Mitternacht schieben sich viele Spanier bei jedem Glockenschlag eine Traube in den Mund. Wer sich verzählt, dem steht im neuen Jahr Unheil bevor.

Silvester in Tschechien

Hier gießen viele Familien Blei, um in die Zukunft zu schauen – noch älter aber ist der Brauch, einen Apfel zu halbieren und am Kerngehäuse das Schicksal abzulesen. Bilden die Kerne ein Kreuz, droht Unheil; in Sternform stehen sie für Glück. Finanziellen Erfolg soll nach tschechischer Tradition ein Mitternachtsessen mit Linsen bringen, die Geld symbolisieren. Die Hauptstadt Prag organisiert seit den 1990er Jahren am Abend des 1. Januar stets ein großes Feuerwerk, das Zehntausende anlockt.

Silvester in Großbritannien

Hier zündet an Silvester kaum jemand ein Feuerwerk – richtig geschossen wird im Königreich bereits am 5. November, dem Tag an dem der Offizier Guy Fawkes ein Attentat auf König Jakob I. versuchte. Organisierte Feuerwerke gibt es zu Silvester jedoch auch in Großbritannien. Das wohl größte steigt am Londoner Riesenrad „London Eye“. Dort versammeln sich Jahr für Jahr hundertausende Menschen, um das pompöse Lichterspiel zu bestaunen. Das Spektakel wird auch live im Fernsehen übertragen.

Silvester in Griechenland

Zum Neujahrsfest wird hier gezockt. Es geht hoch her bei Karten- oder Würfelspielen zu Hause oder im Kasino. Das große Neujahrszocken beginnt bereits am Abend des 31. Dezember und dauert oft bis zum Sonnenaufgang am 1. Januar. Landesweit wird legal oder illegal ein dreistelliger Millionenbetrag verspielt. Wer gewinnt, soll das ganze Jahr über Glück haben. Wer nicht gewinnt, kann wenigstens auf Glück in der Liebe hoffen.

Silvester in den USA

Vor allem im Süden der USA werden zu Silvester gerne Linsen oder Linsensuppe gegessen. Weil die Linsen ein bisschen wie Münzen aussehen, sollen sie Glück und Geldsegen versprechen. In Teilen Pennsylvanias – dort, wo früher viele Deutsche siedelten – gehört auch Sauerkraut zu den Traditionsgerichten. Dann gibt es noch die Regel „Nothing Goes Out“, nach der am ersten Tag des Jahres nichts das Haus verlassen darf, auch nicht der Müll. Wenn doch, droht Unglück

Silvester in Russland

Die für rauschende Partys bekannten Russen läuten mit dem letzten Tag des Jahres eine zehntägige Festphase ein. In der Neujahrsnacht bringen Väterchen Frost und seine Begleiterin Snegurotschka (Schneeflöckchen) die Geschenke. Im ganzen Land werden Jolka-Feste gefeiert. Gemeinsam sitzt die Familie um die Jolka (den Tannenbaum) herum und isst. Nachdem die Präsidentenrede im Fernsehen vorbei ist, wird auf das neue Jahr angestoßen.

Silvester in China

Die Chinesen begehen Silvester eher ruhig mit einem Abendessen im Kreise der Familie oder mit Freunden. Feuerwerk gibt es nicht. Umso größer wird dafür das chinesische Neujahrsfest nach dem traditionellen Mondkalender gefeiert, das in diesem Jahr auf Mitte Februar fällt. Am 16. Februar 2018 wird das chinesische Neujahr gefeiert. Dann beginnt das Jahr des Hundes, das am 4. Februar 2019 endet. Dann kommt das Milliardenreich für mindestens eine Woche praktisch zum Stillstand. In einer Völkerwanderung reisen viele Millionen Chinesen in ihre Heimatdörfer. Am Vorabend des Neujahrsfestes, das auch Frühlingsfest genannt wird, werden traditionell kleine Teigtaschen gegessen, deren Form an alte chinesische Geldstücke erinnert und deswegen Glück und Reichtum verheißen soll. Den ganzen Abend wird Feuerwerk gezündet. Diesmal werden die Chinesen das Jahr des Tigers begrüßen.

Übrigens: Dass schon die Römer den Jahresbeginn mit ausschweifenden Festen begingen, bezeugt ein Brief Ciceros (106 v.Chr. – 43 v. Chr.). Dieser fragt sich, was von den Consuln am 1. Januar zu erwarten wäre und antwortet selber „Ausschlafen der Räusche!“…

Antje-Gesine Marsch @31.12.2018