Als der letzte Urlaubstag bei der Familie Oehme anbrach, hatten sie alles vorbereitet für den Rückflug. Sie fuhren aber schon mit einem unguten Gefühl die fünfeinhalb Stunden vom thailändischen Urlaubsort Koh Shang zum Flughafen nach Bangkok. In Deutschland wurden sie am 3. März erwartet. „Wenn Johann Wadephul, Deutscher Bundesminister für die auswärtigen Angelegenheiten, sagt, es wären Reisewarnungen gegeben worden, so ist das nicht wahr. Wir haben uns als Deutsche veralbert gefühlt, schließlich sind wir Transitreisende gewesen und waren nicht in Nahost. Wir sind maßlos enttäuscht“, sagt der Familienvater.
Sie buchten sich erst einmal ein Hotel in Bangkok auf eigene Kosten. Von hier hätten sie auf dem Handy sechs bis acht Stunden und mehr alle Möglichkeiten eruiert. Auf der Website von flightradar24 konnten sie verfolgen, wo auf der Welt noch welche Flugzeuge entlangfliegen. So fanden sie ein paar wenige Flieger, doch wären diese unbezahlbar gewesen, sagt der 42-Jährige. Er nennt Preise von bis zu 15 000 Euro. Solche Summen zu zahlen, waren sie nicht bereit. Ihr Hin- und Rückflug nach Thailand habe gut 2700 Euro gekostet.
Die letzten zwei Tage überschatten einen schönen Urlaub
Schließlich musste die Familie alle Kosten selbst tragen, insgesamt waren es am Ende rund 5000 Euro. Ob sie diese zusätzlichen Kosten nebst ihrem bezahlten Rückflug jemals wieder erstattet bekommen, sei völlig unklar, so Oehme, der in der Vogtlandhalle Greiz der
Ansprechpartner für Marketing und Ticketing ist.
Die nächsten Tage wären weit davon entfernt gewesen – was fälschlicherweise Freunde und Bekannte mutmaßten – sie hätten ihren Urlaub verlängern können. „Wir saßen auf unseren Hotelbetten und haben stundenlang mit dem Handy im Internet auf allen möglichen Websites nach Flugmöglichkeiten gesucht.“ Nicht nur nach Flugzeugen, um in die Nähe von Europa zu kommen, wurde gesucht. Zudem mussten sie auch ihre Arbeitgeber, den Ausbildungsbetrieb der Tochter und auch die daheim wartende Familie informieren, nebst allen logistischen Angelegenheiten.
Odyssee über mehrere Kontinente: Familie kämpft sich nach Hause
„Die Lernkurve war an diesen Tagen enorm hoch“, zieht Oehme Resümee. 24 Stunden hätten sich die Gedanken nur darum gedreht. Zwischenzeitliche Besuche in der Botschaft Deutschlands in Bangkok und anderweitige Aktivitäten wären alle enttäuschend gewesen. „Unsere Nerven waren zum Zerreißen angespannt“, sagt er.
Schließlich habe seine Frau einen Flug mit einer Billig-Airline von Bangkok nach Shanghai gefunden. Von Shanghai ging es weiter nach Peking und von hier nach Istanbul. Geruht wurde in den Terminals auf den Flughäfen. Hier mussten sie wiederum fünf Stunden ausharren, bis sie mit dem Flieger von Istanbul nach München aufbrechen konnten.
Erste Gedanken, als die Oehmes endlich deutschen Boden betraten
„Wir sind in Sicherheit und haben es Gott sei Dank geschafft“, beschreibt Oehme den Moment der Rückkehr. „Ich möchte es nicht versäumen, mich bei den Arbeitgebern, der Familie und Freunden zu bedanken, die uns immer wieder Mut zusprachen.“ Am 10. März, also mit einer Woche Verspätung, nahm Holger Oehme seine Arbeit in der Vogtlandhalle Greiz wieder auf.
„Die gesamten Unannehmlichkeiten des Rückfluges hindern meine Familie nicht daran, wieder in die Welt zu reisen und unseren Horizont zu erweitern“, sagt er abschließend. Und das klingt nach dieser Odyssee beinahe ein wenig trotzig.
Emotional auf die Absage ihrer geplanten Reise reagiert
Denise Kirchner, die verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Greizer Vogtlandhalle ist, lauschte aufmerksam den Schilderungen ihres Arbeitskollegen, sie saugte alles regelrecht auf.
Sie wollte am 8. März mit ihrer Tochter, zum ersten Mal wieder in ihre „alte Heimat“, Melbourne reisen. Alles war vorbereitet, die Koffer gepackt, die Unterkunft bei Freunden in Melbourne war klar und so waren die beiden voller Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub. Für ihre Tochter hatte sie vorab sogar Bücher besorgt, die kindgerecht vieles über Australien erklärten.
Immer wieder sprachen die beiden darüber und freuten sich gemeinsam. An den Moment, als klar war, dass der bevorstehende Urlaub gecancelt ist, habe sie geweint. Fünf Jahre habe sie gedanklich diesen Urlaub immer und immer wieder durchgespielt, habe ihrer Tochter so manche Speise aufgetischt, die man in Australien essen wird.
