Stavenhagenpreis war ein wichtiger Mosaikstein

6. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach in der Vogtlandhalle Greiz
Zwei Zugaben erklatschten sich die begeisterten Gäste des 6. Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach von der Solistin des Abends, Prof. Dr. Kerstin Feltz.

Cellistin Kerstin Feltz über Preise, Begabung, Instrumente und Fleiß

GREIZ. Am Freitagabend konnten hunderte Gäste beim 6. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach in der Vogtlandhalle Greiz die Solistin Kerstin Feltz erleben. Wie Irmengart Müller-Uri, von 1967 bis 1989 Direktorin der Musikschule Greiz im Vorfeld verriet, nahm die Cellistin im Jahr 1975, als Dreizehnjährige am Greizer Stavenhagenwettbewerb teil und wurde Preisträgerin.

In Anbetracht der vielen nationalen und internationalen Preise, die Kerstin Feltz, eine der gefragtesten Cellistinnen Europas gewann, eher ein kleiner Preis? So klein war er gar nicht, lachte Kerstin Feltz, sondern ein wichtiger Mosaikstein meiner künstlerischen Laufbahn. Der Stavenhagenpreis ist einer von vielen Referenzen gewesen, die man in der DDR sammeln und vorlegen musste, um sich als Künstler entwickeln zu können und von der Konzert-und Gastspieldirektion vermittelt zu werden. Auch ihre Geschwister gingen in die Geschichte des Greizer Stavenhagenpreises ein: Im Jahr 1974 wurde Bruder Rüdiger und im Jahr 1977 Schwester Almut Preisträger. Dem jüngsten Bruder Albrecht wurde die Teilnahme nicht gestattet, weil sich das Teilnahme-Einzugsgebiet geändert hatte, bedauert Kerstin Feltz. An den Vorsitzenden der Jury, MD Günter Heinig, konnte sie sich gut erinnern; Jahre später konzertierte sie unter seiner Leitung. Begabung und Talent sind das eine in der heutigen Zeit steht vor allem die Werbung im Mittelpunkt, mit der man sich präsentiert, so Kerstin Feltz, die vor zwanzig Jahren als Professorin an die Kunstakademie Graz berufen wurde.

Bereits als Fünfjährige bekam die gebürtige Jenaerin Cellounterricht. Von 1978 bis 1983 studierte sie Cello bei Lieselotte Piper an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar. Von 1983 bis 1987 setzte sie ihre Studien in Moskau fort. Ich spreche noch heute noch fließend Russisch, freut sich die Künstlerin, die in der Sowjetunion auch promovierte. Seit zwei Jahrzehnten setzt sich Kerstin Feltz mit großem Engagement für die Ausbildung und Förderung des Cellisten-Nachwuchses ein. An den Beginn ihrer eigenen musikalischen Karriere kann sie sich gut erinnern: Meine erste CD spielte ich mit einem geborgten Cello ein. Inzwischen sind es sechs CD`s, die die Künstlerin selbst herausbrachte. Talent, Selbstbewusstsein, Gottvertrauen und Glück nennt Prof. Dr. Kerstin Feltz als Schritte auf dem Weg zum Erfolg. Leute, die gut sind, setzen sich durch, so die feste Meinung der Künstlerin. Dass der finanzielle Part natürlich auch eine große, manchmal entscheidende Rolle spielt, verschweigt Kerstin Feltz dabei nicht. Ein gutes Instrument kostet so um die 35000 bis 40000 Euro. Diese Summe könne sich natürlich nicht jeder leisten, vor allem ihre ausländischen Studenten nicht. Mein Mann und ich unterstützen sie seit Jahren durch kostenlose Leihgaben von Instrumenten. Hieronymus Köstler ist Geigenbauer – und Experte von Weltrang.

Die Frage, worin sich die künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten in den beiden ihr bekannten Gesellschaftssystemen unterschied, beantwortet Prof. Feltz: In der DDR war es einfacher. Für die Jugendlichen gab es nicht so viele Ablenkungsmöglichkeiten, man konnte sich zielgerichtet auf seine Leistung konzentrieren. Sie selbst fühlte sich in ihrer Kreativität nicht eingeengt. Die ausgezeichnete Schulbildung, wie sie in der DDR vermittelt wurde, vermisst die Mutter von vier Kindern im neuen System. Natürlich sei das Land klein und eng gewesen, doch durch Konzerttourneen, die sie bereits im Jahr 1978 nach Finnland und 1980 nach Schleswig-Holstein führten, habe sich das für sie persönlich relativiert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, nicht wieder zurückzukehren, gesteht die sympathische Künstlerin. Besonders freute sie sich, als sie Prof. Hans-Rainer Förster, langjähriger Chefdirigent und Gründungsvertragsunterzeichner der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach am Freitagabend voller Freude umarmte. Auch unter seiner Leitung habe sie bereits konzertiert, wie Prof. Kerstin Feltz verriet.

Antje-Gesine Marsch @16.02.2014