Geschichte in Zahlen und Fakten

Nah dran: Erste Neuauflage des Familienbuchs der evangelischen Kirchgemeinde Naitschau mit Erbengrün und Zoghaus erschienen. Dr. med. Ulf Meyer beschäftigte sich intensiv mit dem Thema Ahnenforschung

GREIZ. Ortsfamilienbücher sind im Ostthüringer Raum kaum zu finden. Vor etwa fünfzehn Jahren kam Ulf Meyer im Rahmen seiner Familienforschung im Naitschauer Pfarramt zum ersten Mal in Kontakt mit oftmals bereits verwitterten oder sehr schwer lesbaren Kirchenbüchern.

„Viele Familienforscher beklagen den immer schwerer werdenden Zugang zu den wertvollen Beständen der Pfarrarchive, gleichzeitig mühen sich zumeist Ehrenamtliche, solchen Fragen nachzugehen“, wie Ulf Meyer weiß.
Deshalb reifte in ihm der Gedanke, für die Gemeinde Naitschau und die beiden eingepfarrten Orte Zoghaus und Erbengrün ein Ortsfamilienbuch zu erstellen.

Vielleicht gelingt es damit, diesem Gebiet, ehemals in einem der kleinsten deutschen Partikularstaaten und meist abseits der großen historischen Ereignisse gelegen, etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen“, so der Anspruch des gebürtigen Greizers, der seit vielen Jahren im erzgebirgischen Scheibenberg beheimatet ist.
So durchforschte Ulf Meyer Tauf-, Begräbnis- und Hochzeitsbücher – ab 1880 auch Konfirmandenbücher – der Jahre 1630 bis 1632, 1633 bis 1709 und von 1745 bis 1945. „Leider ist ein 36-jähriger Bereich von 1709 bis 1745 nicht mehr auffindbar“, beklagt er.
Somit würden nicht nur viele Daten fehlen, sonders können auch zahlreiche Verknüpfungen zwischen den davor und danach liegenden Generation allenfalls vermutet werden.
Auch zur Naitschauer Kirche recherchierte Meyer: „Das Jahr der Erbauung der ersten Kirche ist nicht mehr zu bestimmen; die jetzige ist im Jahre 1671 geweiht worden“.
Interessant sei die vor dem Altar befindliche vermauerte Gruft, in der vermutlich die früheren Adligen beerdigt wurden.
Die aufwändige Geschichtsrecherche ist für den Mediziner, der als Leitender Chefarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Greiz tätig ist, angenehme Abwechslung zum mitunter stressigen Klinikalltag.

In unzähligen Stunden, „meistens nachts“, so Meyer lächelnd, erstellte er das Familienbuch der evangelischen Kirche Naitschau, das in zweiter Auflage von der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung (AMF) Leipzig verlegt wurde, deren Mitglied Ulf Meyer ist.

„Es sollte begrüßt werden, wenn Idealisten, ohne nach Zeit und Geld zu fragen, derartige Ortsfamilienbücher erstellen und helfen, Kulturgut zu bewahren“, wie das Lauschgrüner AMF-Vorstandsmitglied, Frank Fuchs, betont.
Das nächste Projekt hat Ulf Meyer schon fest im Blick: ein Ortsfamilienbuch für Caselwitz.

Antje-Gesine Marsch 08.10.2011