Vogtlandspiegel

Greizer Heimatbote September 1962

Kulturspiegel für den Kreis Greiz

Hier macht das Lernen Freude
Foto: Wildner
INHALT September 1962
– Neue Mitglieder des DKB
– Rendezvous im Weltraum
– Ehrenvolle Auszeichnung
– Humanismus — heute
– Theorie + Praxis = sozialistische Erziehung und Bildung
– Jugend im Klub
– Hinweise für den praktischen Naturschutz
– Zur Geschichte der Obergreizer Orangerie
– Wer war Dr. Lasker?
– Peterle sucht die Heinzelmännchen
– Anfang November — Greizer Heimatkalender 1963
– Waldhaus Nässa
– Kulturelle Betätigung ist nicht Selbstzweck
– Ein Schuß im Morgengrauen
– Sommerwetter im Juni und Juli?

Heimatbote — Kulturspiegel für den Kreis Greiz, VIII. Jahrgang — September 1962 — Heft 9, herausgegeben von der Kreisleitung Greiz des Deutschen Kulturbundes in Verbindung mit dem Rat der Stadt Greiz, Abteilung Kultur. — Druck: Vereinsbuchdruckerei Greiz. ML 0 9/62 3242. Preis: DM 0,30. Preisbewilligung: Vlg. Nr. 79/56. — Anschrift des Redaktionskollegiums Greiz, Rosa-Luxemburg-Straße 58
Eine Gewähr für die Veröffentlichung nichtverlangter Artikel kann nicht gegeben werden


Als neue Mitglieder des Deutschen Kulturbundes begrüßen wir:
Ortsgruppe Greiz
Frau Albine Holstein
Herrn Martin Hartmann
Herrn Reiner Kunze (Ummeldung aus Leipzig)
Herrn Uwe Kaluse
Herrn Heinz Kostka
Ortsgruppe Elsterberg
Herrn Manfred Weber (Ummeldung aus Schleiz)
Ortsgruppe Berga
Herrn Erich Illgen
Herrn Helmut Grimm
Stützpunkt Wildetaube
Herrn Edgar Schroeck
Klub „Alexander von Humboldt“
Herrn Johannes Kleinlein
Herrn Dieter Scheffel
Herrn Rudolf Kacirek (Ummeldung)
Herrn Georg Schirlo


Deutscher Kulturbund, Ortsgruppe Elsterberg
Arbeitsplan für den Monat September 1962
Sonntag, 16. September, Gemeinschaftswanderung mit den Oelsnitzer Wanderfreunden nach der Triebtalsperre. Leitung: Bundesfreund Baumeister Naumann aus Plauen. Abfahrt 7.15 Uhr ab Bahnhof Elsterberg bis Plauen-Chrieschwitz (Sonntagskarte).
Sonnabend, 29. September, Geselliges Beisammensein mit Tanz. Ort und Zeit werden durch gesonderte Einladungen bekanntgegeben.
Im September wieder verstärkter Einsatz in Rodlera.

Rendezvous im Weltraum

Noch während des großartigen Fluges der beiden sowjetischen Kosmonauten Major Andrijan Nikolajew und Oberstleutnant Pawel Popowitsch unterhielten wir uns in einem Kurzinterview mit dem Vorsitzenden des Klubs „Alexander von Humboldt“, Bundesfreund Karl Hackel, über seine Eindrücke dazu.

Frage: Welche Gedanken hatten Sie, als Sie von der neuen sowjetischen Großtat hörten, die mit dem Gruppenflug der sowjetischen Kosmonauten Nikolajew und Popowitsch zur Zeit die Welt in Atem hält?
Antwort: Die Nachricht vom Gruppenflug der sowjetischen Kosmonauten erfüllte mich mit Stolz. Vor allem die Präzision des Gruppenfluges verstärkten mich in der Auffassung, daß das kosmische Zeitalter angebrochen ist und die Landung auf anderen Himmelskörpern nur noch eine Frage von wenigen Jahren sein kann. Die Nachricht war aber für mich auch ein weiterer Beweis für die Überlegenheit der technisch-wissenschaftlichen Forschungen im Sozialismus. Ich wünschte sehr, daß auch bei uns die Planung, die technisch-wissenschaftliche Forschung und die sozialistische Gemeinschaftsarbeit mit derselben Präzision und Exaktheit und auf diesem hohen Niveau vor sich gehen würden. Vor allem aber habe ich den einen Wunsch, daß solche Errungenschaften unseres Jahrhunderts niemals für die Vernichtung der Menschen, sondern nur für neue Triumphe der Menschheit eingesetzt werden brauchen.
Frage: In wenigen Tagen, am 1. September, feiern alle friedliebenden Menschen
den Weltfriedenstag. Welche Auswirkungen, glauben Sie, wird der Flug der beiden Raumschiffe „Wostok III“ und „Wostok IV“ für die Erhaltung des Weltfriedens haben?
Antwort: Dieser Flug der beiden Raumschiffe ist doch ein lebendiger Beweis dafür, daß der Sozialismus im Wettstreit der Gesellschaftsordnungen siegen wird. Sozialismus aber bedeutet Frieden und Fortschritt und ich bin sicher, daß derjenige, der mit dieser Präzision in den Kosmos fliegt, auch den Krieg besiegt.
Frage: Was halten Sie von dem lächerlichen Versuch der Bonner Ultras, den neuen sowjetischen Vorstoß in den Weltraum zu verschweigen oder zu bagatellisieren?
Antwort: Diese Haltung ist durchaus nicht verwunderlich. Bonn hat längst jeglichen Sinn für Realitäten verloren. Realitäten aber sind stärker. Die Wahrheit läßt sich nicht verschweigen. Der Start der beiden Weltraumschiffe beweist doch nur neuerdings die Aussichtslosigkeit der Bonner Haltung und der Bonner Politik der Stärke.

Ehrenvolle Auszeichnung

Zu Beginn des neuen Schuljahres 1962/63 möchten wir unseren Lesern die Pädagogen vorstellen, die zum Tag des Lehrers eine besondere Ehrung und Anerkennung ihrer vorbildlichen Leistungen durch die Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises erfuhren,
Zum Oberlehrer wurden befördert: Kurt Ott, Elisabeth Quapp, Gerlinde Seifert, Wolfgang Vorwieger.
Die„Medaille für ausgezeichnete Leistungen“ erhielten: Helmut Blechert, Hildemar Geidel, Rudi Geiger, Walter Güttel, Alfred Hoffmann, Rosa Kanis, Heinz Kießling, Werner Kühne, Elisabeth Lange, Herbert Meister, Hartmut Schultz, Adolf Wiedemann.
Mit der Pestalozzi – Medaille wurden ausgezeichnet. Franz Bartesch, Bruno Bauch, Margarete Bauer, Kurt Bermig, Siegfried Beyer, Klaus Blam, Vera Bolduan, Ruth Börgers, Ernst Böttcher, Liane Büchner, Werner Dietzel, Erich Dittberner, Martin Ebert, Lieselotte Endt, Hans-Georg Engler, Walter Fischer, Rolf Goldmann, Else Götz, Karl-Heinz Gräf, Johannes Groschopf, Werner Haupt, Gerhard. Hofmeister, Christa Horlbeck, Arno Jung, Gerhard Jung, Rudolf Kautzsch, Erika Klein, Ingeborg Kleiner, Siegfried Kleiner, Hedwig Kotulla, Georg Kupfer, Max Lämmerzahl, Karl Ledderhose, Hans-Wilhelm Liebetrau, Werner Liebold, Horst Kännel, Wolfgang Michel, Susanne Ohla, Arno Perthel, Helmut Przesang, Renate Querfeld, Gerhard Rabe, Clara Radler, Erna Renner, Anneliese Rüster, Werner Roth, Liane Schaller, Ingrid Scheller, Ursula Schnabel, Rudolf Schramm, Marta Schreiber, Waltraud Steiger, Marie Stüllein, Heinz Struwe, Siegfried Spindler, Edith Teutschbein, Helene Walther, Elvira Weeber,Günter Weigert, Horst Weyrauch, Werner Wötzold, Alice Wallmann, Kurt Zipfel, Max Zscheyge, Annemarie Zschögner, Heinz Gothe, Walter Heidrich, Heinz Hempel, Helmut Mesch, Hans Zimmermann, Heinz Perthel, Harry Wilke, Ursula Hartmann, Helmut Vitting, Gerhard Lorenz, Dr. Kurt Kuhlmann, Johanna Hoffmann, Werner Kanis, Heinz Schaller, Rudolf Dölz.
Prämien bekamen 55 Kolleginnen und Kollegen überreicht.
In den Betriebsberufsschulen unseres Kreises wurden ebenfalls zahlreiche Pädagogen von den Betrieben als Aktivisten ausgezeichnet oder mit der „Medaille für ausgezeichnete Leistungen“ sowie mit Prämien geehrt.
Die Kreisleitung des Deutschen Kulturbundes gratuliert allen Ausgezeichneten sehr herzlich zu dieser Ehrung und wünscht ihnen bei der sozialistischen Erziehung unserer jungen Generation im neuen Schuljahr viel Erfolg.


Niemand möge sich darüber Illusionen machen. Nur die Deutschen selbst und vor allem die friedliebenden und demokratischen Kräfte in Westdeutschland vermögen durch ihren entschlossenen und erfolgreichen Kampf den Weg abzukürzen. Nur sie können die Barrieren niederlegen, die von den in Westdeutschland herrschenden Kräften gegen die Wiedervereinigung Deutschlands errichtet worden sind.
(Aus dem Nationalen Dokument „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“)

DR. KURT KUHLMANN
Humanismus – heute
Ein Beitrag zur Vorbereitung der Zentralen Humanismus-Konferenz des Deutschen Kulturbundes

