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Greizer Playmobil-Ausstellung erfährt Besucheransturm

Playmobil-Ausstellung in beiden Greizer Schlössern zu sehen

Diese Büste von Hans Beck stand auf der Expo 2000 in Hannover.

Spielzeugerfinder Hans Beck wurde in Greiz geboren – Ihm wurde die Exposition gewidmet
GREIZ. Die Sonderausstellung „Spielzeugträume Playmobil“ im Oberen und Unteren Schloss lockt derzeit viele Tausend Besucher in die thüringische Schloss-und Residenzstadt. Was viele bislang nicht wussten – der Playmobil-Erfinder und Spielzeugentwickler Hans Beck (1929-2009) stammt aus Greiz.
Mit der Idee, große Ausstellungen im Oberen und Unteren Schloss zu präsentieren, beschreitet die Stadt Greiz neue Wege. Die Sonderausstellung „Spielzeugträume Playmobil“ , die gleichzeitig in beiden Residenzschlössern zu sehen ist, wurde dem Vater und Erfinder der beliebten kleinen Figuren, Hans Beck (1929-2009) gewidmet. Im Gespräch würdigte Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) das Wirken Becks, dessen Figuren einen „Erfolgszug rund um die Welt“ antraten. Seit die Firma Geobra Brandstätter im Jahr 1974 die Marke Playmobil einführte, habe sie nicht nur „eine beispiellose Entwicklung“ genommen, sondern wurde neben beliebtem Spiel- auch begehrtes Sammlerobjekt . Museumsleiter Rainer Koch stellte den Charme der 7,5 cm-großen Plastikfiguren heraus, die mit einem Lächeln und braunen Knopfaugen als Markenzeichen so ganz anders aussahen, als alle anderen Spielfiguren vorher. Eine Krise könne auch Kreativität hervorbringen, so Koch in Hinblick auf die Firma Brandstätter, die Chefentwickler Hans Beck Anfang der 1970er Jahre beauftragte, ein neues Systemspielzeug zu erfinden. Durch die ständig steigenden Ölpreise hatten sich die Kunststoffpreise verzehnfacht und die Herstellung von Kindermöbeln war unrentabel geworden. Mit dem Vorstellen der Playmobil-Figuren auf der Nürnberger Spielzeugmesse gelang Hans Beck der große Wurf.

Mit dem Neffen von Hans Beck im Gespräch
Mit dem 1963 in Greiz geborenen, heute in Erfurt lebenden Stephan Sauerbrey meldet sich nicht nur der Neffe Hans Becks zu Wort, sondern auch ein profunder Kenner , dessen Erinnerungen in die Welt seiner Kindheit als „Testspieler“ zurückführen. Seine Spielsachen, etwa die Indianer aus Gummi, seien von hoher Detailtreue geprägt gewesen; so habe er etwas „komisch“ geschaut, als Onkel Hans – der im Jahr 1948 nach Westdeutschland ging, jedes Jahr aber einmal die Mutter in Greiz besuchte – ihm die kleinen Playmobil-Figuren offerierte. Doch habe er bald herausgefunden, dass diese Figuren „mit ihrer Zurückhaltung“ der Fantasie einen großen Spielraum lassen. Dass Onkel Hans den Jungen beim Spielen ganz genau beobachtete und sich sogar Notizen machte, habe er nicht gewusst. Auch nicht, welch große Würdigung Hans Beck in seiner neuen fränkischen Heimat zuteil wurde. Anlässlich des 60. Geburtstages im Jahr 1989 durfte ein Großteil der Familie in die BRD reisen – da spürte Sauerbrey erstmals die große öffentliche Würdigung . Als der Onkel im Jahr 2009 verstarb, seien im Internet über 250.000 Kondolenzen eingegangen. Stephan Sauerbrey beschreibt seinen Onkel Hans Beck als sehr „stillen, bescheidenen Menschen“. Dass er seine gesamten Playmobil-Sammlung verkaufte, bereut Sauerbrey heute. Eine einzige Figur hatte er aufgehoben: einen Indianerhäuptling, der Stephan heißt, auf einer Platte steht und quasi das „Tischkärtchen“ der Geburtstagsfeier zum 60. war. Diese Figur schenkte er der Stadt Greiz und übergab sie Bürgermeister Gerd Grüner.

Riesige Burganlagen, 22 Vitrinen, 1000 Figuren und fünf interaktiven Spielstätten
Im Oberen Schloss haben derzeit Zeit Ritter, Burgfräulein und Piraten Einzug gehalten. Sammler Michael Bortfeld, im wahren Leben Lehrer für Mathematik und Physik, hat in der „Tonne“, dem Gewölbe des Schlosses, eine riesige, zauberhafte mittelalterliche Burg gestaltet, die zudem von hunderten Figuren belebt wird. Besonders freut es Museumsleiter Koch, dass im Fürstensaal auch „sehr frühe Arbeiten“ des gelernten Möbeltischlers Hans Beck erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden, etwa ein Piratenschiff. Anders im Unteren Schloss: In den historischen Räumen der Beletage geht es vor allem um die Herstellung der kleinen Männchen und Frauchen – von den Prototypen bis hin zu den Spritzgussformen . Dargestellt werden aber auch etwa vierzig unterschiedlichen Welten, die sich das Unternehmen im Laufe der Jahre erdachte: Da findet man die Figuren in Schlössern, beim Oktoberfest, bei einer reußischen Hochzeit, im Gebirge, in Puppenstuben oder im Freizeitpark. Und das nicht nur Museums typisch, sondern an fünf interaktiven Plätzen auch als Spielplatz für alle Generationen. „Das schönste Bild bietet sich, wenn die Gäste alle Räume in Beschlag genommen haben und ich Eltern oder Großeltern mit den Kindern auf dem Boden spielen sehe“, so Rainer Koch. So darf man das Angebot der Spieltische zumindest gern begreifen. Inzwischen besuchten schon Tausende Gäste die Ausstellung, die weit in die vogtländische Region und darüber hinaus strahlt. Zahlreiche Kindergärten, Grundschulen, Hortgruppen, aber auch Familien haben bereits mit großer Freude die Miniwelten erkundet und sich vom Zauber der Miniatur-Spielzeuge einfangen lassen.

Service:
Die Ausstellung „Spielzeugträume Playmobil“ ist noch bis 17. April 2016 im Museum auf dem Oberen Schloss und Museum im Unteren Schloss zu sehen .
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr
Eintrittspreise:
Museum Unteres Schloss, inkl. Schauwerkstatt
Voller Preis: 3 Euro
Ermäßigt: 2 Euro
Familienkarte (2 Erw. + Kinder): 7 Euro
Gruppentarif (ab 10 Erw. ): 2,50 Euro
Jahreskarte Vollpreis: 20,00 €

Museum Oberes Schloss
Voller Preis: 6 Euro
Ermäßigt: 2,50 Euro
Familienkarte (2 Erw. + Kinder): 13 Euro
Gruppentarif (ab 10 Erw. ): 4,50 Euro

Kombi-Ticket Museum Oberes und Unteres Schloss, inkl. Schauwerkstatt
Voller Preis: 8 Euro
Ermäßigt: 4 Euro
Familienkarte (2 Erw. + Kinder): 19 Euro
Gruppentarif (ab 10 Erw. ): 7 Euro

Neu:
Kombi-Card: umfasst Eintritt in das Museum Unteres Schloss , Oberes Schloss und Sommerpalais Greiz:
Erwachsene: 11 Euro
Ermäßigt: 5 Euro
Kinder bis sechs Jahre erhalten freien Eintritt

Antje-Gesine Marsch @29.01.2016

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