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Entwurf Einzelhandelskonzept: Greizer Innenstadt als Hauptzentrum

Entwurf Einzelhandelskonzept: Greizer Innenstadt als Hauptzentrum

Mathias Vicek von der BBE Handelsberatung Erfurt stellt den Entwurf des Einzelhandeslkonzeptes vor.

Lediglich zwanzig Interessierte kamen am Donnerstagabend zur Bürgerversammlung in den großen Rathaussaal, um mehr über den Entwurf des neuen Einzelhandelskonzeptes zu erfahren

GREIZ. Fast zehn Jahre nach der letzten Untersuchung hat am Donnerstagabend Dipl.-oec.Mathias Vicek von der BBE Handelsberatung GmbH Erfurt das neue Einzelhandelskonzept für die Stadt Greiz vorgestellt.
Veränderte Rahmenbedingungen, beispielsweise die demografische und Einzelhandels-Entwicklung, sowie die veränderte Kaufkraft machen die Fortschreibung notwendig, wie Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) zur Begrüßung der Interessierten im großen Rathaussaal sagte.
Anwesend waren zudem Bauamtsleiter Bertram Koch, Stadtplaner Dieter Obenauf und Bauamtsmitarbeiter Reiner Post.
Dass die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Greiz in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent „bergab“ ging, stellt Mathias Vicek den Ausführungen voran. Ein Drittel der Greizer Bürger sind älter als 65 Jahre; 9000 Menschen leben dezentral in den Ortsteilen – das sind vierzig Prozent. Fazit ist, dass sich der Handel in den nächsten Jahren auf ein älteres Klientel ein-und umstellen muss. Bereits jetzt liegen die Bereiche Apotheke, Optik und Sanitätsbedarf in der Höhe der Nachfrage statistisch am höchsten.
Als Mittelzentrum versorgen könnte die Stadt Greiz 34.000 Personen; zumal die „Potentialbasis relativ gut ist“, so Vicek. Andererseits seien von einst 200 Betrieben ein Drittel „verschwunden“; zwanzig Geschäfte wurden allein in den letzten zehn Jahren geschlossen und der Online-Handel schlage mit etwa zehn Prozent zu Buche. Tendenz steigend.
Fakten, die einem attraktiven Innenstadtzentrum mit prosperierendem Handel nicht unbedingt zuträglich sind.
In den nächsten Jahren habe die Greizer Altstadt nun „oberste Priorität“. Ziel sei, die Angebotsschwerpunkte in der Greizer Kernstadt zu forcieren, zudem im Ostteil der Stadt das Spectrum-Center und im Gebiet Reißberg/Pohlitz den REWE-Markt. Die Ortsteile seien „schlecht versorgt“, so die Bestandsaufnahme, dadurch bedingt seien die Anwohner immer mehr auf PKW’s oder Nahverkehrsmittel angewiesen, um nach Greiz zum Einkauf zu fahren.
Der Handel ist zum Großteil in der Kernstadt gut ausgeprägt, schätzt Mathias Vicek ein; Nachholbedarf gebe es allerdings in der Mode-und Schuhbranche.
Auch die Potentialfläche „Marstall“ stand als Ziel einer „intensiven Nutzung“ im Blickpunkt der Betrachtung. Bereits vor zehn Jahren wurde eine Nutzung dieses Bereichs empfohlen. Geplante „Ankermieter“ seien ein Lebensmittelsupermarkt, ein Discounter und ein Drogeriemarkt, optional auch ein Modefachmarkt. Dabei sei es nicht angedacht, dort kleinere Ladeneinheiten anzusiedeln, um die Bestandsstruktur der Altstadt nicht wiederholt abzubilden und somit die Konkurrenzsituation zum bestehenden Handel zu schaffen. „Es muss wieder Spaß machen, vom zentralen Versorgungsbereich Altstadt durch die Marktstraße zu laufen“, wie es Mathias Vicek formulierte. Bislang habe es wenig Grund gegeben, diese bis zum Ende durchzugehen. Für das Areal „Marstall“ sei das eine enorme Chance, an Strahlkraft zu gewinnen, meinte Bauamtsleiter Koch. Je mehr Gründe es gebe, die Innenstadt aufzusuchen, desto mehr Menschen würden auch nach Greiz kommen, ergänzte Mathias Vicek.
Um die Geschäfte in der Altstadt konkurrenzfähig zu halten, sei es nicht nur wichtig, ein gutes Angebot zu offerieren, sondern auch, den Bürgern ein „Einkaufserlebnis zu bieten“, so Bertram Koch. Ist der Kunde willkommen? Fühlt er sich wohl? – seien Kriterien, die immer mehr an Priorität gewinnen würden.
Natürlich bedinge diese Entwicklung eine „funktionierende Verkehrslösung“, betonte Stadtplaner Dieter Obenauf, nachdem Stadtrat Holger Steiniger (Die Linke) auf das ohnehin schon existierende „Verkehrschaos“ in der Stadt hinwies. Das Konzept mache „die Innenstadt kaputt und das Chaos perfekt“. Dass die Stadt nur eine Zufahrt habe, sei ein „mordsmäßiges Minus“, befand auch Monika Zien, die das ungeklärte Verkehrskonzept als „ständiges Reizthema“ bezeichnete.
Die anschließende Diskussion zum Konzept verlief relativ verhalten. Lediglich Thomas Scheffel und Markus Hetzheim wollten zum Bebauungsplan der Brückenstraße, respektive zur Miet-Nachfrage des Marstalls etwas wissen. Dass man das Thema Gastronomie völlig aussparte, blieb André Gottschalk unverständlich.
Bedenkt man, wie groß das Interesse der Greizer Kommunalpolitiker sowie der Händler und Gewerbetreibenden zur Diskussion um die LIDL-Investition vor anderthalb Jahren noch war, eine ernüchternde Erkenntnis, das lediglich zwanzig Interessierte ins Rathaus kamen. Aus welchen Gründen blieben sie der Bürgerversammlung fern? – diese Frage tauchte sicher bei vielen der Anwesenden auf.
Zudem das Einzelhandelskonzept „nicht in Stein gemeißelt“, sondern ein „lebendiger Prozess“ sei, den man mit eigenen Ideen und Vorstellungen untermauern könne, wie es Mathias Vicek formulierte. Das Konzept sei nur eine „Zustands-Analyse“ – verbunden mit der Frage „Wo stehen wir jetzt – nach dem Jahr 2009?“, betonte Bertram Koch. Es sei „kein fertiges Konstrukt“, sondern ein „Aufruf zur Diskussion“.
„Die Beschlüsse des Stadtrates sind da „, sagte Bürgermeister Alexander Schulze abschließend.

Seit 13. August steht das Einzelhandelskonzept auf der Homepage der Stadt Greiz www.greiz.de online.
Der Entwurf liegt vom 20. August bis 19. September im Bauamt der Stadt Greiz, von Westernhagen-Platz 5 (im Flur Erdgeschoss) aus und kann von jedermann eingesehen werden:
Montag bis Mittwoch: 9 – 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr
Donnerstag: 9-12 Uhr und 13 bis 18 Uhr
Freitag: 9 bis 12 Uhr
Anregungen können schriftlich oder während der Öffnungszeiten zur Niederschrift abgegeben werden.

Antje-Gesine Marsch @18.08.2018

Entwurf Einzelhandelskonzept: Greizer Innenstadt als Hauptzentrum
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