Flößerei als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit vorgeschlagen

UNESCO-Ausschuss entscheidet Ende 2022

Die Bundesrepublik hat der UNESCO vorgeschlagen, gemeinsam mit Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien die Flößerei für die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes zu nominieren. Der zuständige Ausschuss der UN-Organisation entscheidet voraussichtlich Ende 2022 über die Anträge.

„Ich freue mich, dass die UNESCO nun bald über die besondere Bedeutung der Flößerei entscheiden wird“, erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. „Dieses jahrhundertealte Handwerk hat unsere Gesellschaft geprägt. In ihm spiegelt sich unsere Wirtschaftsgeschichte. Denn ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar gewesen“, erläutert Böhmer.

Bernd Kramer, der Präsident der Internationalen Flößerei-Vereinigung, ist der multinationalen Arbeitsgruppe bestehend aus Flößerei-Vereinen, Vertretern der UNESCO-Kommissionen und Kulturministerien aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien dankbar, die fast drei Jahre an der gemeinsamen Nominierung arbeitete. Gefordert sind vor allem die Nachweise, wie das immaterielle Kulturerbe Flößerei als lebendiges Handwerk weiterentwickelt und an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Ebenso ist zu erläutern, was in den Vereinen für eine Identität stiftende, breite Öffentlichkeitsarbeit getan wird und welche Erhaltungsmaßnahmen zur Sicherung dieses Erbes durch diese Vereine, aber auch durch lokale Behörden und staatliche Stellen praktiziert werden.

Die Flößerei ist der Transport von Holz auf dem Wasserweg. Seine Hochkonjunktur (Blütezeit) erlebte das Handwerk in Europa zwischen dem Mittelalter und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nur durch die Flößerei gelang es, den damaligen Holzhunger zu stillen. Geflößt werden kann auf nahezu allen Gewässern, auf kleinen Bächen ebenso wie auf großen Flüssen. Teamwork spielt dabei eine besondere Rolle. Nur gemeinsam gelingt es den Flößerinnen und Flößern aus Holzstämmen Gefährte zu binden, die enorme Ausmaße annehmen können. So entstanden auch Flöße, die bis zu 600 Meter lang und 50 Meter breit waren.

In der den Nominierungsdokumenten beigefügten Zustimmungserklärung des Vogtländischen Flößervereins Muldenberg meint der Vorsitzende des Vereins Bernd Kramer u.a. “Unser Verein pflegt die Scheitholzflößerei als immaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik Deutschland seit der Vereinsgründung 1993 in Muldenberg. Während des alljährlichen Flößerfestes zeigen wir in einem Teil des historischen Floßgrabensystems – welcher technisches Denkmal ist -, wie Scheit- und Brennholz für den Transport vorbereitet wird und wie es über eine Strecke von fast 200 km geflößt worden ist. Dazu gehören die Vorbereitung des Holzes, die Vermessung und die Zerteilung mit Säge und Axt, die Bereitstellung von ausreichend Wasser durch mehrere Floßteiche und schließlich das Flößen selbst sowie das Herausziehen aus dem Wasser und die richtige Lagerung.

Der Ort Muldenberg trägt durch das Engagement der Vereinsmitglieder den internationalen Titel – Flößerdorf –

Unser Verein ist Mitglied der Deutschen Flößerei – Vereinigung und der International Association of Timber Raftsmen.“

Alle kommenden Veranstaltungen unseres Vereines werden im Zeichen des laufenden Nominierungsprozesses stehen, damit sich der zuständige Bewertungsausschusses der UNESCO ein umfassendes Bild über unseren Umgang mit diesem Kulturerbe machen kann.

Heute findet das alte Handwerk wieder zunehmend Verbreitung. Die Deutsche Flößerei-Vereinigung ist der Dachverband von etwa 2.100 Flößerinnen und Flößern, die in 26 Vereinen und Organisationen das alte Handwerk lebendig halten und weitergeben. Auf Flößerfesten und Floßfahrten, in Schulen und Kindergärten informieren sie über das kulturelle Erbe und die Bedeutung des Rohstoffs Holz in Vergangenheit und Zukunft. Seit 2014 ist die Flößerei in das bundesweite Verzeichnis als Immaterielles Kulturerbe eingetragen.

Tourismusverband Vogtland e.V.