Was ist der Mensch? Welchen Sinn vermag er seinem Leben zu geben? Immer schon haben sich Menschen diese Frage gestellt und sie zu beantworten gesucht. In den letzten Jahrzehnten ist unter dem Druck der Wirren und Leiden und aus der Aufgewühltheit der Geburtsstunde einer neuen Gesellschaftsordnung ein neues, unmittelbares und inständiges Interesse am Menschen und seinem Los, seiner Herkunft und Bestimmung entstanden; ein wahrhaft humanes Interesse, das heute überall in den besten, der Zukunft verbundenen Herzen und Geistern lebt und tätig ist. „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.“ In unserer neuen sozialistischen Gesellschaftsordnung wird Goethes so tiefes Wort Ottiliens in den „Wahlverwandtschaften“ real praktiziert.
Im „Menschenbild“ wird die konkrete gesellschaftliche Praxis der Menschen widergespiegelt. Es ist eine typische Überbauerscheinung einer historischen Epoche und schließt alle jene Vorstellungen ein, die sich die Menschen über sich selbst und über die anderen machen. Diese „Modellvorstellung“ ist gesetzmäßig abhängig von der realen Situation einer bestimmten Gesellschaftsordnung. Das Menschenbild, das sich die herrschende Klasse von ihren eigenen Angehörigen macht, wird — und das ist eine Vergewaltigung und Verzerrung der Wirklichkeit — meist in metaphysischer Verabsolutierung als d a s Bild d e s Menschen schlechthin ausgegeben. „Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (K. Marx in der 6. Feuerbachthese) Wie oft wird das „Menschenbild“ der Antike (Aristoteles), das „zoon politikon“ fälschlicherweise als „gesellschaftliches Wesen“ übersetzt. Genau heißt es, daß cljr Mensch von Natur aus Angehöriger der polis, Stadtbürger, freier Bürger = Angehöriger der herrschenden Klasse ist. Der Sklave rechnet nicht dazu, er ist „beseeltes Werkzeug“ (= „spontan sich bewegend“), nicht Mitglied der Gattung „anthropos“, sondern Objekt der Kategorie des „organon“ bzw. der „mechane“. In dieser Differenzierung wird der Klassencharakter des Menschenbildes schon in der Antike schärfstens ausgeprägt.
Im Menschenbild spiegeln sich aber auch allgemeinere und relativ klassenindifferente Merkmale wider. So ist der „homo sapiens“ seit dem Aufkommen des Frühkapitalismus auch immer „homo faber“, d. h. Hand„werker“, der etwas erzeugt, „macht“ und gewissermaßen dem ungeformten „Material“ als „Macher“ gegenübertritt. Der schöpferische Geist des Menschen gestaltet. „Arts et metiers“, Kunst und Wisenschaft, Können und Wissen sind dabei unzertrennlich miteinander verbunden, sind einer Wesensart und gehören zum vollendeten Menschenbild. Das Humane und der Humanismus bedeuten deshalb für uns den Inbegriff des Bekenntnisses zu immer neuer Schöpferfähigkeit des Menschen im Hinblick auf ein menschenwürdiges Dasein, allseitige Bildung von Herz und Hand, gemeinsame Entfaltung der materiellen und geistigen Kultur und schließlich zum Menschen als dem Schöpfer seiner selbst. Insofern sehen wir in der Gesamtheit des humanistischen Denkens bisher den großen Prozeß der Selbstverständigung des Menschen über sich und sein Wesen. Alle humanistischen Leistungen der Vergangenheit betrachtet die aufstrebende Welt der Gesellschaft des Sozialismus als Schritte auf dem breiten Wege der Menschheit zu einer Gesellschaft ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.
Das Menschenbild des Humanismus, wie wir es verstehen, ist seinem Wesen nach durch die Entfaltung der Macht des menschlichen Geistes in freier Aktivität, ohne Verdunklung durch Autoritätsgläubigkeit gekennzeichnet, es betont den Wert und die Würde des Menschen, den Menschen als Schöpfer seiner selbst und souveränen Herrscher der Welt, in der er lebt. So trat in der Geschichte des Humanismus der Mensch der neuen Zeit in der Renaissance ans Licht, ein „Riese an Denkkraft und Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit“, der für den Fortschritt Partei ergriff, mitkämpfte, mitten in der Zeit lebte und webte. Der deutsche Humanismus des ausgehendeh 18. Jahrhunderts faßte noch einmal die bisherigen Ergebnisse humanistischen Denkens in Verbindung mit einer neuen Renaissance der Antike zusammen. In Herders universaler Persönlichkeit liegt gleichsam der Angelpunkt der klassischen Humanitätsidee. Er hat jeden Einzelnen aufgerufen „zum Besten der gesamten Menschheit“ aus sich selbst zu machen. „was aus ihm werden kann und soll“. Welch großes, edles Gedankengut des Humanismus behüten und pflegen gerade wir in unserem Staat in den Schriften und Werken Herders und Winckelmanns, Goethes und Schillers! Welchen großen Schwung gaben sie der Zukunft des Menschengeschlechts! Aber wie groß mußte die Enttäuschung all dieser edlen Geister über die politische Verwirklichung ihrer erhabenen humanistischen Ideale sein! Letzten Endes entpuppte sich die große Freiheit der „Denker und Dichter“ anfangs des 19. Jahrhunderts als bloße Befreiung des Bürgertums von den Fesseln der Feudalgesellschaft, als Freiheit, die für eine ganze Klasse von Menschen — die Arbeiter — zu einer noch nie dagewesenen Knechtschaft werden sollte!
Wer half dem Humanismus aus solchem Dilemma heraus? Während das Bürgertum als Klasse sich unfähig zeigte, das so großartig begonnene humanistische Denken zu vollenden, es im Gegenteil im krassesten Antihumanismus der faschistischen Barbarei zugrunde richtete, führten Hegel, Marx und Engels den deutschen Humanismus seiner wahren Bestimmung und gesellschaftlichen Verwirklichung entgegen. Die innerliche und die äußerliche Entfaltung des menschlichen Wesens, sein geistig-ethischer und sein materieller Ausdruck waren als Momente des Prozesses des Selbstschöpferischen in den Menschen hineingenommen worden. Menschsein, Menschlichkeit und Politik waren als Synthese durch Hegels große theoretische Leistung im Menschenbild aufgehoben. Von hier aus mußte alles Weitere ausgehen. K. Marx und Fr. Engels erbrachten früh den Nachweis, daß der klassische bürgerliche Humanismus sich mit historischer Notwendigkeit zum sozialistischen Humanismus wandeln muß. „Wer aus dem Bürgertum kommend auch nur einen Teil der großen Denkleistungen der reifen und noch ungebrochenen bürgerlichen Gesellschaft in sich lebendig erhalten und konsequent weiterentwickelt hat, muß heute notwendigerweise zum Sozialismus kommen.“
Ausgangspunkt für die Konzeption unseres neuen Menschenbildes ist die geniale philosophische Zusammenfassung des gesamten bürgerlichen Humanismus im Werke Hegels. Die Denkarbeit des jungen Marx vollzog dann die endgültige Trennung von der idealistischen Weltkonzeption Hegels und bahnte den Übergang auf materialistische Positionen an. Schon Hegel hatte die Arbeit als das Wesen des Menschen betrachtet, als seinen Selbsterzeugungsakt; K. Marx sah in der konkreten produktiven Gesellschaftswerte schaffenden Arbeit den Prozeß der Verwirklichung des Menschen als Schöpfer seiner selbst. In der revolutionären Veränderung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse lagen demnach die unabdingbaren Voraussetzungen für die Wiedervereinigung des Menschen mit seinem wahren Wesen. Diese theoretischen Grundlagen des jungen Marx müssen bei der Darlegung unseres neuen Menschenbildes immer in Erinnerung gebracht werden. Der arbeitende Mensch ist nicht länger von seinen vergegenständlichten Wesenskräften zu trennen. Wir können unserem Menschenbild nur wahrhaft humanistischen Gehalt geben, wenn wir mit unserer ganzen Kraft, mit wachem Verstand und leidenschaftlicher Ergriffenheit am neuen Leben mitbauen, das dem Wohl einer befriedeten Menschengesellschaft dient. Im Nationalen Dokument ist uns dieser Weg aufgezeichnet. Es ist d e r Humanismus heute, der in seiner Männlichkeit auch dafür in Harnisch gehen und nach der Erkenntnis handeln wird, daß, wer nach seiner Vernichtung trachtet, dabei umkommen wird durch die Besseren!

Zum zehnjährigen Bestehen der BBS „Junge Garde“
Theorie + Praxis = sozialistische Erziehung und Bildung
1952 Funktionsmodelle angefertigt — 1962 Handwebarbeiten für das Festival
(Fortsetzung und Schluß)

Rrrrrrr, verkündet das Klingelzeichen den Schluß der Unterrichtsstunde. Doch wer glaubt, daß nun alle Jugendfreunde dem Tore zustreben, der irrt. Vielseitig ist die außerschulische Erziehungsarbeit an der BBS und man findet überall — ob im Garten, in Keller-, ja in Bodenräumen — Interessengemeinschaften und Zirkel bei der Arbeit. Freilich, vor zehn Jahren war das noch nicht so, damals hatte man zu viele Sorgen auf organisatorischem Gebiet und es blieb der FDJ überlassen, die Freizeitgestaltung der Lehrlinge zu lenken. War die Zirkelarbeit damals auch nicht so vielseitig — ihre Ergebnisse sind zum Teil noch heute in der BBS sichtbar. Eine Interessengemeinschaft im Klub junger Techniker stellte nämlich Anschauungs- und Funktionsmodelle zum besseren Verständnis des technologischen Unterrichts her, die zum großen Teil heute noch verwendet werden. Der Fotozirkel fertigte DIA-Reihen an für den fachlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht. In der kulturellen Selbstbetätigung lagen die ersten Anfänge im Lehrlingswohnheim, wo die Jugendlichen ja auch in der Freizeit zusammen waren und sind. Eine Singgruppe und eine für Volkstanz entstanden.

Außerschulische Zirkelarbeit gehört zu den Aufgaben der Erzieher
Das ist heute selbstverständlich, doch bis sich diese Erkenntnis bei allen Kollegen durchgesetzt hatte, dauerte es eine ganze Zeit. Mit beständiger Überzeugung wurde es erreicht, wie es auch gelang, die verschiedensten Formen der Freizeitgestaltung (technische Zirkel, kulturelle und sportliche Interessengemeinschaften) zu koordinieren. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle wesentlichen Stationen in der Entwicklung der außerschulischen Arbeit lebendig werden zu lassen. Hervorgehoben sei deshalb, daß es ohne den persönlichen aufopferungsvollen Einsatz einzelner Kollegen — wir denken nur an Lehrmeister Günter Schaarschmidt, der mit einem regelmäßigen sportliChen Training begann und für sich in Anspruch nehmen darf, daß aus seiner Gruppe der spätere Deutsche Zwölfkampfmeister Siegfried Fülle hervorging sowie zwei DDR-Meister der Lehrlinge und Berufsschüler — nie möglich geworden wäre, zu erreichen, was man heute schon als Selbstverständlichkeit ausspricht. Und dazu zählen: Der Turn- und Gymnastikzirkel, der nur noch für Mädchen besteht (es wurden wiederholt Kreis- und Bezirksmeistertitel in der Einzel- wie in der Gesamtwertung erkämpft), der Volleyballzirkel (seit 1955), der seit 1956 den Titel eines Kreismeisters nicht wieder abgab und der auch zweimal Bezirksmeister wurde. Weiter zählen dazu: Ein Chor und eine Musikgruppe, die im Winter 1955 das erste Mal auftraten, was gar nicht so einfach war und ist, da die Lehrlinge in Schichten arbeiten. Für das Zustandekommen dieser beiden Interessengemeinschaften kommt besonders dem damaligen Leiter des Lehrkombinates,

