Todesschuss für Rötlein-GrundschuleTodesschuss für Rötlein-Grundschule

Von Heidi Henze

Wenn am Mittwoch, um 17.00, Schüler, Eltern und das Lehrerkollegium auf dem Marktplatz von Zeulenroda-Triebes lautstark für den Erhalt der Rötlein-Grundschule in ihrer Stadt demonstrieren, dann wissen sie alle genau, wovon sie sprechen. 
Eine Schule, die keinerlei Anzeichen für ein Auslaufmodell zeigt, soll nach dem Willen der Mitglieder der CDU-Fraktion und AfD im Stadtrat von Zeulenroda-Triebes geschlossen werden. Den Grund, den die Mitglieder der Christlich Demokratischen Partei angeben, sei: Es werden immer weniger Kinder geboren und die Stadt leistet sich drei Grundschulen, so jedenfalls begründete CDU-Stadtrat Tom Gensike die Entscheidung im Namen seiner Parteikollegen, in diesem Jahr keine Investitionen an der Schule vornehmen zu lassen.
Zur Stadtratssitzung am 25. Februar wurde mehrheitlich der Vorschlag der CDU angenommen und sämtliche geplante Maßnahmen an dieser Schule müssen vor Beginn noch einmal durch die Stadtratsmitglieder diskutiert und genehmigt werden. 
So waren für die  Rötlein-Grundschule aktuelle Erhaltungsmaßnahmen am Gebäude in Höhe von 42.000 Euro geplant. Außerdem sollte über Bundesfördermittel ein Ausbau zu einer Ganztagsschule vorgenommen werden. Dazu hätte man in diesem Jahr mit der Planung beginnen müssen.

Für Schüler, Eltern und das gesamte Lehrer- sowie Hortkollegium war diese Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. „Weder im Vorfeld noch während der Entscheidungsphase hätte es kein einziges Gespräch mit den Verantwortlichen der Schule darüber gegeben“, sagt Kerstin Fritsch, die fast 40 Jahre an der Grundschule erst als Lehrerin und später als Grundschulleiterin tätig ist. Sie ist ebenso wie alle anderen schlichtweg schockiert. „Keiner von den Entscheidungsträgern wäre jemals für eine Besichtigung in der Schule gewesen“, sagt sie. 
Laut Information dieser Zeitung, soll just am Dienstag, dem 31. März, dieser Termin durch Mitglieder der CDU-Fraktion nachgeholt werden. Doch der Todesschuss für die Schule, in der 170 Mädchen und Jungen zum aktuellen Zeitpunkt lernen, wurde bereits mit dem zweiten Schritt vor dem ersten getan. 

Katja Kögler, stellvertretende Schulelternsprecherin und Mutter von Noah, der die Grundschule besucht, weiß, dass mittlerweile viele Eltern rätseln, ob sie ihre Kinder noch in die Rötlein-Grundschule einschulen lassen. 
Denn nicht nur die Diskussion der Mitglieder der Stadtratsfraktionen CDU/WG 24 (Wählergemeinschaft) und AfD hat Schrecken ausgelöst, vielmehr auch die konkreten Vorstellungen in der ausführlichen Begründung, die der Zeitung durch Dritte zugänglich gemacht wurden. (nachdem es der CDU trotz mehrfacher Bitten nicht möglich gewesen ist). 

Darin steht auch, dass ab dem Schuljahr 2028/29 keine Neueinschreibung in der Klassenstufe 1 erfolgt soll. Die Schulanfänger der Stadt
Zeulenroda-Triebes des Jahrganges 2028/29 werden von der Friedrich-Reimann-Grundschule und der staatlichen Grundschule Triebes
aufgenommen. Die für die Grundschule Rötlein im Haushalt 2026 geplanten investiven Mittel in Höhe von 448.000 Euro (Ganztagsschule-Mittel aus dem Bundeshaushalt) sowie 42.000 Euro für Erhaltungsmaßnahmen werden vollständig für investive Maßnahmen an den verbleibenden Grundschulen Reimann und Triebes verwendet.

In der Begründung heißt es: Laut Schulnetzplan 2024/2025 – 2028/2029 der Stadtverwaltung Zeulenroda-Triebes sinkt die Gesamtschülerzahl der Grundschüler von 2021/22 bis 2028/29 von 583 auf 467 Grundschüler. Das sind 116 Schüler weniger als 2021. Dieser Trend wird sich in den Folgejahren fortsetzen. Die Stadt Zeulenroda-Triebes ist derzeit Schulträger von drei Grundschulen (GS Rötlein, GS Reimann und GS Triebes) und 2 Regelschulen (RS Solle und RS Triebes). Dadurch soll die zwei verbliebenen Grundschulen stabilisiert werden, durch höhere Schülerzahlen und Auslastung, der Unterrichtsausfall soll durch die Übernahme der Lehrkräfte der Rötlein GS an die
beiden Grundschulen könnte es Einsparungen bei Betriebs- und Unterhaltskosten durch Wegfall eines Schulgebäudes (Reinigung, Strom, Heizung, Bauhof, Hausmeister etc.) erzielt werden. 
Karolin Höring-Riedel, Elternklassensprecherin der Klasse 1/2 b, ist mindestens ebenso schockiert und fragt sich, wo denn das C in der Partei ist, das bekanntlich für christlich steht, wenn man anfängt, bei den Kindern zu sparen. Ihr Sohn besucht nicht nur die vierte Klasse der Grundschule, sondern 2031 sollte das dritte Kind von ihr in die Rötlein-Grundschule eingeschult werden. Was sie besonders an der Schule mag? „Es ist ein junges Team, und sollte doch eine Lehrerin oder ein Lehrer ausfallen, dann ist das Kollegium stark genug, um Ausfälle zu kompensieren“, sagt sie.

Katja Friedrich, Schulelternsprecherin, gibt zudem zu bedenken, dass die ortsansässigen Firmen, wie die Firma Bauerfeind und auch das Türenwerk Neuform, bereits mit Baumaßnahmen zur Erweiterung ihrer Unternehmen begonnen haben, die insgesamt rund 300 zusätzlich Arbeitskräfte einstellen wollen. „Wenn wir junge Familien in der Stadt ansiedeln wollen, dann brauchen wir Kindergärten und Schulen“, sagt sie. Sie verstehe das Sparansinnen der CDU, doch sei es ein „falscher Weg, an Kindern zu sparen“, so ihre Aussage.
Der zehnjährige Noah-Ian Kögler kann die ganze Diskussion gar nicht verstehen. Er besucht die Rötlein-Grundschule seit vier Jahren und kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er über seine Schule spricht. Das große Außengelände, wo sie sich viel bewegen können, das Klassenkollektiv, das auch körperlich und geistig behinderte Mitschüler fest integriert hat. Ein extra Lärm-gedämmtes Klassenzimmer bietet seinem hörgeschädigten Mitschüler ein unbeeinträchtigtes Lernen, und auch die Klassenstärken von gut 20 Kindern und seine Lehrer findet er super. Er betont auch, dass er hier Respekt, fairen Umgang mit seinen Mitschülern und vor allem das Lernen gelehrt bekommen habe.
Sie alle fordern nun, dass die Aussagen, die ihre Schule zum Auslaufmodell versetzen ebenso schnell, wie angekündigt, zurückgenommen werden. Um allen Eltern eine unbeeinträchtigte Schulwahl für ihre Kinder zu ermöglichen.