Jauchzet, frohlocket

Weihnachtsoratorium I bis III in Greizer Stadtkirche mit Bravour aufgeführt

GREIZ. Bachs Weihnachtsoratorium gehört für die meisten Menschen zum Weihnachtsfest wie der Tannenbaum oder Lebkuchen. Viele sind mit dem Werk vertraut, kennen dessen Bedeutung und Schönheit. Doch gibt es auch immer wieder Menschen, die zum ersten Mal Pauken, Trompeten und Chor jauchzen, frohlocken und die Tage preisen hören.

So wie Till Wichert, der mit seiner Frau am Freitagabend zur Aufführung des Oratoriums in die Greizer Stadtkirche St. Marien kam. Der Weidaer zeigte sich nicht nur über das frisch sanierte Gotteshaus erfreut, sondern lobte die großartige Aufführung des Werkes durch den Kantatenchor, die Solisten und die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach unter der künstlerischen Leitung von Propsteikantor Oliver Scheffels. Das Weihnachtsoratorium wurde zu Lebzeiten seines Komponisten Johann Sebastian Bach nur ein einziges Mal aufgeführt und die Menschen, die dieses tiefgründige Werk anno 1734/35 erleben durften, mussten ihr Leben lang von dessen Schönheit zehren. Was für ein Glück für uns, dieses wunderbare Oratorium jedes Jahr in der Weihnachtszeit hören zu können. Gehörten die sechs Teile des Weihnachtsoratoriums geschichtlich zum Gottesdienst, gehen die Menschen heute gezielt in die Kirche, um diese Musik in einem Konzert zu erleben.

In diesem Jahr kamen die Kantaten I bis III zur Aufführung, die mit dem donnernden Eröffnungschor Jauchzet, frohlocket schon vom ersten Ton an fesselten. Der Chor ist natürlich Inbegriff des Weihnachtsoratoriums mit den jubilierenden Geigen und Flöten, seinen Pauken und Trompeten und den prächtigen Chorgesängen. So hat Bach seine Freude über das Weihnachtsfest in Vollkommenheit ausgedrückt. Waren seinerzeit die Kirchen immer übervoll schließlich fanden hier viele gesellschaftliche Prozesse zusammen war auch die Greizer Stadtkirche an diesem 09. Dezember 2011 mit erwartungsvollen, freudigen Menschen gefüllt. Gebannt und zum Teil atemlos hörten sie zu und verfolgten das musikalische Geschehen mit höchstem Interesse. Das Weihnachtsoratorium birgt dabei den Anspruch, den Zuhörern die Weihnachtsgeschichte in besonderer Form nahe zu bringen.

Dabei wechselt die Betrachtungsweise innerhalb der Stücke zwischen dem sachlichen Bericht des Evangelisten und den emotionalen Texten der Arien und Choräle. Wilhelm Adam (Tenor) agierte von der Kanzel als Evangelist; die Arien und Rezitative wurden von Andrea Chudak (Sopran), Alena-Maria Stolle (Alt) und Daniel Blumenschein (Bass) dargeboten. Die Altistin berührte mit brillanter Stimme, konnte sich aber leider teilweise nicht gegen das Orchester durchsetzen. Sarah Stamboltsyan setzte am Basso continuo elegante Akzente, die Sinfoniker agierten in gewohnt virtuoser Weise. Souverän und elegant hatte Oliver Scheffels alle Fäden in der Hand. Der minutenlang anhaltende Beifall und die stehenden Ovationen sind beredtes Zeugnis für die hohe Qualität der Aufführung, die zu einem der Höhepunkte im kirchenmusikalischen Jahr avancierte.

Antje-Gesine Marsch @09.12.2011