Das Lehrlingswohnheim der BBS
Foto: Waldmann

Emil Hilger, das Verdienst zu. Man sollte auch nicht übersehen, daß jährlich etwa 50% der Chormitglieder ausscheiden, mit den „Neuen“ muß aber von vorn begonnen werden. Bei der Musikgruppe ist es nicht anders. Deren Leistungsfähigkeit hängt sehr davon ab, welche musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten die Lehrlinge mitbringen. Seit sieben Jahren nun sei an schulischen Feiern Chor und Musikgruppe mehr oder weniger beteiligt. Selbstverständlich konnten im Laufe der Jahre auch Instrumente (u. a. vier Akkordeons, zwei Mandolinen) und ein beachtlicher Notenbestand angeschafft werden.
Alle Lehrlinge gehen geschlossen ins Theater. Auch das ist heute nichts Besonderes, war aber 1952 im Kreis Greiz neu, denn die „Junge Garde“‚machte damals damit den Anfang. Je nach der Problematik der Bühnenwerke wird den Jugendlichen vorm Theaterbesuch eine Einführung gegeben, sei es nun durch Lehrer, Mitarbeiter des Theaters und mit Hilfe von Schallplattenaufnahmen. Dadurch erfassen die Jugendlichen Text und Musik besser, was sich vorteilhaft auf die Disziplin auswirkt. Welche Schule verfügt nicht über eine Bücherei? An der BBS „Junge Garde“ werden jährlich für etwa 200 DM Neuerscheinungen und Fachbücher hinzugekauft.
An Stelle des eingangs erwähnten Modellbauzirkels im Klub junger Techniker hat die Schule heute einen Handwebzirkel, der für die Weltfestspiele in Helsinki in diesem. Jahr Geschenke anfertigte. Jetzt arbeitet man auf die Messe der Meister von morgen hin. Der bereits erwähnte Fotozirkel besteht noch, seine technischen Einrichtungen wurden wesentlich verbessert. So konnten u. a. Vergrößerungsgerät, Belichtungsuhr, Kontaktgerät, Trockenpresse, Triluxlampe, Filmkamera AK 8, Vorführgerät für 8 mm Schmalfilm und eine ,Weltaflex“ angeschafft werden. Fotowettbewerbe werden organisiert und die besten Arbeiten prämiert. Man ist bemüht, bei den Jugendlichen den Blick für das Schöne zu entwickeln und ihnen verständlich zu machen, daß und wieviel ein Foto über die gesellschaftliche Entwicklung aussagen kann und sie selbst daran zu beteiligen. Ebenfalls beteiligt sind Lehrlinge an der Ausarbeitung der Chronik der BBS. Bis zum 10. Jahrestag ihrer Schule wollten sie den ersten Band gestalten.
Eigens für die Mädchen, die im Wohnheim die Anleitung der Mutter in häuslichen Dingen entbehren müssen, haben Erzieherinnen Zirkel für Kochen und Backen sowie einen für Nähen eingerichtet. Zur Freizeitgestaltung — und hier speziell vom Wohnheim ausgehend — gehören ferner Handarbeiten, künstlerisches Schaffen (Gipsarbeiten, Bastarbeiten), Buchlesungen, Vorträge, Wanderungen, Exkursionen u. ä.
Außerschulische Arbeit — nicht ohne FDJ und GST
Die klassenmäßige Erziehung der jungen Generation, die sinnvolle Betätigung der Jugendfreunde in der Freizeit und die Erzielung hoher Lernergebnisse — das ist der Inhalt der FDJ-Arbeit, so wurde sie zum Helfer der Lehrer und Ausbilder bei der Heranbildung junger, klassenbewußter Facharbeiter. Für die Jugendfreunde, die in der Gruppe, in der Grundeinheit oder im Heimaktiv eine leitende Funktion bekleiden, werden seit nunmehr
Im Klubraum des Heimes ist eine vielseitige Freizeitgestaltung möglich
Foto: Giebel

vier Jahren dreimal im Jahr Wochenendschulungen und wöchentliche Gruppenleiterbesprechungen durchgeführt.
„Wir arbeiten, lernen und leben sozialistisch“ ist der Leitspruch im Berufswettbewerb und in der Kompaßbewegung. Auch hier schöne Erfolge: In den letzten zehn Jahren wurde an Lehrlinge für gute Leistungen im Berufswettbewerb fünfmal die Medaille in Gold, 72mal in Silber und 135mal in Bronze verliehen. — Von Januar 1961 bis Mai 1962 wurden neben den produktiven Leistungen in Plan und Qualität u. a. 4026 gesellschaftliche Einsatzstunden geleistet, 69mal die Bedingungen für das „Abzeichen für gutes Wissen“ erfüllt, regelmäßig Patenschaften mit Pioniergruppen gepflegt, eine Kandidatengruppe der SED durch Lehrlinge gebildet und eine große Anzahl allgemein- und kollektivbildender Veranstaltungen, Vorträge und Exkursionen organisiert. Das FDJ-Schuljahr, FDJ-Versammlungen, bunte Nachmittage und Abende haben einen festen Platz im Jugendleben. (Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß die Schule einen ehrenamtlichen FDJ-Sekretär hat, der zur Leitung der BBS gehört.)
Mit der GST-Arbeit wurde an der BBS 1953 begonnen, die Ausbildung beschränkte sich auf Motorsport. Diese Einseitigkeit wurde überwunden, es kamen Schieß- und Geländesport hinzu. Nach fast zehn Jahren GST-Arbeit an der Schule gibt es heute kein GST- Mitglied mehr, das nicht in dieser Sportart ausgebildet ist. Erst übt es sich mit Karte, Kompaß, Gewehr, ehe es „auf die Maschine“ geht. Dank enger Zusammenarbeit zwischen GST-Leitung, Schul- und Parteileitung und planvollen Einsatzes der Gelder wurde erreicht, daß die Grundorganisation der GST an der „Jungen Garde“ eine der besten des Kreisgebietes ist. Zur Ausbildung stehen KK- und Luftgewehre, Karten, Kompasse. Keulen, eine Verkehrstafel, drei Motorräder und vieles andere zur Verfügung. Den Fahrlehrern der GST-Grundorganisation wurde zur Verbesserung der Ausbildung ein schuleigenes Beiwagenkrad zur Verfügung gestellt. Dem Kampfaufruf der FDJ nach dem 13. August 1961 folgten die Kameraden, indem sie eine Einsatzgruppe der Sektion Motorsport bildeten.
Allein in den letzten zwei Jahren wurden 52 Schießabzeichen, 48 Mehrkampfabzeichen, 41 Fahrerlaubnisse (34 Kl. 1, 7 KI. V) erworben. Mehrere Kreis- und Bezirksmeistertitel holten die jugendlichen GST-Mitglieder für die „Junge Garde“. Dieses Jahr belegte die Mannschaft der BBS unter 16 Mannschaften den 5. Platz in der weiblichen Jugend bei den DDR-Meisterschaften der GST im Mehrkampf.
Spricht man von der GST-Arbeit an der BBS, dann darf man die Schalmeienkapelle nicht vergessen, die sich seit 1960 (im Mai jenes Jahres trat sie zum ersten Mal auf) zu einem festen Kollektiv entwickelt hat und aus dem Leben der Schule nicht mehr wegzudenken ist.

Kollektive Feriengestaltung seit 1956
Für umfassende Vorbereitung und gutes Gelingen der gemeinsam zu verlebenden Ferien setzen sich alle gesellschaftlichen Organisationen der Schule ein, um diese Zeit alljährlich zu Höhepunkten des schulischen Lebens zu machen. Für die Erziehungsarbeit ergeben sich im Ferienlager ganz wesentliche Momente, auf die im einzelnen hier aber nicht eingegangen werden kann. Eine eigene Zeltausrüstung für 60 Personen und Luftmatratzen sind wichtige Voraussetzungen fürs Lager — von allein gekommen sind sie aber nicht, das muß betont werden, denn harter Kampf um die Planerfüllung war nötig, um die finanziellen Mittel zu erarbeiten. Und wo war man schon? Erzählungen und Lichtbildervorträge führten den Interessenten an die Ostsee, ins Elbsandsteingebirge, ins Erzgebirge und in den Harz, in den Spreewald, an die Plothener Teiche und an die Saale.

Nicht erwähnt wurde in diesem Beitrag und im Juli/August-Heft die Unterstützung, die Mitarbeiter aus Betrieben und Verwaltungen der BBS „Junge Garde“ gaben, nicht erwähnt wurde auch die frühere VVB Wolle und Seide in Greiz, deren Technische Leitung sich vor Jahren besonders die Raumbeschaffung angelegen sein ließ — nicht erwähnt wurde so manches Detail der zehnjährigen Arbeit, weil es innerhalb dieses Artikels einfach nicht möglich ist, aber es dürfte sich von selbst verstehen, daß eine so große Aufgabe wie die Bildung einer BBS und ihre Aufwärtsentwicklung nicht das Werk einzelner sein kann. Interessenten wird empfohlen, sich bei der BBS „Junge Garde“ um ein Exemplar der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen zu bemühen, die Aufschluß über viele Einzelheiten gibt (und der auch Angaben zu dieser Fortsetzung entnommen sind). Beenden wir unseren Überblick mit den letzten Sätzen aus der Festschrift der BBS: „Das Kollegium der BBS ,Junge Garde‘ ist sich bewußt, daß noch große Aufgaben zu lösen sein werden. Es geht mit dem festen Willen in das zweite Ausbildungsjahrzehnt der Schule, mit noch besseren Ausbildungsergebnissen unsere künftigen Facharbeiter, Meister und Ingenieure fähig zu machen, nach dem Sieg des Sozialismus auch die kommunistische Gesellschaftsordnung Wirklichkeit werden zu lassen.“ Dazu viel Erfolg! Das sei unser Glückwunsch zum Zehnjährigen!
A. W.

GÜNTER KUCZORA
Jugend im Klub

Eine besondere Aufgabe für den Klub „Alexander von Humboldt“ ist es, einen engen Kontakt zur jungen Intelligenz herzustellen. Oft fällt dies recht schwer. Deshalb ist es erforderlich, neue Wege zu beschreiten, um die vielfältigen Interessen unserer jungen Intelligenz im Rahmen des Klublebens zu erfassen. Ein solcher Weg sind unsere monatlichen Klubabende der Jugend, die seit April 1961 regelmäßig stattfinden. Klubvorstand, FDJ – Kreisleitung, FDGB – Kreisvorstand und Kreiskabinett für Kulturarbeit arbeiten bei diesen Zusammenkünften eng zusammen. Ursprünglich als „Treffen Junger Talente“ geplant und durchgeführt, hat sich der Charakter in der letzten Zeit doch mehr und mehr zu wirklich inhaltvollen Klubabenden verlagert.
Die Gäste dieser Abende sind solche Jugendfreundinnen und Jugendfreunde, die zur Zeit noch Schulen besuchen und später unsere Intelligenz darstellen werden. Aber auch hervorragende Arbeiter aus der Produktion unserer Betriebe sind regelniäßig zu Gast, so daß der Definition des Begriffes Intelligenz, wie wir ihn von Johannes R. Becher her kennen, wirklich Rechnung getragen wird.
Wichtig wäre es, daß diesen regelmäßigen Veranstaltungen, die stets im Klubprogramm angekündigt werden, auch von Seiten unserer älteren Klubfreunde Aufmerksamkeit geschenkt wird. Unsere jungen Freunde sollen nicht nur „unter sich“ sein, sondern im engen Verhältnis zur „älteren Generation“ wirklich Anschluß an unser Klubleben finden.
Bereits zum jetzigen Zeitpunkt liegt fest; wie die einzelnen Veranstaltungen bis zum März 1963 ablaufen sollen. Diese exakte Planung dürfte wahrscheinlich auch das Entscheidende dafür sein, daß sich die Klubabende der Jugend über einen verhältnismäßig langen Zeitraum am Leben gehalten haben. Die guten Erfahrungen, die dabei gesammelt wurden, sollte man auch für andere Klubveranstaltungen verwenden. Vielleicht wäre es auch möglich, in ähnlicher Form eine regelmäßige monatliche Veranstaltung für die Ehefrauen unserer Klubfreunde durchzuführen. Es wäre wirklich interessant, zu diesen Fragen einmal die Meinung unserer Klubmitglieder zu hören, damit der Klubvorstand entsprechende Maßnahmen festlegen kann.

