Warum ein erfahrenes Wanderteam aus Sachsen-Anhalt sich mit Wanderkarte, Notizblock, Handys und einem Lastenanhänger auf Tour machten. Zehnjähriger entdeckt Aliens.
Von Heidi Henze
Greiz. Conny Skerat mit ihrem zehnjährigen Sohn Eskil und dem Freund der Familie, Bernd Zabel, ist wohnhaft in Sachsen-Anhalt. Für eine Woche haben die Drei ihr Zuhause in Magdeburg gegen einen Aufenthalt in freier Natur getauscht. Warum die Sachsen-Anhaltiner ausgerechnet nach Greiz gekommen sind und wie sie den Elsterperlenweg erkundet haben, erfahren sie hier.
Wanderer sind erfahrungsgemäß aufgeschlossene Menschen. Die Familie fiel auf, da sie einen Gepäckwagen hinter sich herzogen. Flugs kam man mit ihnen ins Gespräch am Weißen Kreuz in Greiz.
Sie waren gerade in der Residenzstadt gestartet und wollten nach Waltersdorf. Fünf Tage hatten sie für ihre Wanderung auf dem Elsterperlenweg geplant. An dem Gründonnerstag, also vor Ostern, wollten sie wieder in Waltersdorf sein, und wir verabredeten uns, nach der spontanen Begegnung, um darüber zu sprechen, was sie auf dem Greizer Wanderweg erlebt haben und wie es ihnen gefallen hat.
Trotz Schnee-, Regen- und Graupelschauer sieben Tage lang gewandert
Vorab sei schon einmal gesagt: Sie haben trotz Schnee, -Regen und Graupelschauern durchgehalten. Die Magdeburger erlebten die Clodramühle voller Glücksgefühle und sind davon überzeugt, unbedingt noch einmal wiederkommen zu wollen. Sie wollen dieses Fleckchen Erde noch einmal erleben, wenn Bäume und Sträucher sich von ihrer schönsten Seite zeigen.
Wir wollten wissen, warum sie sich ausgerechnet den Elsterperlenweg für ihre Wandertour auserkorren haben
Natürlich hatten die Magdeburger davon gehört, dass der Elsterperlenweg für den schönsten Wanderweg Deutschlands nominiert ist. Doch noch etwas anderes war ausschlaggebend für die Tour in Thüringen: Zum einen war es die Zeit der Wanderung. Der zehnjährige Sohn Eskil hatte nur in der Woche vor Ostern Ferien (Sachsen-Anhalt). Somit war der Zeitpunkt klar definiert. Zum anderen wollten sie testen, wie es um den Gepäcktransfer bestellt ist. Hier wird das Gepäck von einem zum anderen Zielort gefahren. Die Familie hätte also ihr Gepäck nicht täglich mit auf Tour nehmen müssen. Bernd Zabel hatte in einer Fachzeitschrift gelesen, dass ein solcher Gepäcktransport von Ort zu Ort auf dem Vogtlandpanoramaweg möglich sei.
Sie wollten diese Möglichkeit ausprobieren, doch sie mussten erfahren, dass diese Möglichkeit erst ab Mai angeboten wird. Nichtsdestotrotz sollte es aber die Gegend sein. Schließlich wäre die Magdeburger Familie hier noch nie gewesen. Andere Gegenden in Deutschland haben sie bereits erkundet.
Zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Elsterperlenweges
„Deutschland ist so schön, es gibt so viele schöne Ecken zu entdecken“, schwärmt die 46-Jährige.
Da es der Vogtlandpanoramaweg aus genanntem Grund nicht wurde, suchten die Drei nach einer Alternative und wurden mit dem Elsterperlenweg fündig.
Ihr Gepäck verpackten sie in einem sogenannten Lastenanhänger, den der 63-Jährige auf der Tour hinter sich herzog. Eines aber bedauerten sie sehr: Es werden zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten in der unmittelbaren Nähe der Wanderstrecke angeboten.
Das war auch der Grund, warum sie an einigen Orten zweimal übernachteten. Das alles schreckte die Familie nicht ab, sich doch auf den Weg nach Greiz zu machen, und sie hat es nicht bereut.