HANNS CZERLINSKY (Netzschkau)
Hinweise
für die praktische Naturschutzarbeit im Monat September

Naturschutz
Der September — trotz seiner oft noch sommerlich schönen Tage — gemahnt uns doch daran, daß es in der Natur auf den Herbst zugeht. Der Blütenflor unserer Wiesen ist der Heuernte zum Opfer gefallen, einige Spätblüher erfreuen uns aber immer noch. An einigen verschwiegenen Stellen blüht der „Deutsche Enzian“ als naturgeschütztes tragender Gehölze beginnt nunmehr Kleinod. Die herbstliche Verfärbung laubtragender Gehölze beginnt nunmehr und
veranlaßt manchen Spaziergänger, sich einen bunten „Herbststrauß“ mit heimzunehmen. Bitte wollen Sie auch hierbei den Schutz unserer Gehölze beachten und nicht sinnlos Sträucher und Bäume beschädigen. Gerade in der Zeit der Umlagerung ihrer Stoffwechselprodukte sind die Gehölze gegen mechanische Beschädigungen empfindlich.
Der September gibt Veranlassung, noch einmal das Problem des „Wildvogelfanges“ anzuschneiden. Laut Naturschutzgesetz ist es den mit Fangerlaubnis ausgestatteten Fängern erlaubt, in der Zeit vom 15. September bis zum 28. Februar, die ihnen laut dieser Fangerlaubnis gestatteten Vögel zu fangen und sie an die Sammelstellen bzw. zoologischen Handlungen abzugeben. Zu jedem gefangenen Vogel gehört ein sog. Berechtigungsschein. Dieser Schein ist dem Käufer beim Kauf eines Wildvogels unaufgefordert von dem Verkäufer auszuhändigen und ist für den Erwerber der Nachweis des rechtmäßigen Besitzes. Achten Sie bitte darauf, daß Ihnen beim Kauf eines Wild- (oder Wald-)Vogels dieser Schein mit ausgehändigt wird. Kaufen Sie keinen Wildvogel direkt vom Fänger, sei er zum Fang autorisiert oder sei es gar ein unbefugter! Sie machen sich damit strafbar!
Der bevorstehende Winter sollte Sie schon jetzt mahnen, für die Winterfütterung der Singvögel vorzusorgen. Sammeln Sie Sämereien verschiedener Art, Vogelbeeren, Druschabfälle usw., um im Winter Streufutter zu haben. Sie können auch schon an bevorzugten Stellen neue Futterplätze errichten, ohne sie jedoch schon beschicken zu müssen. Sehen Sie auch bitte Ihre Nistkästen durch, vor allem, reinigen Sie dieselben von alten Nestern. Sollten die Kästen mit Ungeziefer verunreinigt sein, können Sie dieselben ruhig einmal mit einem handelsüblichen Insektenmittel ausstäuben. Beschädigte Kästen müssen repariert werden. Auch im Winter benutzen eine Reihe von Singvögeln die Kästen als Schlafplätze. Flachgedrückte Nester, aus denen beim Herausnehmen viele kleine Schuppen stäuben, zeigen Ihnen an, daß die Brut in diesem Kasten erfolgreich war. Sollten Sie einmal Fledermäuse in den Kästen vorfinden, belassen Sie dieselben darin. Sie sind selten und stehen unter Schutz. Es ist durchaus möglich, daß Sie sogar noch brütende Vögel in den Kästen antreffen. Das sind sogenannte Spätbruten, die meist noch auskommen.
Mit dem Voranschreiten des Herbstes beginnt für den Vogelbeobachter wieder eine unruhige Zeit. Die große Vogelwanderung beginnt! Der größte Teil unserer Zugvögel verläßt uns im September, der Rückzug beginnt. Wenn Sie Glück haben, können Sie große Vogelscharen ziehen sehen. In gewässerreichen Gegenden können Sie dann allabendlich das Schauspiel bewundern, daß Tausende von Staren, Schwalben oder verschiedenen Finkenarten sich in der Dämmerung sammeln und an nahen Teichen einfallen zur Nachtruhe. Sollten Sie bei Ihren Zugbeobachtungen interessante Feststellungen machen können, sind wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie das unseren ornithologischen Fachgruppen im Kulturbund mitteilen. Sie helfen uns damit, die Vogelwelt unserer Heimat zu erforschen.

RUDOLF SCHRAMM
Zur Geschichte der Obergreizer Orangerie:
Ein Pflanzenverzeichnis der Obergreizer Orangerie aus dem Jahre 1737

Mit diesem Beitrag beschließen wir eine Artikelfolge zur Geschichte der Obergreizer Orangerie, die uns auf Grund eines Verzeichnisses fremdländischer Orangeriegewächse vor nunmehr 225 Jahren Aufschluß gibt über die zu jener Zeit im damaligen Lustgarten gezogenen botanischen Seltenheiten. Die Redaktion

Am zahlreichsten und repräsentativsten scheinen um die Mitte des 18. Jahrhundert unter den ausländischen Ziergewächsen des Obergreizer Lustgartens die Citrusarten vertreten gewesen sein, von denen die Pflanzenliste nur eine besondere Art aufführt:

„Pomasina bluthrot“
Die immergrünen Bäume der Citrusfrüchte mit ihren zarten, weißen Blüten und dem unvergleichlichen Duft lassen uns an die Goetheworte denken, mit denen der Dichter das Land besingt,

„ wo die Zitronen blühn,
im dunklen Laub die Goldorangen glühn ….“

Italien, das den Dichter auf seinen Reisen tief beeindruckte, wird mit seinen blühenden Orangenhainen auch auf die Greizer Grafen, die das Land schon mehr als 70 Jahre vor Goethe bereisten, einen so tiefen Eindruck gemacht haben, daß sie den Wunsch nach Citrusbäumchen für ihren Lustgarten hegten.
Die „Pomasina“, die der Hofgärtner unter allen seinen Citrusgewächsen als ein außergewöhnliches Gewächs erwähnt, wird heute Pomeranze genannt. Sie ist die unveredelte Form der Bitterorange, also eine Schwester der Apfelsine.
Eine stattliche Zahl von ziemlich alten Exemplaren der Bitterorange in Bäumchenform, mit kugelig geschnittenen Kronen, in großen Holzkübeln gezogen, flankieren noch heute die Vorderfront des sog. Bergpalais, eines Teiles des ehemaligen Lustschlosses des früheren sächsichen Hofes, im Park zu Pillnitz bei Dresden.
Die Pomeranze wurde zu jener Zeit wegen ihrer stark duftenden Blüten gezogen. Sie wurden als Brautschmuck sowie zum Ausschmücken der Tafel bei höfischen Festen verwendet.
Zum Frischverzehr ist die Pomeranzenfrucht wegen ihres bitteren Geschmacks ungeeignet. Ihre Früchte dienen der Marmeladen- und Konfitürenherstellung. Die Pomeranzenschale wird kandiert und liefert neben dem Zitronat der Zitronat-Zitrone „Cedro“ das als Backzutat für unsere Weihnachtsstollen bekannte Orangeat.
Aus den Blüten- und den Laubblättern gewinnt man das Orangenblütenoel, das bei der Herstellung des Kölnischen Wassers eine Rolle spielt. Das Pomeranzenoel ist ein wesentlicher Bestandteil des unter der Bezeichnung „Curacao“ bekannten Pomeranzenlikörs.
Wie kein anderes Orangeriegewächs erfreuten sich die Citrusarten zur Zeit Ludwigs XIV., Friedrichs II. und August des Starken größter Beliebtheit. Sie bildeten einen wesentlichen Bestandteil der Lustgärten und Parks jener Zeit.
Die Zitronen- und Apfelsinenbäumchen zog der Gärtner in großen Holzkübeln; ihre Kronen wurden zu Kugelformen geschnitten, und so säumten sie während der wärmeren Jahreszeit die Wege der Schloßgärten. Vor Frost schützte sie die Unterbringung im Kalthaus.
Aus einer Aufstellung des Schloßgärtners Gebhard vom Jahre 1746 mit dem Titel „Von Orangerie- und anderen Gartenfrüchten, so nach Hofe und in die hochgräfliche Küche sind geliefert worden“ erfahren wir nähere Einzelheiten über Arten und Mengen von geernteten Citrusfrüchten – Es wurden geerntet:
605 Stück Orangen
294 Stück Pomeranzen
179 Stück Zitronen
Einen Teil lieferte der Hofgärtner in die Hofküche, der Rest wurde verkauft.
Diese erstaunliche Zahl von mehr als 1000 geernteten Citrusfrüchten läßt eindeutig erkennen, welchen großen Bestand an tragfähigen Apfelsinen-, Pomeranzen- und Zitronenbäumchen die damalige Orangerie des Obergreizer Lustgartens aufzuweisen hatte. Hinzu kamen — wie aus einem älteren Pflanzeninventar des Hofgärtners Gebhard hervorgeht — Feigen- und Granatbäume, Zypressen, vergoldeter Buchs, Yucca gloriosa (Prachtaloe) u. a.
Diese Aufstellung über den Ernteertrag an Citrusfrüchten während eines Jahres führt noch folgende Mengen und Arten an:
„66 Stück Maikirschen,
18 Kannen ¹) süße oder Herzkirschen,
46 Stück frühe Aprikosen, 21 Stück Melonen,
71 Stück Feigen,
20 Kannen Johannisbeeren,
12 Kannen Stachelbeeren,
6 Kannen Erdbeeren,
38 Kannen Hol. Sauerkirschen,
60 Stück Weintrauben,
3 Schock gelbe Marunken,
4 Schock rote Marunken,
2½ Schock ungarische Pflaumen,
1½ Scheffel ²) 2 Näpfe ordinäre Pflaumen (= Hauspflaume, d. V.)
im Oberen Garten, ohne die im Oberen Berggarten,
½ Scheffel Frantzbirnen ³),
2½ Scheffel Frantzäpfel,
½ Napf Margarethen-Birnen,
¼ Napf Porschdorfer Apfel,
11 Schock 2 Viertel 1 Napf Hochobst, ord.,
28 Schock Rosen, ohne die Blumen und Kräuter.“
Die Einnahme aus dem Verkauf von Südfrüchten, Obst und Rosen betrug rund 168 Taler. Die hier erwähnten, heute kaum noch auf unseren Sortenlisten verzeichneten „Borsdorfer Äpfel“ sind eine kleine Renettenart von eigentümlichem, süß-weinigem Geschmack. „Borsdorfer Äpfel“ aus dem Gebiet um Leisnig (Bezirk Leipzig) waren häufig auf den Leipziger Messen zu finden. Bereits 1812 kauften russische Handelsleute den größten Teil dieser Apfelsorte auf und verkauften sie sorgfältig verpackt auf den Weihnachtsmärkten von Moskau und Petersburg als „Sächsische Apfelsinchen“.

Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert und noch einige Jahrzehnte danach spielte die Repräsentation als wichtiger Teil der Staatspolitik an den deutschen Fürstenhöfen in dem zersplitterten Deutschland eine ganz besondere Rolle.
Zu jener Zeit genoß der Fürst von seinen Standesgenossen das höchste Ansehen, der die reichste und verschwenderischste Hofhaltung führte. Als besonders repräsentativ, kostbar und bestaunenswert galten zu jener Zeit bestimmte Kuriositäten, Raritäten, ja sogar „Wunderdinge“ der seltsamsten Art. Diesem Wunsch eines Fürstenhofes, seinen Glanz und Reichtum nach außen hin zu repräsentieren, verdanken die Schatz- und Wunderkammern der sächsischen Kurfürsten — vor allem August des Starken — und die Naturalien- und Raritätenkabinette anderer absolut regierender Fürsten um etwa die gleiche Zeit ihre Entstehung.
Die Mittel der Repräsentationswaren jedoch nicht immer die gleichen. Sie wandelten sich im Laufe der Zeiten im Zuge der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung.
So standen den Greizer Grafen selbstverständlich ungleich geringere Geldmittel aus Steuern, Abgaben, Fronleistungen usw. der ausgebeuteten Bauern des kleinen Greizer Landes zur Verfügung, die nicht im entferntesten ausgereicht hätten, zum Erwerb von prunkvollen „Kunststücken“ und „Wundern“ aus Gold, Silber und Edelsteinen, aus Bergkristall und Elfenbein.
Da war die Anlage eines kleinen Lustgartens und der Bau, die Ausstattung und Unterhaltung einiger Orangeriehäuser mit einer Reihe botanischer Seltenheiten aus fremden Ländern ein weitaus billigeres Repräsentationsmittel. Zu jener Zeit wurde das kleine Obergreizer Land mit seinen 35 Dorfgemeinden und den beiden Städtchen Greiz (nur zur Hälfte) und Zeulenroda stellvertretend für den noch unmündigen Graf Heinrich XI. Reuß von Plauen ä. L. von seinem Vormund Heinrich XXIV. Reuß-Köstritz während der Jahre 1722 bis 1743 regiert.
Daraus ist ersichtliCh, daß der für die Ausstattung der Orangerien mit exotischen Gewächsen verantwortliche Hofgärtner Tobias Gebhard mindestens während dieser mehr als 20 Jahre viel freie Hand beim Erwerb von Orangeriegewächsen gehabt haben muß. Während seiner mehr als 40jährigen Tätigkeit als Schloß- und Hofgärtner (1715-1756) erfuhr der Obergreizer Lustgarten seine grundlegende Umwandlung im Stil eines Renaissancegartens. Wenn in der Literatur über den Greizer Park Graf Heinrich XI. als „Freund der Wissenschaften und Künste“, als „Mann .von Geist und Geschmack“ gepriesen und ihm das Alleinverdienst um die gartenkünstlerische Gestaltung des Lustgartens zu jener Zelt zugeschrieben wird, so muß auch einmal auf das hohe fachliche Können seines tüchtigen Schloßgärtners Tobias Gebhard hingewiesen werden.
Überschaut man noch einmal die hier besprochenen und während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Obergreizer Orangerie gezogenen Gewächse, so lassen sich zusammenfassend folgende Feststellungen treffen: In dem sicherlich weit umfangreicheren Orangeriebestand befanden sich einige Arten, die – mit den Worten des Schloßgärtners zu sprechen — tatsächlich zu den botanischen Seltenheiten und Kostbarkeiten jener Zeit zählten und erst seit wenigen Jahren oder Jahrzehnten ihren Weg aus Übersee in die Schloß- und Universitätsgärten Europas gefunden hatten.
Es entsprach zu jener Zeit dem Wunsch eines kleinen, repräsentationshungrigen reußischen Potentaten, mit dem Besitz und dem Zur-Schau-Stellen bestaunenswerter Pflanzenraritäten ein gewisses Sensationsbedürfnis feudaler Hofkreise und anderer Orangeriebesucher befriedigen zu können. Und so staunte man über den Riesenwuchs von Blättern und Blütenständen der Bananenstaude, über die rätselhafte Verhaltensweise der von Menschenhand berührten Sinnpflanze, erging sich in Lobpreisungen über die Geschmackseigenheiten der Ananas. Man fand höchst „curiös“ die Früchte des Erdbeerbaums, bewunderte den bizarren Wuchs einiger Kakteen, die seltsamen Blütenformen von Iris und Jacobslilie, fand höchst reizvoll den Kaffeebaum im Schmuck seiner Blüten und begehrenswerten Früchte und wußte schließlich zu schätzen die köstlichen Duft- und Aromastoffe der Apfelsinen und Zitronen.
Quelle und Literatur:
Landesarchiv Greiz, Neues Rep., Kap. Gärten Nr. 4
Ilse Stappenbeck, Der Park zu Greiz, Zeulenroda 1939
Zedler, Großes Universal-Lexikon, Halle und Leipzig, 1732 bzw. 1733
Dr. Johann Georg Krünitz’s ökonomisch-technologische Encyklopädie, Berlin 1810
Rudolf Schramm, Wiederauffindung eines Riesengemäldes im Greizer Sommerpalais, Greizer Kulturspiegel, Jahrgang 1961 Heft 9
Dr. Werner Becker, Nachbemerkung zu vorigem Artikel, ebenda
Rudolf Schramm, Eine Treibehütte für den Pisangbaum und andere Exotika, ebenda, Jahrgang 1962 Heft 3 und Ein Pflanzenverzeichnis der Obergreizer Orangerie aus dem Jahre 1737, ebenda, Jahrgang 1962, Heft 4, 6, 7/8

¹) Kanne = rd. 1½ Liter
²)Scheffel = rd. 175 Liter
³) Frantzobst (= Spalierobst) waren edlere Obstsorten, besonders Kernobst, die als Zwergobst an Formbäumen gezogen worden.

CURT ZIMMERMANN
Wer war Dr. Lasker?

Werte Schachfreunde, diese Frage wurde in der Sonntagsausgabe des „Neuen Deutschland“ vom 15. 7. gestellt. Es ist sehr richtig und auch wichtig, der gesamten Schachwelt die Erinnerung an diesen einmaligen König des edlen Schachspiels wach zu rufen. Alle Schachfreunde, des bin ich gewiß, werden es begrüßen und für richtig finden, diesem Schachheros, welcher die gesamte Schachwelt in den Bann seiner Meisterspiele zog, ein paar Worte dankbarer Würdigung und Anerkennung im „Greizer Kulturspiegel“ widmen zu können. Dr. Lasker war überhaupt der berühmteste aller Meister in Deutschland 27 Jahre hindurch, er war also länger Weltmeister als irgend ein anderer. In neun großen internationalen Turnieren blieb er der unbestrittene Weltmeister und errang den 1. Preis. 1868 geboren, trat er erst 1890 als Schachspieler auf und schlug 1894 bei einem Londoner Match den damals anerkannten Meister Steinitz. In einem zweiten Kampf im Jahre 1896 siegte er über Steinitz und wurde Weltmeister. Er behauptete sich in weiteren schweren Turnieren gegen Schlechter, Dr. Tarrasch, Marshal und Janowski, ebenfalls Kapazitäten von Ruhm und Ansehen in den 90er Jahren. Die besondere Stärke Laskers konzentrierte sich auf das Endspiel, er lehnte das Festhalten an Varianten ab. Seine Siegeslorbeeren erwarb er in allen Hauptstädten der Welt mit dem 1. Preis, die gesamte damalige Schachwelt huldigte ihm.
Dr. Lasker studierte Mathematik und Philosophie und veröffentlichte mehrere Arbeiten auf diesen Gebieten. Sein Werk „Das Begreifen der Völker“ gibt beredtes Zeugnis davon. daß er auch ein guter Deutscher war und alles Dogmatische in der Politik ablehnte, sich dabei aber auch über die Vorurteile seiner Klasse gegenüber dem Kommunismus und der Sowjetunion hinwegsetzte. Als der braune Terror in Dresden den Juden Lasker vertrieb, fand er eine neue Heimat in Moskau und wurde dort in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen, 1941 starb er an einer schweren Erkrankung. Für die Schachwelt schrieb er das „Lehrbuch des Schach’s“ sowie „Brettspiele der Völker“.
Abschließend sei gesagt: Die hervorragenden Meisterspiele dieses begnadeten Meisters haben der gesamten Schachwelt so viel Schönes und Wertvolles gegeben und hinterlassen, so daß auch wir in Greiz, sei es der Schachklub selbst oder auch die Sparte Schach im Klub „Alexander von Humboldt“ zur Ehre und zum Gedächtnis an den großen Meister Dr. Emanuel Lasker, wie auch in Berlin, ein Gedenkturnier stattfinden lassen. Alle Schachfreunde sind hierzu aufgerufen. — Die nächsten Treffpunkte Schach finden am 5. und 19.September im Klub „Alexander von Humboldt“ statt.

KARIN PRÜFER
Mitglied des Zirkels schreibender Arbeiter im DKB, Ortsgruppe Greiz
Peterle sucht die Heinzelmännchen!