Ausgerüstet mit ihrer Vorrichtung zum Transport ihres Gepäcks, wetterfester Kleidung, einem Schreibblock und Handys für die vielen Fotos, machten sie sich nach Greiz, dem Start- und Zielpunkt, auf. Von hier aus ging es bei strahlendem Sonnenschein per Beine nach Waltersdorf, von Waltersdorf nach Berga über die Clodramühle und auf der anderen Seite der Weißen Elster retour.
Nicht nur die Freundlichkeit der hier ansässigen Menschen bewunderten sie und erzählten begeistert von vielen schönen Begegnungen in den Orten. So bekamen sie spontan einen Kaffee und Getränke von zwei netten Herren in Untergeißendorf angeboten. Es wurde geschwatzt, bevor es für sie weiterging. Ein kurzer Schwatz über den Zaun gab es an verschiedenen Stellen.
In Waltersdorf, einem Ort innerhalb der Gemeinde Mohlsdorf/Teichwolframsdorf, im Museums- und Ferienhof, hatte Miteigentümer Rolf Münzner-Hempel, ein paar wertvolle Tipps für das Wanderteam parat. Er schickte sie kurzerhand nach Mildenfurth ins Kloster zum Bildhauer Volkmar Kühn. Diesen Abstecher und die kurzweiligen gut zwei Gesprächsstunden haben sie alle nicht bereut. Volkmar Kühn, der viele seiner Kunstwerke im Speicher und Skulpturengarten am Kloster Mildenfurth zeigt, ist den Magdeburgern in bester Erinnerung geblieben. „Es war sehr, sehr schön und der Künstler hat so viel zu erzählen“, sagt Bernd Zabel. „Auch Eskil hat es tapfer ertragen“, lobt die Mutter ihren Sohn. Er habe die Skulpturen als Aliens interpretiert. Das zweite Mal auf ihrer Tour ging es von Waltersdorf aus an die Talsperre. „Ein Ort, der so ruhig ist, wie ich es nur selten erlebe“, sagt die Wanderfrau.
Von Waltersdorf ging es nach Berga, wo sie im Restaurant & Camping „Am Töpferberg“ Unterkunft fanden. Auch das sei ein gastlicher Ort, der sehr zu empfehlen sei. Sie haben hier deutlich gespürt, dass sie willkommen sind.
Clodramühle verursacht tiefe Glücksgefühle
„Die Clodramühle ist ein Ort, der tiefe Glücksgefühle bei mir ausgelöst hat“, erzählt die im realen Leben als Prokuristin in einem mittelständischen Unternehmen tätige Wanderfrau, die sich der frühkindlichen Entwicklung widmen tätige Wanderfrau. Auch wenn sie sich gewünscht hätten, dass die Gaststätte geöffnet gewesen wäre, so ließen sie sich am Ufer der Weißen Elster, am Wehr, nieder. Sie falteten aus den Seiten des Notizblockes Schiffchen und veranstalteten ein Wettrennen unter den Booten auf der Weißen Elster.
Allerdings zeigte die stets mitgeführte Wanderkarte ein ziemlich beanspruchtes Bild. Regen- und Hagelschauer haben ihre Spuren hinterlassen.
Doch rundum ziehen alle drei ein positives Resümee. Sie hätten gelacht, gestaunt, die frische Luft und die Natur genossen, wären fasziniert gewesen und würden sich auf ein Wiedersehen freuen. Und auch die Stadt Greiz hätte ihnen sehr gut gefallen.
Die Wanderung hat bei den Gästen einen ganzheitlichen Eindruck hinterlassen. Schließlich sei der Alltag in Magdeburg sehr einnehmend, so Conny Skerat. Auch zu Hause in Magdeburg würden sich Eskil und Mutter Conny viel bewegen. Doch das sei nicht zu vergleichen mit Wanderungen in der Natur. Auf solchen Touren würde man ganz anders mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen.
Haben sich die Vorstellung von der Wanderung auf dem Elsterperlenweg erfüllt?
Auf alle Fälle, sagt die Magdeburgerin. Schließlich waren es am Ende gut 80 Kilometer, die sie in den vergangenen sieben Tagen zurückgelegt haben.























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