Morgen kommt Peterle zur Schule. Sein Schulranzen liegt schon im großen Kleiderschrank. Gleich daneben hängt ein ganz neuer Anzug mit langen Hosen. „Peterle, fall‘ mir nicht in den Kuchenteig“, droht Mutti lachend, als er gerade naschen will und steckt ihn zur Küchentür hinaus. In der Stube surrt der Staubsauger, dort kann man Peterle auch nicht gebrauchen. Da klappt die Tür zum Kinderzimmer. „Laß mich vorbei, Peterle“, ruft sein großer Bruder Werner und bindet das blaue Halstuch um, „ich hab‘ es eilig.“ Damit will er zur Flurtür hinaus. Doch Peterle hält ihn fest. „Du hast mir versprochen, die Geschichte mit den Heinzelmännchen und den Zuckertüten zu erzählen, und was man verspricht, muß man halten.“ „Hast recht, kleine Gurke, na, komm schon!“ Dabei schiebt Werner den Kleinen ins Kinderzimmer. Peterle will erst beleidigt sein wegen der „kleinen Gurke“. Aber er hat gar keine Zeit dazu, denn Werner erzählt schon. „Morgen früh, wenn du zum ersten Mal zur Schule gehst, wird auf dem Schulhof ein großer Baum stehen mit starken Ästen. Daran wachsen die schönsten bunten Zuckertüten — rote, gelbe, blaue und grüne. Auf jeder Zuckertüte steckt ein kleines Zettelchen mit dem Namen des Kindes, dem sie gehören wird.“ „Und wer hat das alles getan?“ fragt Peterle. „Das weißt du doch, die Heinzelmännchen! Du wirst es ja morgen selbst sehen, aber nun muß ich ganz schnell weg, mach’s gut, Kleiner!“ Wupp, fällt die Korridortür ins Schloß. Weg ist Werner.„Einen Zuckertütenbaum mitten im Schulhof von den Heinzelmännchen gepflanzt — gibt es denn das überhaupt?“ Peterle schüttelt den Kopf. „Da müßte der Baum doch schon im Schulhof stehen. Vielleicht hängen doch schon Zuckertüten daran. Ich muß unbedingt sehen, ob das stimmt“, sagt Peterle zu sich selbst. Dann flitzt er auch schon die Treppen hinunter, stößt beinahe mit Herrn Müller zusammen und verschwindet um die Ecke. Atemlos steht er vor dem hohen Plankenzaun, der das rote Schulgebäude umschließt. Der ist viel zu hoch, daß Peterle drüberschauen könnte. Da quietscht auch schon das große Eisentor, und der kleine junge schlüpft in den Schulhof. Doch so sehr sich Peterle auch anstrengt, er sieht keinen Zuckertütenbaum. Vielleicht wird er von den Heinzelmännchen erst nachts gepflanzt und mit Zuckerwasser begossen, damit bis morgen die Zuckertüten reif sind?
Aber dort! Was lugt denn da unter einem Tuch auf zwei großen, langen Tischen hervor?
Vorsichtig schleicht Peterle zu den Tischen und Stühlen, die am Ende des Schulhofes unter einem mächtigen Pflaumenbaum aufgestellt sind. Flink schiebt Peterle das Tuch etwas zur Seite. Da leuchten ihm Zuckertüten in allen Farben entgegen. Aber — sie sind ja alle leer! Da kann doch etwas nicht stimmen. Während Peterle ganz scharf nachdenkt, hört er mit einem Mal Stimmen. „Die Heinzelmännchen, nur schnell weg von hier“ ruft er vor Freude ganz laut. Dann verschwindet Peterle blitzschnell hinter einer alten Regentonne, die unter dem Pflaumenbaum aufgestellt ist. In den Schulhof kommen Mädels und Jungen. Das sind Pioniere, stellt Peterle fest, als er die blauen Halstücher sieht. Da — ganz vorn schleppt sein Bruder mit noch einem Jungen einen schweren Wäschekorb. Alle lachen und erzählen durcheinander. „Hier, stellt den Korb auf zwei Stühle“, ruft ein Mädel mit blondem Pferdeschwanz und rennt an Peterles Versteck vorbei. Sein Herz klopft zum Zerspringen. Plumps, setzt Werner den großen Korb auf die Stühle. Schnell ist Werner von den anderen umringt. „Hier, schaut mal, Drops-und grüne Gummischlangen für die Zuckertüten unserer Schulanfänger“, und Werner schüttet alles auf den Tisch. „Und hier, Schokoladenringe und Äpfel“, rufen zwei Mädels. Peterle läuft das Wasser im Munde zusammen. Schnell leeren fleißige Hände den Wäschekorb noch ganz aus und verteilen alles in die Zuckertüten. „Unsere Plätzchen sind fertig!“ schreit plötzlich jemand im Schulhaus. Heraus stürmen drei Mädels mit drei großen Kuchenblechen voller Plätzchen. „Hm, die duften fein“, lobt ein dicker Junge mit Sommersprossen auf der Nase. „Wir sind ja auch richtige Hausfrauen“, lacht das Pferdeschwanzmädchen. Dann verschwindet auch das süße Gebäck in den bunten Zuckertüten, die von den Mädels mit hübschen Schleifen zugebunden werden. „Unser Geld von der Altstoffsammlung hat gerade für die Süßigkeiten gereicht“, sagt Werner zu den anderen.
Peterle spitzt hinter der Tonne die Ohren. Deshalb sammelten die Pioniere besonders in letzter Zeit so viel altes Papier, Lumpen, Knochen und Gläser. Sogar Plätzchen hatten sie gebacken. Nicht für sich — nein. Sie wollten anderen Kindern, die noch gar kein Halstuch trugen, eine Freude bereiten. Und Werner, sein großer Bruder, half dabei. Peterle bekommt vor Stolz ganz rote Ohren. Inzwischen stellen die Jungen in der Mitte des Schulhofes eine hohe, grüne Birke auf. Auf einer Treppenleiter steht Werner und hängt die Zuckertüten, die ihm die anderen Pioniere zureichen, an ihre Äste.
Peterle verläßt heimlich den Schulhof. Als Werner nach Hause kommt, träumt er schon von einer riesigen Zuckertüte.
Auf dem Kalender steht „3. September“. Heute ist endlich der erste Schultag! Die Sonne scheint auf den geschmückten Schulhof, wo viele festlich gekleidete Menschen stehen. Die Schulanfänger halten stolz ihre süße Last vom Zuckertütenbaum in den Armen. Peterle trägt eine besonders schöne Zuckertüte — rot ist sie, mit bunten Punkten und einer goldenen Spitze. Fast alle Pioniere umringen Werners kleinen Bruder. Peterle hält ihnen die geöffnete Tüte hin: „Hier, kostet bitte mal, ihr fleißigen Heinzelmännchen!“ Die Pioniere schauen sich an. „Wieso sind wir denn Heinzelmännchen?“ fragt der dicke Junge.
„Weil ich habe gestern hinter der Tonne alles gesehen“, stottert Peterle und bekommt rote Ohren. „Sieh man einer an“, lacht Werner, „so einer bist du!“ „Ich wollte ja nur die Heinzelmännchen sehen“, verteidigt sich Peterle, „und das seid ihr gewesen!“ Jetzt lachen alle. Da stellt sich Peterle flink auf die Zehenspitzen und flüstert Werner ins Ohr: „Du, ich möchte auch recht bald ein blaues Halstuch tragen!“
„So, warum denn?“ fragt Werner ebenso leise und zwinkert dabei mit dem linken Auge. „Weil ich auch so ein Pionierheinzelmännchen werden möchte wie du — wie ihr alle!“ sagt Peterle laut.

Anfang November / Greizer Heimatkalender 1963
Wenn auch das Jahr 1962 noch gute vier Monate dauert, wollen wir doch schon heute auf das Erscheinen des „Greizer Heimatkalenders“ aufmerksam machen. 1956 erstmalig erschienen, hat sich dieses kleine Büchlein von Jahr zu Jahr einen breiteren Interessentenkreis erworben. Viele Leser des Kalenders schrieben uns, welches große Interesse auch in diesem Jahr dieser, von der Kreisleitung des Deutschen Kulturbundes Greiz herausgegebenen Publikation entgegengebracht wird. Wir erhielten im Verlauf der Jahre auch manche kritischere Hinweise. Besonders ungehalten waren viele Leser, als im Jahr 1960 kein Heimatkalender erscheinen konnte. Anfang November wird es nun soweit sein, und der „Greizer Heimatkalender 1963″ soll dann in Ihrem Besitz sein. Gegenwärtig bemühen sich die Mitglieder der Redaktionskommission um eine gute Ausgestaltung und um einen vielseitigen Inhalt des Kalenders. Wie im Kalender 1962 werden auch für 1963 wieder Abbildungen auf Kunstdruckpapier, sowie Fotos im Kalendarium aufgenommen. Das Kalendarium wurde erweitert und enthält in der neuen Ausgabe insgesamt 305 kulturgeschichtliche Angaben aus der engeren und weiteren Heimat. Die Redaktionskommission legt wieder großen Wert darauf, daß der Kalender rechtzeitig zur Auslieferung gelangt, denn viele Greizer Einwohner senden ihn zum Weihnachtsfest an ihre Angehörigen und Freunde. Mit dem „Greizer Heimatkalender“ wollen wir all diesen Freunden einen kleinen Einblick in die Entwicklung unseres sozialistischen Lebens und unseres friedlichen Aufbauwerkes geben.
Durch die starke Nachfrage im vergangenen Jahr entschlossen wir uns, auch in diesem Jahr Vorbestellscheine auszugeben, die dieser Ausgabe des „Heimatboten“ beiliegen. Der Heimatkalender 1962 war bereits im Dezember 1961 restlos vergriffen. Mehr als eintausend zu spät eingegangene Bestellungen konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden.
Wir bitten deshalb alle Leser des „Heimatboten“, den „Greizer Heimatkalender 1963′ umgehend in einer der Greizer Buchhandlungen, in der Volksbuchhandlung Elsterberg oder im Kreissekretariat des Deutschen Kulturbundes Greiz zu bestellen.
Einen Überblick zum Inhalt des Kalenders sowie Leseproben geben wir Ihnen im „Heimatboten“ Oktober 1962.


Antiquitäten
Glas, Porzellan, Töpfereien • Handwerkszeug • Hausrat aus Zinn, Kupfer, Messing • Bilder, Bücher, Karten oder Pläne • Möbel und hölzerne Gebrauchsgegenstände • reußische Münzen • Waffen und Jagdgerät • Kleider, Trachten, Uniformen, Bildgewebe und Druckstoffe • Spielzeug und vieles andere
suchen wir ständig für unsere Sammlungen
HEIMATMUSEUM GREIZ (Unteres Schloß)

ERNST BÖTTCHER (Langenwetzendorf)
Waldhhaus Nässa

Am Rande des Pöllwitzer Waldes an der Straße von Mehla nach Neuärgerniß liegt versonnen und von schöner alter Baumgruppe beschirmt das Waldhaus Nässa. Es wurde um 1835 von der Forstverwaltung der Herrschaft Reuß jüngerer Linie als Jagdhütte errichtet. Das Haus wurde bis zum Dachansatz in Lehmstockart gebaut. Damit der Lehm richtig austrocknete, dauerte der Bau mehrere Jahre. Anfänglich diente das Haus wahrscheinlich einem Waldwärter oder Waldläufer als Unterkunft. Später ging es in Privatbesitz über.
Seit 1842 liegt auf dem Haus die Schankkonzession. Die ersten Privateigentümer der Schankstätte waren Steudel aus Hohenleuben und danach Geßner aus Mehla. Seit 1887 ist es im Besitz der Familie Hirsch. Ursprünglich gehörte es in die Gemarkung von Hohenleuben, kam nach dem ersten Weltkrieg vorübergehend zu Triebes und dann zum nächstgelegenen Ort Mehla.
Bis vor rund 40 Jahren gab es in der Nähe von Nässa in der Abteilung 23/24 noch Auerwild. Auf Anordnung der Geraer Herren wurde das seltene Wild von den Förstern gehegt. Zur Abschußzeit erschienen dann fürstliche Jagdkaleschen, später auch Autos in Nässa. Nachdem Forstbedienstete die Auerhähne ausgemacht hatten, knipsten sie dann die Geraer Hofjäger „waidgerecht“ ab.
Otto Hirsch übernahm, wie schon erwähnt, das Waldhaus Nässa (im Volksmund kurz „Näß“ genannt) im Jahre 1887. Er hatte in Berlin die Plüschweberei gelernt und richtete nun hier auf seinem neuen Besitztum eine Plüschweberei mit zwei Handwebstühlen ein. Er arbeitete vor allem Reisedecken, Sofadecken und Plüschgarnituren, die er an private Kunden im direkten Einzelhandel absetzte. Eine Sofadecke brachte damals den Erlös von 7,50 bis 8,50 Mark, je nach Qualität. Er bezog die Garne hauptsächlich aus Gera und bereitete sie selbst zur Weberei vor.
Otto Hirsch war ein kluger und geschickter Mann. Sein Handwerk war ihm nicht Routine- Angelegenheit, nicht allein Mittel zum Lebensunterhalt. Er dachte über die einzelnen Arbeitsgänge nach, veränderte und verbesserte seine Webstühle. So hat er unter anderem ein Patent ausgearbeitet, zweiseitigen Plüsch in einem Arbeitsgang zu weben. Das gab es bis dahin noch nicht. Dadurch war die Münchenbernsdorfer Teppichindustrie auf ihn aufmerksam geworden, wollte ihn für sich gewinnen und bot ihm einen leitenden Posten in ihrem Betrieb an. Auch die Triebeser Jutewerke schätzten ihn als hervorragenden Textilfachmann und versuchten, ihn an sich zu ziehen. Doch Otto Hirsch war viel zu naturverbunden, viel zu selbständig und vielleicht auch zu eigenwillig, um sich von seinem Waldhaus-Idyll zu trennen und von einem Fabrikanten abhängig zu werden. Er blieb auf seiner „Näß“ am Rande des Pöllwitzer Waldes als freier, selbständiger und mutmaßlich auch als einer der letzten Plüsch-Handweber.
Ende der zwanziger Jahre gab er altershalber seinen Beruf auf, nachdem die Wirtschaft auf seinen Sohn übergegangen war. Auch im hohen Alter noch geistig frisch und rege, starb er 1950 als einer der ältesten Einwohner unserer Umgebung mit 95 Jahren.


Die Natur- und Heimatfreunde laden ein:
Zur heimatkundlichen Wanderung am Sonnabend, dem 8. September, von Mehla über Nässa nach Neuärgerniß. Abfahrt mit Bus 13.20 Uhr ab Friedrich-Naumann-Straße nach Mehla (Kreuzung). Rückfahrt ab Neuärgerniß 17.30 Uhr. Zum Burg- und Heimatfest in Mylau vom 8. bis 10.September 1962.

Kulturelle Betätigung ist nicht Selbstzweck
Aus der Arbeit des Kabaretts der FDJ-Wohngruppe 13 in Greiz

Kabarett „Die Roten Blitze“

Im letzten Jahr, besonders aber in den letzten Monaten, hat das Kabarett „Die Roten Blitze“ von sich reden gemacht, Zum Volkskunstwettbewerb in Greiz wurde den Freunden das Prädikat „Sehr gut“ zugesprochen. Beim Pressefest der „Volkswacht“ in Gera und bei anderen Großveranstaltungen waren sie dabei. Man hat das Kabarett in verschiedenen
Publikationen lobend erwähnt und daraus ging deutlich hervor, daß sich die jungen Freunde – es sind zur Zeit acht – nicht nur um der Kultur willen betätigen. In einem Jahr Arbeit haben sie das bewiesen. Dazu erfuhren wir in einem Gespräch mit dem Leiter des Kabaretts u. a. folgendes:
„Urheber“ der ganzen Sache war eigentlich der Wohnbezirksausschuß der Nationalen Front, Organisator und Initiator aber Jugendfreund Norbert Piehler. Richtschnur für sein Handeln die Auffassung: Konsequent durchführen wie einen Parteiauftrag. Und damit hatte der damals kaum 21jährige Genosse gut getan, das gab seiner Neigung zur kabarettistischen Arbeit die richtige Linie. Im Herbst 1960 bekam Norbert Piehler von der Nationalen Front den Auftrag, die FDJ-Wohngruppe 13 wieder ins Leben zu rufen.„Schon bei der Deutschen Grenzpolizei hatte ich in einem Kabarett mitgearbeitet“, erzählte Genosse Piehler, „da dachte ich…. und so wurde unser Kabarett am 6. Juli 1961 gegründet.“ Die jungen Freunde wurden „gleich ins Wasser geworfen“, wie man so sagt, traten bereits am 31. August in Clodra auf und wurden in den folgenden Wochen tüchtig zur Vorbereitung der Volkswahl eingesetzt. An dieser Stelle noch herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen und weiterhin viel Erfolg!

50 Prozent der Stücke wurden und werden von den Jugendfreunden selbst geschrieben. „Wir sind bestrebt, unser Programm so zu gestalten, wie es die Ziele von Partei und Regierung verlangen, um sie dienstbar zu machen dem Kampf um die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Festigung der Kampfbereitschaft der Werktätigen, wie es im 14.Plenum hervorgehoben wurde. Wir wollen dabei an die jüngsten politischen Ereignisse anknüpfen“, erzählte Genosse Piehler. „Mit den Mitteln der Satire geben wir z. B. Erscheinungen in Westdeutschland der Lächerlichkeit preis und versuchen, das Publikum im Sinne des Nationalen Dokumentes zum Nachdenken, Begreifen und Handeln anzuregen. Freilich ist es oft schwer, treffende Szenen zu erarbeiten. Da genügt es nicht, mit beiden Beinen im Heute zu stehen und seine Umwelt gut zu beobachten, da müssen vor allem auch solche bedeutsamen Dokumente wie das des Nationalrates ,Die geschichtliche Aufgabe der DDR und die Zukunft Deutschlands‘ durchgearbeitet und mancherlei Geschichts- und Lehrbücher gewälze werden. Unsere sozialistische Literatur und die Erfahrungen der Partei- und Arbeiterveteranen können dort weiterhelfen, wo es uns jungen Menschen an Lebenserfahrung mangelt. Wohl hat mir z. B. die Mutter erzählt, daß der Großvater am Kampf gegen den Kapp-Putsch teilnahm, daß seine Familie die Veranstaltungen von Arbeitervereinen besucht hat — das alles reicht aber nicht für ein Programm, in dem jeder Satz sitzen muß. Umso positiver wirkt es sich aus, daß die Wissenschaft, die Künste, die humanistische Bildung in unserer Republik die Fürsorge der ganzen Gesellschaft und des Staates genießen, wie es auch im Nationalen Dokument festgestellt wird, „und daß ein neues, sozialistisches Verhältnis der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Bürgern verschiedener Gesellschaftsschichten entsteht.“ Gleich wertvoll ist bei der Zirkelarbeit die Unterstützung durch den Wohnbezirk der Nationalen Front, die leitenden Genossen der BBS „Junge Garde“, die den Jugendfreunden manche Sorge um geeignete Räume und in organisatorisch-technischer Hinsicht abnahmen, und die leitenden Genossen und Kollegen der Patenbetriebe Druckerei „Karl Liebknecht“ und VEB Buch- und Stahlstichdruck Greiz, was oft materiell spürbar wurde. Die Unterstützung durch die WPO wird besser werden. Die Jugendfreunde und die jungen Genossen der „Roten Blitze“ wollen sich gern mit für eine gute propagandistische und agitatorische Arbeit in der WPO einsetzen — sie haben’s ja schon bewiesen. Man verspricht sich auch einiges vom Kreiskulturzentrum,
das in den letzten Monaten in der Greizer Neustadt gebildet wurde. Da sich das Hauptgewicht kultureller Massenarbeit immer mehr in die Wohngebiete verlagert, kann vom Kulturzentrum aus auf die kulturellen Interessen`der Bürger besser eingegangen werden. (Siehe auch Artikel „Leitkulturzentrum Greiz arbeitet!“ im „Treffpunkt Klub“ 3/1962.)

Auseinandersetzungen auch in der Gruppe
„Im Gegensatz zu Westdeutschland, wo sich die führenden Positionen des Staates, der Wirtschaft und der Kultur im Monopolbesitz einer verhältnismäßig kleinen Schicht von privilegierten Klassen befinden, steht in der Deutschen Demokratischen Republik die Leitung des Staates, der Wirtschaft, der Bildungsstätten und der Kulturinstitute ällen begabten und fleißigen Menschen des Volkes — ungeachtet ihrer sozialen Herkunft — offen“, heißt es im Nationalen Dokument. „Aber wir müssen auch alles für diesen Staat tun“, sagte der Leiter des Kabaretts, Genosse Piehler, dem kürzlich für seine gute Arbeit die Arthur-Becker-Medaille verliehen wurde.„Und wenn es weiter heißt, ’noch niemals in der deutschen Geschichte hatte die Jugend solche Lern-, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten wie in der DDR‘, dann muß man auch mit ganzer Kraft diese Möglichkeiten zum Wohle der Gesellschaft nutzen.“

Darüber z. B. werden im Kollektiv (dessen jüngstes Mitglied ein 15jähriger Oberschüler, sein ältestes der 23jährige Leiter selbst ist) Aussprachen geführt. „Wenn ein Jugendfreund in seiner Berufsausbildung nachläßt, versuchen wir, ihm klarzumachen, daß er damit sich selbst und unserem Staat schadet. Die Zirkelarbeit darf auch nicht die Ursache für eine ungenügende Arbeit im Betrieb oder in der Schule sein. Nur fleißige Schüler, Lehrlinge und Arbeiter können ,echte‘ Kabarettisten sein. Denn die Frage ,Und was tust du?‘ müssen sie jederzeit selbst mit gutem Gewissen und guten Leistungen beantworten können. Oder eine andere Stelle im Nationalen Dokument: Im grundsätzlichen Unterschied zu Westdeutschland, das infolge der Herrschaft der Imperialisten und Revanchepolitiker auf dem Gebiet der Kultur — ebenso wie auch auf dem Gebiet der Sozialpolitik — immer mehr zu einem tatsächlich unterentwickelten Land wird, entsteht in der Deutschen Demokratischen Republik auf der Grundlage der geschichtlich überlieferten eine neue humanistische, eine sozialistische deutsche Kultur. Sie ist dem ganzen Volk zugänglich.
Sie ist für das ganze Volk da. Wir selbst bemühen uns ja, einen kleinen Teil beizutragen zu dieser sozialistischen Volkskultur“, sagte Genosse Piehler. „Und wir setzten uns vor längerer Zeit entschieden auseinander, als im Zirkel sozialistische Kulturarbeit ,gemimt‘, das Gegenteil aber praktiziert wurde, nämlich wenig kulturvolle Schlager westlicher Prägung gesungen wurden. Wir haben die Freunde über die kulturpolitische Rolle in unserem Arbeiter -und-Bauern-Staat aufgeklärt. Es besteht darüber genauso eine Meinung wie über unsere künftige Arbeit, die wir ganz in den Dienst der Aufgabe stellen, die im Nationalen Dokument so eindeutig formuliert ist: „Ganz Deutschland ein reiches und blühendes Land der friedlichen Arbeit! Das große Bündnis aller Bürger und ihre verantwortungsvolle Zusammenarbeit in der Nationalen Front ist notwendig, um den geschichtlichen Auftrag der Deutschen Demokratischen Republik zu erfüllen: den Frieden zu erhalten, die Geschicke der Nation zum Guten zu wenden und das ganze Deutschland zu neuer Blüte zu führen. Jeder ist eingeladen, mitzuplanen, mitzuarbeiten und mitzuregieren.“
Anita Waldmann

KARLHEINZ ZIERDT
Ein Schuß im Morgengrauen…
Die gesellschaftlichen Hintergründe einer Bluttat

Das Sterbebuch der Laurentiuskirche zu Elsterberg weist in einer Nebenspalte unter dem Datum des 22. 6. 1810 einen interessanten Eintrag auf. Der im „Greizer Heimatboten“ Heft 7/8-1961 erschienene Bericht „Wanderung zu Grabstätten und Steindenkmalen“ bezieht sich darauf. Dort ist vom „Lorenzstein“ nahe der Dürren Henne die Rede. Die Absicht, jene Affäre, die zur Errichtung dieses Denksteines führte, aus historisch – gesellschaftlicher Sicht auszuwerten, führte mich ins Elsterberger Pfarrarchiv und ich fand nachfolgenden Text, der den Raubmord in einem einseitigen Bericht beschreibt, weil der Tote im Gebiet der Elsterberger Parochie (des Elsterberger Pfarrsprengels) aufgefunden wurde:
1810 — Am 22. Juni, den 2. Bußtag gegen 5 Uhr ereignete sich in hiesiger Parochie folgender traurige Vorfall:
Herr Kaufmann Lorenz, Besitzer von Ruppertsgrün, in Greitz wohnhaft, ein sehr reicher, doch der Angabe nach etwas karger Mann, wollte mit einer Botenfrau, bei der Rentzschmühle wohnhaft, von Ruppertsgrün nach Greitz zurückgehen. Zwischen dem zu Scholitz gehörigen Trommerschen Hause, und Lohsa, am Reißmannschen Felde, als er etwa 3 Schritte hinter dieser Frau geht, wird er unvermutet hinten in die Seiten geschoßen, daß er augenblicklich todt zu Boden stürzt. Zwei Kerls, barfus, blos in Hemd und Hosen, der eine mit Pflastern im Gesicht, der andere die Haare übers Gesicht

Neben der Dürren Henne, an der Straße Losa-Ruppertsgrün, ließen die Angehörigen des Ermordeten später einen Gedenkstein, den „Lorenzstein“, errichten. Das rief die Empörung der Dorfbewohner hervor, die den Oberen Teil mitsamt der Inschrift zerstörten.
Foto: Zierdt

hängend, fordern der Frau das Geld, welches sie für Herrn Lorenzen trägt, ab, der Angabe nach etwa 300 Thaler, versichern ihr, ihr solle nichts geschehen, nehmen ihr das Geld aus ihrem Tragkorb und laufen in das Korn, in welchem sie, wie sich nachher gefunden auf Herrn Lorenz lauernd, gelegen hatten, zurück. Aus dem Korn ruft ihr noch einer zu, sie solle keinen Lärm machen, sonst gehe es ihr ebenso. Sie geht still nach Ruppertsgrün zurück und macht dort die Anzeige. Die Bösewichter hatten nun Zeit, sicher zu entfliehen.
Nachmittags geschah die gerichtliche Aufhebung und Section. Kugeln und Schrote und 54 Steine waren durch die Leber gegangen und hatten sie an die Lunge geschlagen. Da der Schuß ganz in der Nähe geschehen, so hatt die Pelzweste des Herrn Lorenz blos verhindert, daß die Botenfrau, die als Fröhnerin mitgegangen, nicht auch verwundet worden. Die Leiche wurde von den Coschitzer Gerichten den Ruppertsgrünern übergeben und die öffentliche Beerdigung erfolgte den 27. Juni nachmittags 3 Uhr in Ruppertsgrün.(Es folgt eine Aufzählung der Teilnehmer an der Trauerfeier. D. Verf.) Die Leiche kam in die Herrn Lorenzen gehörende Gruft in der Kirche. Herr Lorenz war ca. 76 Jahre alt.
Nicht lange vorher war, als in seinem Holz nach dem Steinigt zu, ein Klafter des Nachts angezündet worden, und als er mit dahin eilte, aus dem Hopfen bei der Schäferei bereits nach ihm geschoßen worden. Die Täter sind bis jetzt noch nicht entdeckt
Die Anforderung des hiesigen Ministerio …. (betr. Aktenmaterial. D. Verf.)
Dies ist der urkundlich verbürgte Tatbestand, der die Mörder zwar brandmarkte, aber gleichsam auch Schatten auf die Person des „kargen Herrn Lorenz“ wirft. Wer war eigentlich dieser Lorenz in Wirklichkeit? Läßt sich aus seiner Charakteristik vielleicht bereits ein Beweggrund, also ein Motiv, jener späterhin an ihm begangenen Untaten erkennen? Die aufschlußreichsten Berichte darüber gaben uns Max Eisentraut und Dr. Gottfried Doehler im „Vogtländischen Anzeiger“ des Jahres 1937. Jeder der beiden Autoren betrachtete diese und speziell das letzte Verbrechen von seiner eigenen Warte aus. Eisentraut, der die Motive der Tat für entschuldbar empfindet, Doehler hingegen, der die Tat aus gleichfalls noch privaten Ressentiments heraus niemals entschuldigen kann, wenngleich er versteckte Zugeständnisse machen muß. Leider hat uns Dr. Doehler mit der Nichtveröffentlichung zweier Akten von 1810 weitere Unterlagen zu diesem Fall aus der Hand genommen, doch scheint er gelegentlich Passendes daraus mit verarbeitet zu haben. Sowohl Vorgeschichte als auch Nachspiel dieser Affäre waren schon 1896, zur Zeit von Doehlers Nachforschungen, legendenhaft umwoben. Die Namen der Mörder wollte man allenthalben im Dorf noch genannt haben, wenn auch nur ungern, um Verständlicherweise den Zeigefinger von lebenden Nachfahren zu nehmen.
Wie sich der Zorn und die Rache seiner Untertanen steigerten, um zum offenen Ausbruch von Verzweiflungstaten zu führen, läßt sich eigentlich unschwer feststellen.
Das erhaltene Handelsbuch des Johann Carl Adam Lorenz kennzeichnet ihn höchstselbst trotz seiner weltweiten Beziehungen als knickrigen, raffgierigen Händler, der niemandem mehr Verdienst gönnte als sich allein.

Er war ein kleinlicher, geiziger und daher höchst egoistischer Mensch, der keinen Fingerbreit von seinen einmal gestellten Forderungen abwich. Bei den von ihm drangsalierten Dorfbewohnern Ruppertsgrüns (Kreis Plauen i. V.) machte er sich stets aufs neue unbeliebt und verhaßt, weil ihn seine charakterlichen Eigenschaften in jedem Amte überheblich werden ließen und er lediglich den eigenen Geldbeutel zu füllen trachtete. Dazu schien ihm jedes Gewaltmittel recht gewesen zu sein. Rücksichtslos ließ er Steuern eintreiben, er fällte selbst Gerichtsurteile bzw. setzte selbst die unerhörtesten Strafmaße für geringste Vergehen fest, die man bar jedes menschlichen Empfindens und jeder Würde bezeichnete. Seine berüchtigte Hartherzigkeit in diesen Dingen weiter zu untermauern, könnten die alten Gerichtsakten recht gute Helfer sein. Die Not anderer erkannte er niemals an.
„Die Veranlassung zu dieser unseligen Tat gaben der durch viele Prozesse genährte böse Geist und die Unzufriedenheit und der Haß mehrerer Gemeindeglieder gegen den Gerichtsherrn. Mehrere Bauern prozessierten nämlich erfolglos gegen Lorenz und wurden dabei sehr schonungslos behandelt“, so schreibt Eisentraut. Hinzu kommt ein ausschlaggebendes Ereignis, das sich tags zuvor abgespielt hatte, d. h. vor der Mordtat. Am 21. Juni hatte Lorenz in Ruppertsgrün Gerichtstag abgehalten und dabei gleichzeitig erbarmungslos Steuern eingetrieben. Das war natürlich im Dorfe wie ein Lauffeuer bekannt geworden, ebenso sein oft vermuteter frühzeitiger Fußweg zurück nach Greiz „in die Höhle des Löwen“. Die Mißstimmung und Erbitterung gegen Lorenz steigerte sich derart daß die einzige Rettung der Dörfler, der Bauern und Fröner, in seiner gewaltsamen Beseitigung bestanden haben mag. Obgleich bereits 76 oder auch nach anderen Angaben 78 Jahre alt, scheintt Lorenz dennoch recht gebieterisch aufgetreten zu sein. So möchte man sagen, daß die Beseitigung dieses Ausbeuters fast eine gesellschaftliche Notwendigkeit geworden war. Schon die Beteiligung von zweifelhaften 2, 3, 4 oder 5 männlichen Personen (je nach Berichterstatter) an dieser Mordtat und die geringen Bemühungen der Dörfler, jene, da sie namhaft wurden, den Gerichten zu überliefern, zeugt eher von einer Dorfrebellion im kleinen als von Raubmord, wenn auch so nebenbei die Geldsumme mit verschwand. Ein Mord aus Habsucht hätte gewiß eher den Tod der Botenfrau oder beider nach sich gezogen als den des „unbeteiligten“ Lorenz. Sofern die Botenfrau nicht andere Traglasten zu befördern hatte, ist es sicherlich anzunehmen, daß Lorenz stets Gefahren witterte und das Geld nicht bei sich mitführte. Er war sich also seiner Unbeliebtheit gewiß. Auch die Distanz von drei Schritten, die er zur Botenfrau auf dem Wege einhält, läßt verschiedene Deutungen zu. Es mag nicht standesgemäß gewesen sein, eine „Wegunterhaltung mit gemeinem Volk“ zu pflegen, wie auch, um die Frau nicht aus den Augen zu verlieren.
Hatte die Botenfrau aus der nahen Rentzschmühle etwa die verkleideten und entstellten Täter erkannt und geschwiegen? Wußte sie um die Vorbereitung der Tat? Das alles wäre sehr leicht möglich. Wie sonst ist es zu verstehen, daß die Täter ihre eigene Belastungszeugin laufen ließen, wenn es dazu nicht einzig und allein auf Lorenz und erst in zweiter Linie auf dessen Besitz angekommen wäre!
Quellennachweis:
Vogtlandischer Anzeiger Jahrgang 1937:
Dr. G. Doehler — J. C. A. Lorenz — Max Eisentraut — Wanderungen im Vogtland
Apitzsch: Wo auf hohen Tannenspitzen
Kirchenbuch vom Jahr 1810 der St. Laurentius-Kirche zu Elsterberg

DR. ERICH MARTIN
Sommerwetter im Juni und Juli?

Wie verlief es?
Im Juni
3= Minimum unter 10 °, 4= Sommertage, 5= Bewölkung,

Dekade Wärme 3 4 5 Wind Regen
1.-10. 10,6° 9 mal 0 50% N 1,2 mm
11.-20 17,5° 3 mal 3 64% W u. SW 7,0 mm
21. -30. 14,8° 5 mal 3 61% SW u. West 4,9 mm
im Monat 14,3° 17 mal 6 58% 13,1 mm

.
und im Juli
3= Minimum unter 10 °, 4= Sommertage, 5= Bewölkung,

Dekade Wärme 3 4 5 Wind Regen
1.-10. 12,6° 10 mal 1 76% SW-NO 10,2 mm
11.-20 15,7° 1 mal 0 74% SW 59,7 mm
21. -30. 16,9° 6 mal 3 38% SW u. NO 12,3 mm
im Monat 15,1° 17 mal 4 63% 82,2 mm

Da nun am Anfang Juli das gleiche kühle Wetter vorherrschte, kann man die beiden Monate in ihrem Wetterverlauf charakterisieren:

3= Minimum unter 10 °, 4= Sommertage, 5= Bewölkung,

Dekade Wärme 3 4 5 Wind Regen
1.-4. 6. 7,8° 4 mal 0 79% N 1,2 mm
5.-7. 6. 10,1° 3 mal 0 26% N
8.-13.6. 13,9° 5 mal 0 52% N u. W
14.-24.6. 19,7° 6 51% SW 7,0 mm
25.6.-7.7. 11,2° 12 mal 0 87% SW 12,5 mm
8.-18.7. 15,4° 4 mal 1 66% SW 62,3 mm
19.-22.7. 18,2° 1 63% SW
23.-24.7. 15,6° 2 mal 13 23% SW u. N
25.-27.7. 20,1° 1 mal 2 32% SW 3,9 mm
28.-31.7. 14,1° 3 mal 0 38% NO 8,4 mm
an 61 Tagen 14,7° 34 mal 10 60% 95,3 mm

Nach dem kühlen Mai war eigentlich viel nachzuholen. So zeigte sich der „Maiwuchs“ — die jungen Triebe der Nadelbäume — erst im Juni. Die wenigen warmen Tage konnten aber keine günstigeren Ernteaussichten herbeiführen. Wohl war der Julidurchschnitt etwas höher als der des Vormonats, aber er blieb noch mehr hinter der normalen Wärme zurück. Die heißen Tage wie der 23. Juni mit seinen 30 Grad und der 26. Juli mit sogar 31,5 Grad blieben Seltenheiten. Dagegen sank am 7. und auch am 8. Juni das Thermometer auf den 0-Punkt, und am 9. Juli war es nur 6 Grad warm. Bei solch kühlen Morgentemperaturen mußte auch noch im Juli geheizt werden. — Die Schwankungen waren beträchtlich. So folgten auf den Tropentag am 26. noch einmal auffallend kühle Tage. Beängstigend war die Trockenheit im Juni. Die geringen Niederschläge betrugen doch nur 17,5% (!) des Normalbetrages. Im ersten halben Jahr wurde dadurch das Niederschlagsdefizit auf 42% heraufgedrückt. Im Juli sind die Regenmengen wieder einigermaßen normal gewesen. Er ist ja gemeinhin unser feuchtester Monat, so daß uns ein Urlaubsregen nicht verwunderlich sein darf. In der Mitte des Monats fielen beachtliche Feuchtigkeitsmengen, während es dann zum Schlusse hin wieder trockener wurde. Noch hat unser Boden nicht genug Wasser, und es gilt weiter, was der Stempel auf Postsachen aus Weimar uns mahnt: „Vergeude kein Wasser!“

Greizer Heimatbote September 1962

Die mobile Version verlassen